Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl in Röhrmoos:Gewinner und Verlierer - liegt alles am Zeitgeist

Die Grünen holen in Röhrmoos gleich fünf Sitze, die Freien Wähler büßen zwei ein, sehen das aber gelassen

Von Jacqueline Lang, Röhrmoos

Als Dieter Kugler am Sonntagabend zu späterer Stunde noch ins Dachauer Landratsamt kommt, bekommt er Applaus. Der Grund: Mit 60,1 Prozent ist der CSU-Mann mit deutlicher Mehrheit erneut zum Bürgermeister von Röhrmoos gewählt worden. Im Gemeinderat hatte die CSU bislang acht Sitze, die Freien Wähler (FW) sieben, die Grünen (vormals Grüne Unabhängige Liste) drei und die SPD zwei. Nach der Wahl am Sonntag ist die CSU weiterhin mit acht Sitzen vertreten und auch bei der SPD bleibt es bei zwei Sitzen. Gewinner sind die Grünen mit erstmals fünf Sitzen, Verlierer sind die FW, die nur noch mit fünf Sitzen vertreten sind. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,8 Prozent.

Obwohl Biobauer Arthur Stein (Grüne) dem amtierenden Rathauschef das Amt nicht streitig machen konnte, freut er sich sehr über das "äußert positive" Wahlergebnis der Grünen im Gemeinderat. Natürlich sei er am Sonntagabend ein "ganz klein bisschen enttäuscht gewesen", gibt Stein zu. Nichtsdestotrotz bestätige dieses Ergebnis die kontinuierliche Arbeit, die seine Partei - wenn auch erst seit kurzem offiziell im Namen der Grünen - letztlich seit 30 Jahren in der Gemeinde Röhrmoos leiste. Und die "25 plus x" Prozent, die sich Stein gewünscht hatte, hat er mit 24,71 Prozent ja immerhin nur ganz knapp verfehlt - und das Ergebnis von vor sechs Jahren nahezu verdoppelt. Besonders freut Stein auch die "phänomenale Konstellation", die somit nun zustande kommt: Nicht nur er selbst wird die Grünen von nun an im Röhrmooser Gemeinderat vertreten, auch sein Sohn und dessen Frau werden mit ihm dort sitzen, denn aus den bislang drei Sitzen sind nun erstmals fünf geworden. Deutlich weniger euphorisch, aber doch zufrieden ist Wolfgang Götz, der SPD-Ortsvorsitzende. Abgesehen von Ausnahmen wie der Stadt Dachau oder der Gemeinde Vierkirchen, in denen die SPD weiterhin den Bürgermeister stellt und gute Ergebnisse erzielt hat, sei das Ergebnis der Röhrmooser SPD nun einmal leider Teil eines bundesweiten Abwärtstrends der Sozialdemokratie. Für Götz ist das aber keineswegs ein Grund, enttäuscht zu sein: "Wir sind wieder dabei die nächsten sechs Jahre." Auch als vergleichsweise kleine Fraktion mit nur zwei Sitzen könne man durchaus etwas bewegen und allein darum gehe es ja schließlich, findet Götz.

Röhrmoos

Ergebnisse 2020 (Vergleich 2014)

Gemeinderat (20 Sitze)

CSU8 Sitze (8)

SPD2 Sitze (2)

Grüne 3 Sitze (5)

Freie Wähler7 Sitze (5)

Wahlergebnis

CSU 39,8 % (42,3%)

SPD11,6 % (12,4 %)

Grüne24,7 % (12,6 %)

Freie Wähler23,8 % (32,6 %)

Burkhard Haneke, Ortsvorsitzender der CSU Röhrmoos, zeigt sich "sehr, sehr zufrieden" mit den Ergebnissen seiner Partei und damit nicht nur mit der Wiederwahl von Dieter Kugler, sondern auch mit dem nur geringfügig schlechteren Ergebnis der CSU in den Gemeinderatswahlen, denn seine Partei bleibt stärkste Fraktion. Ein Problem darin, dass die Grünen stark zugelegt haben, sieht er nicht. "Das entspricht dem Zeitgeist",sagt Haneke. Einer Zusammenarbeit blicke er daher hoffnungsvoll entgegen. Auch darüber, dass die SPD keine deutlichen Verluste erlitten hat, freut sich der CSUler. Dass der Zuwachs der Grünen nun bedeute, dass die Freien Wähler zwei Sitze verlieren würden, sei schade, aber nun mal nicht zu ändern. "Wo es Gewinner gibt, gibt es eben immer auch Verlierer", so Haneke. Grundsätzlich mache er sich für eine weiterhin gute Zusammenarbeit im Gemeinderat und damit für die Zukunft von Röhrmoos und seiner ungefähr 6500 Bürger und Bürgerinnen "keine Sorgen", sagt Haneke.

Für die Freien Wähler sei das schlechte Wahlergebnis nicht unerwartet gekommen, sagt Fraktionssprecher Stefan Lorenz. Ihnen habe ein Bürgermeisterkandidat gefehlt, deshalb seien die Freien Wähler im Wahlkampf nicht so präsent gewesen. Der Verlust an Gemeinderatssitzen sei daher nicht überraschend. "Fünf Sitze waren unser erklärtes Ziel, auch wenn uns sechs Sitze natürlich lieber gewesen wären", sagt Lorenz. Grundsätzlich gebe es mit den anderen Parteien viel Übereinstimmung und man freue sich auf die Zusammenarbeit.

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Quelle:
SZ vom 17.03.2020
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