Süddeutsche Zeitung

Tarifstreit:Warnstreik am Klinikum Freising

Auch Mitarbeiter des Landratsamts und der Stadtwerke werden am Montag ihre Arbeit niederlegen.

Von Gudrun Regelein, Freising

Die Fronten im Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Verdi und den kommunalen Arbeitgebern sind verhärtet. Vor den kommenden Verhandlungen am 22. und 23. Oktober hat die Gewerkschaft deshalb noch einmal zu Warnstreiks aufgerufen. In Freising werden am Montag Mitarbeiter des Klinikums, des Landratamtes und der Stadtwerke Freising für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen streiken. Die Aktion wird eintägig sein.

Die Streikbereitschaft am Klinikum Freising sei groß, berichtet Christian Reischl, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Bereich Gesundheit und Soziales. Am Montag werden dort zwei Stationen geschlossen sein. Schon jetzt werden Patienten entlassen, erst von Dienstag an werde es wieder Neuaufnahmen geben. Teilnehmen am eintägigen Warnstreik werden neben Pflegekräften auch Mitarbeiter aus medizinischen Berufen und der Verwaltung.

Zwei Stationen werden am Montag geschlossen sein, Ärzte werden aber weiter arbeiten

Ärzte aber werden die Arbeit nicht niederlegen, berichtet Klinikum-Sprecher Sascha Alexander. Zwischen der Gewerkschaft und der Klinikleitung wurde eine Notdienstvereinbarung geschlossen. "Es wurde viel verhandelt, alles ist geregelt." Die Patientenversorgung sei genauso wie die Notfallversorgung sichergestellt, genügend Personal sei da. Am Warnstreik werden sich zwei Schichten beteiligen, wie Alexander sagt: die Früh- und die Spätschicht, die Nachtschicht dann aber nicht mehr. Bereiche, die vom Klinikum-Dienstleister Metralog abgedeckt werden, also die Küche, die Reinigung und der Transport, seien nicht betroffen.

Gerade die Pflegekräfte hätten während des Lockdowns viel Anerkennung und Applaus bekommen, das müsse sich nun auch in den Gehältern widerspiegeln, fordert Verdi-Sekretär Reischl. "Noch immer aber gibt es von der Arbeitgeberseite kein konkretes Angebot, nur die Mitteilung, es ist kein Geld da." Die Gewerkschaft möchte im Öffentlichen Dienst 4,8 Prozent beziehungsweise mindestens 150 Euro mehr Lohn im Monat durchsetzen. Daneben gibt es im Gesundheitsbereich weitere Forderungen: So soll zukünftig die Pause im Nachtdienst bezahlt werden, zudem soll auch den Pflegekräften in den kommunalen Krankenhäusern die Pflegezulage zu 100 Prozent finanziert werden, erklärt Reischl. Höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen seien unbedingt notwendig. "Viele Beschäftigte im Gesundheitswesen und in anderen öffentlichen Dienststellen tragen sich mit dem Gedanken, die Branche zu verlassen. Die Zukunft der öffentlichen Daseinsvorsorge steht und fällt mit qualifizierten und motivierten Beschäftigten", sagt Reischl.

Neben Lohnerhöhungen fordert Verdi bezahlte Pausen und eine vollständige Finanzierung der Pflegezulage

Im Freisinger Landratsamt beteiligen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Bereichen, berichtet Personalratsvorsitzende Carolin Hofer. "Die öffentlichen Dienstleistungen halten den Laden zusammen. Die Gehälter müssen erkennbar aufgewertet werden, um Fachpersonal und Nachwuchskräfte gewinnen und halten zu können." Deshalb sei auch die Forderung nach 100 Euro mehr im Monat für die Auszubildenden so wichtig. "Nun sind die kommunalen Arbeitgeber am Zug, ein kompromissfähiges Angebot zu machen", betont die Personalratsvorsitzende.

Am Montag findet die zentrale Kundgebung von 9 bis 10 Uhr vor dem Landratsamt statt. Reischl rechnet mit über 100 Teilnehmern, neben vielen Mitarbeitern und Auszubildenden aus dem Klinikum werden sich Mitarbeiter aus dem Landratsamt und von den Stadtwerken Freising beteiligen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5073163
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 16.10.2020/ilos
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.