Süddeutsche Zeitung

Kirchseeon:Sparen in freier Natur

Die Marktgemeinde will sich ein Ökokonto für Ausgleichsflächen anlegen

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Wer nicht von der Hand in den Mund lebt, der legt sich in aller Regel ein Konto an. Das funktioniert nicht nur bei Finanzangelegenheiten, sondern auch in Sachen Naturschutz. Auf ein sogenanntes Ökokonto werden aber anstelle von überschüssigem Geld Landschaftsgebiete eingezahlt, die etwa bei Baumaßnahmen als Ausgleichsflächen herangezogen werden können. Ein solches Naturdepot will sich nun auch die Marktgemeinde Kirchseeon schaffen. Zunächst wird dieses Projekt zwar das monetäre Konto der Kommune nicht unwesentlich belasten, langfristig soll sich die Investition aber auszahlen.

Hintergrund des Vorstoßes ist ein Passus aus dem Baurecht. Demnach müssen unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft - wie etwa die Ausweisung von neuen Baugebieten - vom Verursacher durch ökologische Ersatzflächen kompensiert werden. Das kann entweder unmittelbar im Zuge des Eingriffs geschehen, oder eben vorab, indem die Gemeinde entsprechende Areal bereits auf ihrem Ökokonto parkt. Bei Bedarf können diese dann als Ausgleichsflächen dienen. So soll der Prozess künftig auch in Kirchseeon ablaufen, wie der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen hat.

Dadurch verspricht sich der Markt aber nicht nur Planungssicherheit, sondern auch eine Flächenersparnis. "Wenn die Gemeinde im Vorfeld geeignete Ausgleichsmaßnahmen durchführt, kann diese Vorleistung belohnt werden", heißt es dazu in einer Stellungnahme aus dem Rathaus. Demnach könne die abzubuchende Fläche auf diese Weise bis zu drei Prozent im Jahr verringert werden, somit sei insgesamt ein geringerer Bedarf notwendig. Welche Areale für das Ökokonto in Frage kommen, haben Vertreter der Gemeinde kürzlich mit Experten der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sowie dem Landschaftspflegeverband eruiert. Dabei hätten sich vier Flächen herauskristallisiert, die nun ökologisch aufgewertet werden sollen, wie Silke Mohs vom Technischen Bauamt in der Sitzung erklärte. Demnach sollen die Areale - drei in der Gemarkung Kirchseeon, eines in der Gemarkung St. Christoph - unter anderem insektenfreundlicher gestaltet werden.

Für Herstellung, Pflege und Bauleitung sind Kosten von rund 90 000 Euro veranschlagt. Die Maßnahmen sollen im Laufe des nächsten Jahres umgesetzt werden. "Eine gute Sache" nannte das Bürgermeister Jan Paeplow (CSU), wohingegen Susanne Höpler (Grüne) die Frage stellte, warum man in natürlich gewachsenes Gebiet unbedingt eine Blumenwiese setzen und den Baumbestand stutzen müsse. Das liege daran, dass die Flächen regelmäßig gepflegt und verbessert werden müssen, wie Silke Mohs erklärte. Die Arbeiten zur Aufwertung wird die Verwaltung nun ausschreiben und an den günstigsten Anbieter vergeben.

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Quelle:
SZ vom 20.09.2021
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