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Verhandlungen stocken:Kastensee in Glonn: Keine Lösung in Sicht

Die Verhandlungen über zwei Grundstücke am Seeufer stocken weiter. Der Kreis und der Badbetreiber Manfred Lamm sind sich in der Kernfrage uneins.

Die Verhandlungen um Ufergrundstücke am Kastensee bei Glonn liegen wohl zunächst auf Eis. Das gab Landrat Robert Niedergesäß (CSU) in der Sitzung des Kreis- und Strategieausschusses bekannt. Der Betreiber von Strandbad- und café habe einem vollständigen Tausch von zwei gleich großen Flächen nicht zugestimmt.

Stattdessen habe er vorgeschlagen, das kleinere der Grundstücke zu kaufen und nur das größere zu tauschen. Diese Option lehnten alle Kreis-Fraktionen ab. Seine ursprünglichen Pläne zur Modernisierung will der Gastronom nun erst einmal nicht umsetzen.

Die Diskussion um den Kastensee zieht sich mittlerweile seit mehr als fünf Jahre hin. Zum ersten Mal öffentlich wurde die Debatte im Frühjahr 2014, als sich die Fraktionen von SPD und Grünen gegen den Verkauf von zwei kreiseigenen Uferflächen im Norden und Westen des Sees an den Badbetreiber aussprachen.

Dieser plante damals Modernisierungsmaßnahmen: Ein neues Strandcafé und ein Wohnhaus sollten entstehen. Eine solche Investition kam für den Badbesitzer aber nur auf eigenen Flächen in Frage. Deshalb wollte er vom Landkreis die entsprechenden Grundstücke kaufen. Im April 2014 beschloss der Kreistag gegen die Stimmen von SPD und Grünen den Verkauf der Uferflächen.

Niedergesäß: Lediglich "Konsens über den Dissens" erreicht

Im Mai 2014 forderten die Kreistags-Fraktionen von SPD und Grünen, den Grund nicht zu verkaufen, sondern mit dem Badbetreiber einen Pachtvertrag zu schließen. Beide Fraktionen waren der Meinung, der potenzielle Käufer komme dem Landkreis nicht genug entgegen. So wolle er etwa nicht zusichern, dass er die Grundstücke nicht als Bauland verkaufe oder den öffentlichen Zugang zum See garantiere.

Landrat Niedergesäß entgegnete damals, dass schon der geltende Flächennutzungsplan ein neues Wohngebiet am Kastenseebad ausschließe. Den kostenlosen Zugang zum See, wenn das Bad bei schlechtem Wetter und im Winter geschlossen ist, habe der Badbetreiber zugesichert. Ebenfalls solle der Landkreis ein Vorkaufsrecht für die Seegrundstücke erhalten.

Der SPD war das indes nicht genug. Auch bei den übrigen Kreisräten wuchs die Skepsis, ob ein Verkauf die richtige Lösung sei. Der neue Vorschlag lautete schließlich ein flächengleicher Tausch zweier Grundstücksflächen. Die Fraktionen von SPD und Grünen sowie die der Freien Wähler und der FDP unterstützten diese Lösung.

Im Ausschuss am Dienstag erklärte Niedergesäß nun, dass beide Seiten lediglich einen "Konsens über den Dissens" erreicht hätten. Aus Sicht der Verwaltung sei die Verhandlung derzeit als negativ abgeschlossen zu betrachten. "Derzeit" bedeute, dass die Türe nicht geschlossen ist, falls Badbetreiber Manfred Lamm noch einmal auf den Ausschuss zukäme, wie Norbert Neugebauer, Büroleiter von Landrat Niedergesäß, der SZ sagte.

"Der Tausch war nie beabsichtigt"

Ob das passieren wird, bleibt wohl fraglich. Denn in der Darstellung von Manfred Lamm klingt die Geschichte ein wenig anders. "Der Tausch von dem kleineren der beiden Grundstücke war nie beabsichtigt", sagte er auf Nachfrage der SZ. Er berief sich auf die Sitzung des Kreis- und Strategieausschusses am 25. Februar dieses Jahres. Damals sei seinem Anwalt mitgeteilt worden, dass der Ausschuss mit dem Verkauf der kleinen Fläche einverstanden sei.

"Ich komme mir vor, als ob ich dem Diktat des Kreis- und Strategieausschusses komplett unterliegen würde", sagte Lamm weiter. Er verstehe nicht, dass er genau nach dem Verlangen des Ausschusses handeln soll, wenn er doch Geld in die Hand nehmen möchte, um das Bad zu modernisieren.

"Der Landkreis kann nicht alle fünf Minuten etwas anderes sagen." Seiner Meinung nach gehören zwei Seiten zu einem Geschäft, und man müsse hier auch die Wünsche des Verhandlungspartners berücksichtigen. "Ich lasse mir nicht nachsagen, ich sei zu keiner Lösung bereit."

Von Seiten des Landratsamtes heißt es, dass es seit der Ausschusssitzung im Februar "keine Kursänderung" gegeben habe. Norbert Neugebauer liest aus dem Protokoll des nichtöffentlichen Teils besagter Sitzung vor. Das Wort "Verkauf" kommt darin nicht vor. "Wir haben damals einstimmig haargenau alles so beschlossen, wie in der Sitzung am Dienstag besprochen."

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SZ vom 17.07.2019/koei
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