Süddeutsche Zeitung

Indersdorfer FOS staatlich anerkannt:"Wir sind am Ziel"

Die Indersdorfer Fachoberschule Vinzenz von Paul wird von September an staatlich anerkannt sein. Absolventen können nun ihr Fachabitur an der kirchlichen Bildungseinrichtung machen. Die Schülerzahlen dürften steigen.

Die Fachoberschule Vinzenz von Paul der Erzdiözese München und Freising hat einen wichtigen Schritt für ihre weitere Entwicklung gemacht. Die kirchliche Bildungseinrichtung wird voraussichtlich vom nächsten Schuljahr an staatlich anerkannt. Das Ordinariat hat beim Kultusministerium einen entsprechenden Antrag gestellt.

Die Voraussetzungen dafür hat die Schule erfüllt: Fast alle Schüler der beiden ersten Abschlussjahrgänge haben ihre Prüfungen bestanden und die Fachhochschulreife erreicht. Wenn die Schule staatlich anerkannt ist, können die Absolventen ihre Abschlussprüfungen in Markt Indersdorf machen. Die Schülerzahlen dürften dann steigen.

"Wir sind am Ziel", freut sich Schulleiter Tobias Draxler

Voraussetzung für die staatliche Anerkennung ist, dass in zwei aufeinander folgenden Jahrgängen mindestens zwei Drittel der Absolventen die Abschlussprüfung bestehen. Diese Vorgabe hat die Fachoberschule Vinzenz von Paul übertroffen. "Wir sind am Ziel", freut sich Schulleiter Tobias Draxler. Bisher war die kirchliche Bildungseinrichtung nur genehmigt. Genehmigte Schulen können Schulaufgaben bewerten, dürfen aber keine Noten im juristischen Sinn vergeben. Deshalb können sie auch keine Zeugnisse ausstellen. Abschlussprüfungen müssen an externen Schulen erfolgen. Die 14 Absolventen der Indersdorfer Fachoberschule machten heuer ihre Prüfungen an der staatlich anerkannten Fachoberschule in Fürstenfeldbruck. Dort wurden sie nicht nur in den Hauptfächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Pädagogik, Psychologie oder Betriebswirtschaftslehre geprüft. Weil sie keine regulären Jahresfortgangsnoten hatten, mussten sie sich in vier weiteren Fächern Prüfungen unterziehen. Damit legten sie neun Prüfungen in vier Wochen ab - für die Schüler ein großer Stress. Vom nächsten Schuljahr an können die Absolventen ihr Fachabitur in Indersdorf machen und schreiben nur noch in den Hauptfächern Prüfungen. Eine Perspektive, die dem Schulleiter sehr gut gefällt.

Aus diesem Grund rechnet Draxler damit, dass die Erzbischöfliche Fachoberschule in den kommenden Jahren mehr Zulauf hat. Die Schule bietet die Ausbildungsrichtungen "Wirtschaft und Verwaltung" sowie "Sozialwesen" an. 37 Schülerinnen und Schüler besuchten heuer zwei elfte Klassen, 14 machten das Fachabitur in der zwölften Klasse. Mehr als 50 Anmeldungen liegen der Fachoberschule für das neue Schuljahr vor. Die Schule hätte dann zwei elfte und zwei zwölfte Klassen. Langfristig ist eine Drei- bis Vierzügigkeit geplant. Bisher, so Draxler, sei der nördliche Landkreis bei dieser Bildungseinrichtung unterversorgt. "Das Potenzial und der Bedarf sind durch die Realschulen da." Die Schüler kommen hauptsächlich aus Markt Indersdorf, Weichs, Bergkirchen und Schrobenhausen, vereinzelt auch aus Dachau und von den Gymnasien. Derzeit sind sie in Containern untergebracht, in denen Draxler zufolge "noch Luft nach oben ist". Will heißen: In den Containern hätten noch weitere Schüler Platz. Die vier Klassenräume im Erdgeschoss reichen bisher aus, im ersten Stock sind noch zwei bis drei Räume frei. "Zur Not könnten wir in den Containern auch vierzügig fahren", so Draxler. Sie seien gut in Schuss und besser als Wanderklassen.

Die FOS Indersdorf soll weiter ausgebaut werden

Mittelfristig soll die Fachoberschule weiter ausgebaut werden. Das bedeutet, dass die Fachoberschule neben der Realschule neue Räume erhält. Für die räumliche Entwicklung wird gerade ein Konzept erstellt. "Das wird noch dauern", sagt Schulleiter Draxler. Auch das Ausbildungsangebot soll erweitert werden. Der Landkreis führt gerade Verhandlungen mit der Erzdiözese. Ziel ist es, die Ausbildungsrichtung Gesundheit und eine 13. Klasse einzurichten, damit die Fachoberschule ein Vollabitur anbieten kann. Für einen technischen Zweig an der Indersdorfer Fachoberschule stehen die Chancen schlecht. "Das geht richtig ins Geld", sagt Draxler, "weil man dafür Werkstätten und Fachleute für den praktischen Unterricht braucht." Zudem gingen die Schülerzahlen in diesem Zweig zurück.

Das Bistum betreibt in Garmisch-Partenkirchen und in Freilassing zwei weitere Fachoberschulen. Auch an diesen Schulen gibt es keinen technischen Zweig. Von dem sei die Erzdiözese nicht so begeistert, sagt Landrat Stefan Löwl (CSU). Der Landkreis erwägt aber immer noch, eine staatliche Fachoberschule mit einer technischen Ausbildungsrichtung neben der Berufsschule in Dachau-Augustenfeld zu errichten. Dafür hatte sich auch der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete und Bildungsexperte Martin Güll eingesetzt. Die Fachoberschule könnte die Werkstätten der Berufsschule nutzen. Geplant ist, dort auch eine Berufsoberschule zu etablieren. Noch fehlt dem Landkreis eine Fläche dafür.

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SZ vom 18.07.2019
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