Süddeutsche Zeitung

Ebersberger Forst:Initiatoren ändern Inhalt der laufenden Petition

In der Unterschriftensammlung zum Erhalt des Ebersberger Forsts ging es um die Verhinderung einer Umfahrung bei Forstinning. Nun ist der Fokus ein anderer.

Es sind nur einige neue Sätze, aber manchmal reichen wenige Worte für die große Wirkung: In der Petition zum Erhalt des Ebersberger Forst hat sich kürzlich der Text verändert. Ursprünglich ging es in darin hauptsächlich um die Verhinderung einer Umgehungsstraße durch ein Waldstück bei Forstinning. Nun wurden Teile des Textes mit konkreter Kritik an den geplanten Windrädern im Ebersberger Forst ergänzt. Dazu präsentieren die Verfasser Zahlen. "Für jedes Windrad werden 15 000 Quadratmeter Wald gerodet. Bei fünf Windrädern wäre dies eine Zerstörung von mindestens 75 000 Quadratmeter wertvollen Waldbiotops."

Es geht um die Petition "Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet Ebersberger Forst", die seit Oktober 2017 im Internet zu finden ist. Am 2. Juni 2018 hatten die Initiatoren 3527 Unterschriften gesammelt. Einen Tag später dann die Änderungen. Dafür gibt es nun Kritik aus der Politik. Der Kirchseeoner Klaus Schöffel, Mitglied im Ortsverband der Grünen, kritisiert die Form. "Eine Petition, die sich gegen den Bau einer Straße im Ebersberger Forst wendet, mutiert zu einer Antiwindkraftkampagne", so Schöffel in einem offenen Brief. Die Kreis-Grünen äußerten sich mit einer inhaltlichen Kritik: Die Erderwärmung gefährde "langfristig den gesamten Forst, die Windenergie aber kann den Klimawandel bekämpfen".

Schöffel hatte die Petition unterzeichnet, nahm seine Unterschrift nach der Änderung aber zurück, so wie 20 andere - was kaum ins Gewicht fällt, bei bisher 4500 Unterschriften, davon 3190 aus dem Landkreis. Der Vorwurf des Kirchseeoners: Aus seiner Sicht habe sich die Petition so stark verändert, dass die Unterschriften vor der Änderung unter einer falschen Prämisse zustande kamen. "Alle, die bereits vor der Neufassung der Petition gegen den Bau der Straße unterschrieben haben, aber nicht gegen die Errichtung von fünf Windrädern im Forst sind, sind grob getäuscht worden", so Schöffel.

Die Initiatoren sehen keine Unsauberkeit

Die Kritik richtet sich an die Adresse der Initiatoren, darunter Ludwig Seebauer, Sprecher der Forstinninger "Bürgerinitiative 2080" und Verwalter der Petition. Seebauer räumt die Änderungen am Dienstag auf Nachfrage ein, betont aber, dass hier aus seiner Sicht keine Unsauberkeit vorliege, zumal die Änderungen auf der Seite gekennzeichnet wurden - wenn auch nicht ganz leicht zu finden.

Um sicher zu gehen, habe er seinen Änderungswunsch vorab mit den Redakteuren von "Open Petition Deutschland" abgestimmt, so heißt der Anbieter. Weil sich aus Sicht der Firma an der Grundforderung der Petition nichts geändert habe, habe er von dort das Einverständnis für die Änderung bekommen. Die Grundforderung geht vor allem aus dem Titel der Petition hervor. "Hände weg vom Landschaftsschutzgebiet Ebersberger Forst." Sprich: Einer der größten noch undurchschnittenen Wälder Bayerns soll seinen Schutzstatus restlos bewahren.

"Wehret den Anfängen", ist etwa auf Flyern zu lesen, die für die Petition werben. Für die Windkraft ist dieser Teil deshalb entscheidend, weil im Ebersberger Forst nur dann Windräder gebaut werden können, wenn der Wald an den betroffenen Stellen gerodet werden darf - und das geht nur, indem sich hier der Status ändert. Ob solch ein Schritt für Windräder überhaupt machbar sein wird, ist offen. Das Landratsamt gab kürzlich ein Gutachten in Auftrag, um zu prüfen, ob und wenn ja in welchem Umfang das Landschaftsschutzgebiet aufgehoben werden könnte.

War allen Unterzeichnern die Dimension bewusst?

Die Frage ist, ob den Unterzeichnern der Petition diese Dimension vor dem 3. Juni so bewusst war. Dass hier nicht nur Stimmen gegen den Bau einer Umgehungsstraße gesammelt werden, sondern auch gegen Windenergie im Ebersberger Forst. In der ersten Version der Petition steht zum Thema ein Satz. "Windräder bedeuten immensen Flächenverbrauch und Tierweltzerstörung." Sieht man sich die Statistiken auf der Webseite an, wird aber deutlich, dass auch die zweite Version Zuspruch findet. Seither sind in gut zehn Wochen 1000 weitere Unterschriften eingegangen, der wöchentliche Zuwachs ist also in etwa so wie vor der Änderung.

Windräder und Straßen im Forst? Die neuen Zahlen in der Petition lesen sich unschön. 7,5 Hektar zerstörter Wald für fünf Windräder, eine Fläche so groß wie zehn Fußballfelder. Falls es bei fünf bleibt. Dazu kämen 15 Hektar gerodeter Wald für die Umgehung. Allerdings sind die Zahlen damit nicht vollständig.

Die Straßenfläche müsste ja andernorts im gleichen Umfang wieder aufgeforstet werden. Und Stellen, die für Windräder gerodet werden, bepflanzt man auch wieder, laut Information der Kreis-Grünen würden von den 7,5 Hektar 5,5 bis sechs Hektar wieder nachgepflanzt. Bis der Wald an solchen Stellen seine Kraft und Größe erreicht, dauert es in der Regel Jahrzehnte.

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Quelle:
SZ vom 22.08.2018/koei
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