Süddeutsche Zeitung

Deutsches Museum:Teure Sammlung

Das Deutsche Museum verfügt wieder über das Forum der Technik. Für die Modernisierung fehlen jedoch noch 331 Millionen Euro.

München - Das Forum der Technik auf der Museumsinsel gehört wieder dem Deutschen Museum. Am Donnerstag war Schlüsselübergabe. Das Museum hat jetzt große Pläne mit dem Gebäude: Ein modernes Planetarium soll gebaut werden, außerdem sollen die Besucher die Ausstellungen schon in einigen Jahren über das Forum betreten.

"Der jetzige Eingang mit seinen zwei Kassen kann aus Gründen des Denkmalschutzes und des Brandschutzes nicht so modernisiert werden, wie wir uns das vorstellen", sagt Bernhard Weidemann, Sprecher des Museums. Geplant sind etwa elektronische Kassen und ein großer Monitor, auf dem die Besucher über laufende Ausstellungen informiert werden. Wie der Übergang zum Ausstellungsbereich aussehen soll, ist noch nicht klar. Sowohl ein Tunnel als auch eine Brücke sind vorstellbar.

Der Umbau des Forums ist Teil eines Gesamtkonzepts zur Modernisierung des gesamten Museums, das seit Kriegsende nicht mehr saniert worden ist. Nach einer Schätzung der Unternehmensberaterorganisation McKinsey aus dem Jahr 2006 sind dafür mindestens 400 Millionen notwendig. Mit eingerechnet ist dabei nicht nur eine Erneuerung des Gebäudes, sondern auch die Modernisierung der Ausstellungen, die zum Teil hoffnungslos veraltet sind.

"Beim Bergwerk hat das noch einen gewissen Charme", sagt Weidemann. "Eine Ausstellung über Energietechnik, in der neuere Entwicklungen überhaupt nicht vorkommen, ist aber ein echtes Problem." Dringend modernisiert werden müsse auch die 50 Jahre alte Physikabteilung sowie die Chemieausstellung.

Unterstützung kommt von der Politik. "Angesichts der schwierigen finanziellen Lage des Deutschen Museums wollen Bund und Freistaat den laufenden Betriebszuschuss für das Deutsche Museum im kommenden Jahr um 8,5 Prozent erhöhen", sagt der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch.

Allerdings hat die Museumsleitung das Problem, dass erst das denkmalgeschützte Gebäude saniert werden muss, bevor sie die Ausstellungen erneuern kann. "Jede größere Veränderung im Ausstellungsbereich hat zur Folge, dass der Bestandsschutz erlischt und dass wir zum Beispiel komplett neue Brandschutzmaßnahmen treffen müssen", sagt Weidemann.

40 Millionen Euro bereits eingesammelt

Bis Ende des Jahres soll ein Masterplan stehen, in dem der Ablauf der einzelnen Baumaßnahmen festgelegt wird. Dann ist auch klar, wie viel Geld das Museum zu welchem Zeitpunkt benötigt. 40 Millionen Euro hat Direktor Wolfgang Heckl bereits selbst eingesammelt. Firmen wie Siemens, Bosch, MAN und Linde haben je fünf Millionen Euro gegeben, ohne Bedingungen daran zu knüpfen.

Von Bund und Freistaat sind 29 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II fest zugesagt, die bis zum Jahr 2012 abgerufen werden müssen. Aus diesem Topf stammt das Geld für die energetische Sanierung von Fenstern, Fassade und Dach an der Westseite, entlang der Erhardtstrasse, die gerade läuft.

Fehlen 331 Millionen Euro, über die derzeit heftig zwischen Museum, Bund und Freistaat verhandelt wird. "Der Freistaat Bayern und der Bund haben die Notwendigkeit erkannt, in das Deutsche Museum zu investieren", sagt Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. Er strebt eine anteilige Bund-Länder-Finanzierung an. Bis Ende des Jahres soll dazu eine Verwaltungsvereinbarung auf Bund-Länder-Ebene abgeschlossen werden.

Wenn alles gut läuft, sollen die Besucher das Museum in drei bis fünf Jahren über den neuen Forums-Eingang betreten können. Die komplette Sanierung soll bis 2025 abgeschlossen sein.

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SZ vom 02.07.2010/sonn
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