Süddeutsche Zeitung

Denkmal für Affen von Michael Jackson:"Provokativ mit Bedacht"

Denkmal für einen Affen: Der "Bubblesplatz" ist eine Parodie auf das Michael-Jackson-Denkmal in München, Fans sind entrüstet. Im Interview fordert der Künstler mehr Demokratie für Denkmäler - und sagt wie viel Humor er den Deutschen zutraut.

Von Benedikt Laubert

Ein häufig gesagter Satz in Ausstellungen: "Das kann ich auch, das ist doch keine Kunst!". So in etwa beurteilt Snezana Akhtar das Kunstwerk "Bubblesplatz", das unmittelbar neben dem Denkmal für Michael Jackson liegt und seinem Affen huldigt. Akhtar ist Vorsitzende des Vereins MJ's Legacy. Sie findet das, was Shrigley geschaffen hat, sei keine Kunst, es beleidige ihren Jackson-Fanclub und den Popstar sowieso.

Doch der Reihe nach - die Geschichte geht so: Als Michael Jackson 2009 starb, suchten seine Münchner Fans nach einem Ort, an dem sie Ihre Trauer ausdrücken konnten. Spontan erkoren sie die Statue von Orlando di Lasso zum Jackson-Denkmal und schmückten sie mit Blumen, Bildern und Kerzen. Di Lasso war ein niederländischer Komponist und hatte, außer der Liebe zur Musik, wenig mit Jackson gemein. Der Stadtrat bewilligte zwar kein richtiges Denkmal für den Popstar, der Bauhof toleriert, aber die Trauerbekundungen auf der Statue di Lassos. Seit einigen Wochen gibt es an einer benachbarten Statue ein ähnliches Denkmal - allerdings für Jacksons Affen "Bubbles". Der britische Künstler David Shrigley hat es als Teil des Projektes "A Space Called Public - Hoffentlich Öffentlich" gebaut. Er hat dafür Lob, aber auch heftige Kritik geerntet.

Süddeutsche.de: Ein Denkmal für einen lebendigen Affen - warum das?

David Shrigley: Man könnte es auch ein Mahnmal nennen, denn Michael Jackson hat seinen Affen einfach verstoßen und sich am Ende nicht einmal finanziell um ihn gekümmert. Jetzt lebt Bubbles in Florida in einem Heim für alternde Showtiere. Wenn wir Tiere mit uns leben lassen, verlangen wir ihnen sehr viel ab: Sie müssen auf ihr natürliches Umfeld verzichten, nur damit wir unseren Spaß an ihnen haben. Damit lasten wir uns eine enorme Verantwortung auf. Michael Jackson war ein großer Popstar und sollte ein Vorbild sein. In Bezug auf Bubbles aber hat er versagt. Darauf wollte ich hinweisen.

Sagen Sie jetzt nicht, es ginge Ihnen nur um den Tierschutz; Ihr "Bubblesplatz" ist mit seinen Blumen und Bildern dem Jackson-Denkmal sehr ähnlich. Warum die Provokation?

Mir geht es um die Frage: Wer bestimmt, für wen wir ein Denkmal errichten und wo es stehen soll? Es gibt Tausende von Statuen, die sogenannte Kriegshelden oder alte Herrscher abbilden, egal wie verhasst sie eigentlich im Volk waren. Und die Denkmäler stehen trotzdem da. Ist das richtig?

Bei Ihrem Denkmal ging es ja einfach: Die Stadt München finanziert das Projekt "A Space called Public", von dem Sie wiederum den Auftrag für Ihr Kunstwerk erhalten haben. Ist das nicht der richtige Weg?

Ich habe mich sehr über den Auftrag gefreut. Aber wer ein Denkmal bekommt, wird ganz offiziell bewundert. Und wen wir bewundern, kann kein Stadtrat mal eben so für uns festlegen. Wir sollten demokratisch abstimmen, wer ein Denkmal erhält und wo es stehen wird.

Der Münchener Jackson-Fanclub kann sich nicht recht für Ihr Kunstwerk erwärmen. Die Vorsitzende des Vereins betrachtet den "Bubblesplatz" als Beleidigung. Haben Sie mit solch einer Reaktion gerechnet?

Jein. Natürlich hat mein Denkmal etwas Provozierendes. Denn wenn ich will, dass die Leute über Denkmäler diskutieren, muss ich erst einmal ihre Aufmerksamkeit wecken. Aber es ist doch ironisch, dass gerade die Jackson-Fans sich aufregen, die selbst ein Denkmal gekapert haben. Ich habe im Prinzip dasselbe gemacht wie sie: ein Guerilla-Denkmal. Die Denkmäler sind völlig gleichberechtigt.

Heißt Guerilla-Denkmal Ihrer Meinung nach nicht: Es ist nicht demokratisch gewollt und sollte deshalb verschwinden?

In dem Fall nicht. Ich wünsche den Jackson-Fans, dass sie bald ihr eigenes, richtiges Denkmal errichten dürfen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass sich das viele wünschen und deshalb sollte auch eines kommen. Was mein Denkmal angeht: Ich hatte ja den Auftrag der Stadt.

Wie provokativ darf Kunst sein?

Kunst darf so provokativ sein, wie sie möchte. Aber provokativ mit Bedacht! Künstler sind nicht von der Pflicht entbunden, verantwortlich zu handeln; Im Fall meines "Bubbleplatzes" bin ich definitiv im Rahmen geblieben: Es kommt niemand durch mein Werk zu Schaden, auch nicht der Ruf des Fanclubs. Und auch ein großes Idol wie Michael Jackson muss man auch kritisieren dürfen, das halte ich für selbstverständlich.

Hören Sie selbst Michael Jackson?

Zurzeit nicht so viel. Aber ich bin mit seiner Musik großgeworden, für mich ist "Thriller" eines der größten Popalben überhaupt.

Halten wir Deutschen Ihren britischen Humor einfach nicht aus?

Doch. Meine deutschen Freunde bringen mich ständig zum Lachen und sie lachen über meine Witze, auch wenn sie manchmal derb sind.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1666371
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
Süddeutsche.de/wib
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.