Süddeutsche Zeitung

Tourismus in Dachau:Ohne Stellplätze, keine Urlauber

In Dachau fehlen Parkflächen für Wohnmobile. Die Stadt möchte das ändern, findet aber keinen passenden Standort

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Immer mehr Menschen machen Urlaub mit dem Wohnwagen. Schon vor Corona war es schwierig, auf deutschen Campingplätzen eine Parkfläche für sein Zuhause auf vier Rädern zu bekommen. Im vergangnen, ersten Pandemie-Sommer erreichte eine regelrechte Caravan-Welle die Ferien-Hochburgen. Der Urlaub in der Ferne dürfte auch heuer noch kompliziert bleiben. Insofern entscheiden sich wohl auch 2021 wieder viele Menschen dafür, mit dem Wohnmobil auf Achse zu gehen.

Doch auf der Camping-Karte erscheint Dachau als schwarzes Loch. Seitdem der Campingplatz an der Ostenstraße vor Jahren weichen musste, fehlen in der Stadt Abstellflächen für Wohnmobile. Die Stadtverwaltung und die meisten Fraktionen im Stadtrat würden das gerne ändern, um so touristisches Potenzial auszuschöpfen. Tourismusreferentin Sabine Geißler (Bündnis) sagte: "Die Wohnmobilbranche boomt." Die Schaffung von Abstellflächen für die Reisewagen sei "Wirtschaftsförderung für die Stadt". Doch die seit langem ungeklärte Frage lautet: Wo sollen die Wohnmobilstellplätze hin?

Die Standort-Suche zieht sich auch wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt. Zuletzt war der Parkplatz am Familienbad in der Ludwig-Dill-Straße im Gespräch. Dieser wäre zwar unter anderem wegen seiner Lage ideal, um dort auch Abstellplätze für Wohnmobile zu errichten. Doch zuerst müsste man den Parkplatz generell sanieren. Die Kosten dafür belaufen sich laut Stadtwerken grob geschätzt auf 770 000 Euro. Zu viel für die Stadt, die auch wegen der Coronakrise in eine finanzielle Schieflage geraten ist und nun vor einer schwierigen Haushaltskonsolidierung steht. Jetzt diskutierten die Stadträte im Bauausschuss über einen Antrag der ÜB/FDP-Fraktion. Diese schlug die Thoma-Wiese als Standort für Wohnmobil-Stellplätze vor. Ein Vorteil: Die nötige Infrastruktur wäre teilweise vorhanden. Einer von vielen Nachteilen: Wegen des Volksfestes würden die Wohnmobilstellplätze für mindestens sechs Wochen nicht zur Verfügung stehen, und das während der Hauptreisezeit. Für die Stadtverwaltung und auch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) überwiegen die Nachteile. "Ich halte die Thoma-Wiese nicht für geeignet. Wir brauchen dort eine flexible Nutzung", sagte Hartmann. Ingrid Sedlbauer (ÜB) räumte zwar ein, dass die Thoma-Wiese nicht ideal sei. Aber einen anderen Standort gebe es derzeit nicht.

Seldbauer stellte den Antrag ihrer Fraktion dennoch vorerst zurück. Denn Tourismusreferentin Geißler brachte in der Sitzung noch einen Standort ins Spiel: den Parkplatz am alten Hallenbad in der Straße "Am alten Wehr". Dieser hätte "großen Charme", so Geißler. Der Parkplatz befinde sich im Grünen und in der Nähe des Stadtzentrums. Zudem würde es wenig kosten, dort Stellplätze für Wohnmobile zu schaffen. Nun will die Verwaltung diesen Standort prüfen, erst dann wollen die Stadträte über die Thoma-Wiese und den ÜB/FDP-Antrag abstimmen.

Doch Robert Haimerl, Leiter der Stadtwerke, ist skeptisch, was den Standort betrifft. Denn die Stellplätze am alten Hallenbad seien baurechtlich als Nachweis für die erforderlichen Stellplätze für das neue Hallenbad und das Freibad belegt, sagt er auf Anfrage. Würde man diese Stellplätze umwidmen, müsste man sie woanders wieder nachweisen. "Ob es aber sinnig ist, in der derzeitigen Finanzlage der Stadt immer weitere Planungen, die auch Geld kosten, anzustoßen, halte ich für zweifelhaft." Wenn dann müssten die Stadträte zuerst eine Grundsatzentscheidung fällen. Dann würde es Sinn machen, noch mal darüber nachzudenken.

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SZ vom 22.04.2021
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