Süddeutsche Zeitung

Straßenbauprojekt in Freising:Vierspurig über die Isar

Der Kreistag verabschiedet sich von den Plänen für den "Turbokreisel" beim Zusammentreffen der beiden Kreisstraßen FS 44/45 als Anschluss an die Westtangente. Jetzt wird womöglich eine neue Brücke in dem Landschaftsschutzgebiet gebaut.

Von Peter Becker, Freising

Der Turbokreisel an der Ismaninger Straße ist passé. Der Kreisausschuss des Kreistags verabschiedete sich am Donnerstagnachmittag von den bisherigen Plänen zur Ertüchtigung des Verkehrsknotens am Zusammentreffen von den Kreisstraßen FS 44/45. Er will nun eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, die auf den Untersuchungen aufbaut, die Andreas Kämper vom Tiefbauamt des Landratsamts in der Sitzung vorgestellt hatte. Dazu zählen prognostizierte Verkehrsströme und der Vorschlag, eine neue Isarbrücke im Landschaftsschutzgebiet Isarauen zu bauen. Diese wäre dann vierspurig.

Der Knotenpunkt soll nach den neuesten Planungen dort bleiben, wo er sich jetzt befindet. Sämtliche Anschluss-Strecken, also auch die über die neue Isarbrücke, sollen vierspurig sein. Der Verkehr wird durch eine Ampelanlage geregelt, ebenso wie die Zufahrt zum Pförrerhof. Die jetzt nicht mehr durch kühn geschwungene, Flächen fressende Überführungsbauwerke, sondern plan erfolgen soll. Stellvertretende Landrätin Anita Meinelt (CSU) nannte die Planungen als Sitzungsleiterin für diesen Knoten punkt eine "langwierige Geschichte". Schließlich laufen diese schon seit dem Jahr 2015. Sehr diffizil sei die Planung wegen des Eingriffs in die Natur. "Wir brauchen aber einen Beschluss, damit wir weiterkommen."

"Auf irgendeiner Trasse muss gefahren werden", sagte FW-Kreisrat Rainer Schneider

Über die exakte Formulierung des Beschlusses ließ sich aber trefflich streiten. Toni Wollschläger (Grüne) wunderte sich zunächst darüber, dass der Konsens darüber, die Isarauen nicht anzutasten, verlassen worden sei. Die Beschlussvorlage der Verwaltung komme zudem seiner Meinung nach einem Grundsatzbeschluss gleich, den Verkehrsknoten an der Ismaninger Straße nach den vorgelegten Plänen zu bauen. "Wir zäumen das Pferd von hinten auf", kritisierte Wollschläger. Er wolle nicht, dass der Kreistag wie beim Bau der Westtangente einen "Blankoscheck" unterschreibe. Und auf einmal reihe sich Maßnahme an Maßnahme. "Viele Dinge sind unklar", monierte Wollschläger, insbesondere die Kosten und die naturschutzrechtlichen Fragen. Wollschläger rechnet damit, dass sich der Landkreis da einige Klagen einhandeln werde. Auf seinen Wunsch hin kam es zu einer Abänderung der Beschlussvorlage. Dort heißt es jetzt nicht mehr, dass den Planungsansätzen aus dem Jahr 2020 zugestimmt werden, sondern dass eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden soll, die auf den bisherigen Untersuchungen aufbaue.

Rainer Schneider (FW) freut sich darüber, dass die beiden "Ohrwaschl", die Zufahrten zum Pförrerhof, aus der Planung verschwunden sind. Unabhängig davon, ob sich die Elektromobilität durchsetze oder nur ein Zwischenschritt sei: "Auf irgendeiner Trasse muss gefahren werden", sagte Schneider. Die vorliegende Lösung sei aber besser als die vorhergehende. "Wir sind auf einem guten Weg", meinte Schneider. Tobias Weiskopf (FDP) sieht ebenfalls die Notwendigkeit einer genauen Untersuchung. "Denn wir haben starken Zuzug. Die Region boomt". Johann Stegmair (CSU) riet zur Zustimmung, denn die Zeit dränge. Denn wie Kämper erläutert hatte, bedarf es vor weiteren Planungen einer Untersuchung des Schutzgebietes in den Isarauen. Die dort heimische Flora und Fauna müsse erhoben werden, sagte Kämper, damit der beabsichtigte Eingriff genauer betrachtet werden könne. Diese Untersuchung dauert ein ganzes Jahr. Anfang 2022 könnten nach Ansicht der Verwaltung auf der gewonnenen Grundlage anschließend die weiteren Planungsarbeiten beginnen.

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SZ vom 16.10.2020/ilos
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