Süddeutsche Zeitung

Kirchbergers Woche:Tue Gutes und rede darüber

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Von Politikern und deren Präsenz - oder: Wie Minister Florian Herrmann tagelang am Flughafen Hände schütteln durfte.

Von Johann Kirchberger

Wo ist eigentlich Birgit Mooser-Niefanger? Wer? Ist das nicht die Frau, die erst bei den Grünen war, 2016 für die Taubenfütterungsverbotsverordnung gestimmt hat, dann zur Freisinger Mitte wechselte und nach der Kommunalwahl 2020 zur dritten Bürgermeisterin der Stadt Freising gewählt wurde? Richtig, seither aber gilt sie als vermisst. Wo immer es in Freising etwas zu repräsentieren, eröffnen, gratulieren oder informieren gibt, dann tun das Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher oder seine Stellvertreterin Eva Bönig. Mooser-Niefanger ist scheinbar abgetaucht.

Ganz genau wissen wir dagegen, wo der Chef der bayerischen Staatskanzlei, unser Landtagsabgeordneter Florian Herrmann ist, denn der handelt nach dem Motto "tue Gutes und rede darüber" und informiert in den "Sozialen Medien" über alles, was er gerade treibt. Auch vergangenes Wochenende war das so, als er wegen des G7-Gipfels in Elmau praktisch nur noch am Flughafen weilte und dort schon sein Feldbett aufstellen ließ. Ständig kam da irgendein hoher Staatsgast, ein Präsident gar, aus Indien, Brasilien, Italien, aus dem Senegal oder sonst wo her die Gangway herunter und Herrmann musste ihm die Hand schütteln: "Willkommen in Bayern, der Vorstufe zum Paradies." Die Hände der ganz Wichtigen, die durfte er allerdings nicht schütteln, des US-Präsidenten oder des Franzosen Macron, das übernahm dann doch lieber MP Söder persönlich. Die Bayern durften ja nicht nach Elmau, um dort irgendetwas in die Wege zu leiten wie Olaf Scholz, aber am Flughafen, sozusagen auf Freisinger Gebiet, da kam ihnen keiner aus.

Vermutlich wird Herrmann seinen Gästen nicht gesagt haben, dass er in Freising daheim ist, er wählte die elegantere Art. Er brachte die Freisinger Stadtkapelle mit, die bayerische Märsche spielen durfte und diese Aufgabe dem Vernehmen nach bravourös gelöst hat. So etwas freut einen, weil man sich als Lokalpatriot immer freut, wenn Freising in überregionalen Medien erwähnt wird. Fast immer, denn in letzter Zeit ging es in Zusammenhang mit der Erzdiözese München und Freising nicht immer um positive Dinge.

Nicht gerade positiv ist auch, was derzeit so alles am Flughafen passiert. Chaos soll dort herrschen. Flüge werden abgesagt oder haben lange Verspätungen, Koffer fliegen nicht mit in den Urlaub, bleiben daheim oder werden irgendwo hingeschickt. Zum Glück werden wir Freisinger damit nur indirekt in Verbindung gebracht, denn der Flughafen liegt im Erdinger Moos und wird daher auch 30 Jahre nach seiner Eröffnung noch immer nach Erding verortet.

Mit ihrem Versuch, die dritte Startbahn für den Flughafen zu beerdigen und aus dem Landesentwicklungsprogramm zu nehmen, sind die Landtags-Grünen diese Woche wieder einmal gescheitert. Die CSU-Mehrheit nämlich will die Dritte irgendwann doch noch bauen, damit dann auch wieder Koffer befördert werden können. Dass Benno Zierer von den Freien Wählern mit den Grünen gestimmt hat, war zu erwarten. Bemerkenswert war jedoch, dass diesmal auch unser CSU-Herrmann für den Antrag der Grünen votiert hat, weil er mit "ganzem Herzen Stimmkreisabgeordneter für den Landkreis Freising ist", weswegen er eine dritte Startbahn von Beginn an abgelehnt habe. Da schau her, das hat er uns aber lange ganz gut verheimlicht.

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