Süddeutsche Zeitung

Unternehmen:MTU reagiert auf den Klimawandel

Der Triebwerkshersteller will zum Ende 2021 sein Werk bei Karlsfeld auf eine klimaneutrale Produktion umgestellt haben

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Ende 2021 will der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines sein Werk an der Grenze zu Karlsfeld, das zugleich auch Hauptsitz der Firma ist, klimaneutral betreiben. "Die MTU hat eine gesellschaftliche Verpflichtung, ihren Teil zu einem wirksamen Klimaschutz beizutragen", erklärt Standortleiter und Technikvorstand Lars Wagner. Bereits seit Jahren sei man bei MTU darauf bedacht, weniger Energie zu verbrauchen und gleichzeitig emissionsfreie Energie zu produzieren. Ein wichtiger Baustein in diesem Konzept ist die Fotovoltaikanlage, die in den vergangenen Monaten auf dem Dach einer Produktionshalle montiert worden ist. Auf einer Fläche von knapp 1300 Quadratmetern Größe sollen nun jedes Jahr 240 000 Kilowattstunden Strom ins MTU-Netz eingespeist werden. Derzeit stehen noch letzte Prüfungen an, bevor die Anlage Ende Mai von den Stadtwerken in Betrieb genommen wird, so Unternehmenssprecher Markus Wölfle.

MTU gehört zu den 15 Großunternehmen, die sich dem Klimapakt Münchner Wirtschaft angeschlossen haben. 2016 und 2017 verpflichtete sich die Firma, 5500 Tonnen Kohlenstoffdioxid einzusparen. Durch einige Optimierungen, die verhinderten, dass unnötig Strom verbraucht und unnötig geheizt wird, ließ sich die CO2-Bilanz verbessern. Hauptprojekt war damals jedoch das betriebseigene Blockheizkraftwerk, auf Biomethan umzustellen. Auf diese Weise schaffte es MTU den Kohlendioxidausstoß um jährlich 7500 Tonnen zu verringern.

Auch jetzt hat der Triebwerkshersteller sich wieder im Rahmen des Klimapakts Münchner Wirtschaft verpflichtet, 2019 und 2020 zirka 3500 Tonnen CO2 einzusparen. "Die Maßnahmen 2020 sind noch in der Prüfung", erklärt Wölfle. Denn durch die Pandemie habe sich manches verschoben. Der Fokus lag diesmal vor allem darin, die Laufzeiten der Maschinen zu reduzieren und damit den Energieverbrauch. Obwohl MTU, wie die gesamte Luftfahrtbranche, im vergangenen Jahr unter heftigen Umsatzeinbußen litt, hält das Unternehmen an seiner Klimapolitik fest. In manchen Bereichen habe man die Maßnahmen sogar beschleunigt, sagt Wölfle. In den kommenden Jahren seien Investitionen in Millionenhöhe geplant - trotz Corona-Einbußen. Schließlich engagiere man sich nicht nur in München, sondern auch beim Bayerischen Energieeffizienznetzwerk und im Klima- und Umweltpakt Bayern. Ziel sei es innerhalb von zehn Jahren die CO2-Emissionen um 60 Prozent zu verringern. Vergleichswert ist 2019 mit 41 000 Tonnen CO2-Jahresemissionen.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Wärmegewinnung durch Geothermie. Wenn das Unternehmen genügend heißes Wasser tief unter Karlsfeld, Bergkirchen oder Oberschleißheim findet, soll damit geheizt werden. Die Machbarkeitsstudie hinsichtlich der technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Umsetzung dieses Plans komme gut voran, sagt Wölfle. "Die ersten Auswertungen von vorhandenen geologischen Daten zu seismischen Messungen, die in den 1970er bis 1990er Jahren im Aufsuchungsgebiet erstellt worden sind, und weitere bestehende Erkenntnisse aus früheren Bohrungen stimmen uns sehr zuversichtlich, das Projekt in den nächsten drei bis vier Jahren umzusetzen."

Nebenher wird an Maschinen- und Anlageneffizienz getüftelt sowie einer Optimierung von Prozessen. Nachhaltigkeit ist aber auch bei der Produktentwicklung ein wichtiger Faktor geworden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um treibstoffsparende Getriebe, die große Vision ist bis 2050 ein emissionsfreies Fliegen. Derzeit arbeitet MTU an Wasserstoff-Konzepten und der "fliegenden Brennstoffzelle". Wagner sieht das als "strategischen Erfolgsfaktor" an. "Wir bekennen uns zum Pariser Klimaschutzabkommen und wollen unseren Beitrag für die Begrenzung der Erwärmung der Erdatmosphäre leisten. Deshalb orientieren wir uns im Standortbetrieb am 1,5 Grad-Ziel", sagt Wagner.

Nicht zuletzt deshalb ist MTU auch bemüht die Mobilität der Mitarbeiter positiv zu beeinflussen. So gibt es bereits Carsharingplätze, E-Säulen, Mitfahrplattformen und Werksbusse, die die Beschäftigen aus dem Umland sowie vom S-Bahnhof Karlsfeld zum Betrieb bringen, wie Wölfle sagt. Und auch die Logistik setze inzwischen verstärkt auf E-Mobilität - zumindest im Werk an der Grenze zu Karlsfeld.

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Quelle:
SZ vom 17.05.2021
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