Süddeutsche Zeitung

Food-Startups in und um Freising:Mit neuem Schwung aus der Krise

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf unterstützt Gastronomen, die sich ein zusätzliches Standbein schaffen wollen.

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) unternimmt einiges, um die Folgen der Corona-Krise für Selbständige abzumildern. Studenten helfen Landwirten auf den Feldern und bekommen dies als Studienleistung anerkannt. Nun unterstützt die HSWT auch Gastronomen, die sich ein zusätzliches Standbein schaffen wollen. Was sie dazu brauchen: eine innovative Idee, um haltbare Produkte für Zuhause herzustellen. Die "Gastro-Initiative Bayern 2020" ist vor wenigen Tagen gestartet. Spezialisten stehen den Gastwirten von der Entwicklung bis zur Markteinführung zur Seite.

Das nötige Hintergrundwissen liefert der "Food-Startup-Inkubator" (FSIWS), der Anfang April offiziell an den Start ging - unabhängig von der sich gerade zuspitzenden Corona-Krise. Den Anstoß dazu gab ein Modul des Studiengangs Lebensmitteltechnologie, in dem es um die Gründung von Food-Startups ging, wie Michael Krappmann erklärt, er ist geschäftsführender Projektleiter des Startup-Inkubators. Dabei seien viele gute Ideen entstanden - und dieser Schwung sollte nicht verloren gehen, denkt Krappmann. Bereits seit einem Jahr begleitet sein Team die ersten Jungunternehmer. Inzwischen gibt es auch eine Förderzusage vom Bundeswirtschaftsministerium über zwei Millionen Euro.

Die Branche verändert sich

In der Branche "ist unheimlich viel Leben drin", sagt Krappmann. Gerade bei jungen Leuten wachse beispielsweise das Interesse an veganen Produkten oder einer personalisierten Ernährung. Die großen Konzerne aber seien sehr statisch. Die Resonanz sei gleich nach Vorstellung des Food-Startup-Inkubators in der Fachpresse groß gewesen. Sogar aus Südamerika sei eine Anfrage eingegangen. "Im Moment gibt es die verrücktesten Ideen", sagt Krappmann. Die Branche ändere sich. Lebensmittel müssten, zumindest für einen Teil der Bevölkerung, nicht mehr nur kostengünstig sein. Im Bereich Fleischersatz beispielsweise seien einige Firmen sehr schnell gewachsen.

Die bisher geschaffene Basis soll nun für die neue Gastro-Initiative genutzt werden, um innovative Produkte wie besondere Soßen, Mixgetränke oder kohlenhydratarme Lebensmittel auf den Markt zu bringen. "Das gibt Gastronomen die Möglichkeit, sich breiter aufzustellen", sagt Krappmann. Die HSWT hat dazu mehrere Partner ins Boot geholt wie die Industrie- und Handelskammer, den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, das bayerische Netzwerk "Cluster Ernährung", die Internationale Hochschule IUBH sowie die Crowdfunding-Plattform Startnext und die Startup-Berater von Startin-Food. Die HSWT bringt sich mit dem Know-how ihrer Lebensmitteltechnologen und der Technik ein. Die ersten hundert Interessenten hätten sich auf der Plattform bereits registriert, schildert Krappmann.

Ein großer Pluspunkt der Weihenstephaner Kreativwerkstatt ist das Lebensmitteltechnikum, in dem auch mit kleinen Mengen gearbeitet werden kann, um Rezepturen zu testen und Produkte herzustellen, wie Michael Krappmann erklärt. Die Gastronomen verfügten aber in der Regel selbst über geeignete Produktionsstätten. Für die neue Gastro-Initiative gibt es nicht nur individuelle Unterstützung bei der Produktentwicklung. Auf einer Online-Plattform werden ab sofort wöchentliche Webinare zu Themen aus den Bereichen Produktentwicklung und -herstellung, Verpackung, Etikettierung und Haltbarkeit sowie Marketing und Vertrieb angeboten. Kostenlose Schulungsunterlagen stehen dort ebenfalls zur Verfügung. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Gründung Erfolg hat, erhöht sich laut Krappmann durch eine solche fachkundige Begleitung. Den Inkubator versteht er als "Katalysator, der es Gründern einfach macht".

Der Food-Startup-Inkubator hat schon mehrere Projekte unterstützt

Die innovativsten Produkte sollen am 29. September in Freising von einer Fachjury prämiert werden - an diesem Tag ist die erste bayerische Food-Startup-Konferenz auf dem Gelände der HSWT geplant - sofern Corona das zulässt.

In den vergangenen Monaten hat der Food-Startup-Inkubator der HSWT bereits mehrere Innovationen unterstützt. Seit kurzem ist eine Milch-Alternative aus Pflanzen von Pläin auf dem Markt, ein Startup von drei ehemaligen Studenten. Diese Pflanzen-Milch lasse sich auch aufschäumen, schildert Krappmann. Bei anderen Produkten sei das bisher ein Problem gewesen. Kombuco Fizz, ebenfalls von Studierenden gegründet, verfügt inzwischen über eine eigene kleine Manufaktur in München und fermentiert Fairtrade-Tee, dadurch entsteht das Getränk Kombucha. Das Neufahrner Startup Trocken-Kasperl bietet eine Gemüsebrühe mit Zutaten aus der Region an.

Zum Auftakt der Gastro-Aktion in diesen Tagen beantworten die Organisatorinnen und Organisatoren bei Infoveranstaltungen via Livestream Fragen rund um die Initiative, etwa zum Ablauf der Workshops, zu Teilnahmemodalitäten und dazu, welche Produkte generell geeignet sind.

Wer sich dafür interessiert, findet weitere Informationen unter fsiws.com/gastro-business-schafft-food. Dort kann man sich auch anmelden.

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Quelle:
SZ vom 18.05.2020/nta
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