Süddeutsche Zeitung

Dachau:1800 Wohnungen im Landkreis stehen leer

Nach Angaben des Landratsamte befindet sich fast die Hälfte der ungenutzten Appartements in der Großen Kreisstadt.

Wohnraum ist in Dachau extrem knapp, das bekommen alle Bevölkerungsgruppen zu spüren: Familien schalten verzweifelte Inserate, Studenten kleben Zettel mit ihrer Telefonnummer an Laternenpfähle und in den Unterkünften des Landkreises sitzen 50 anerkannte Flüchtlinge fest, die längst in eine eigene Wohnung ziehen dürften - wenn sie denn eine fänden. Dabei stehen nach Angaben von Landrat Stefan Löwl (CSU) rund 1800 Wohnungen im Landkreis leer; laut Mikrozensus beträgt die Leerstandsquote 2,9 Prozent. Allein in der Gemeinde Erdweg stehen demnach 70 Wohnungen leer. Auffällig ist, dass sich fast die Hälfte - nämlich etwa 800 - in der Großen Kreisstadt befinden. Ausgerechnet dort, wo Vermieter mit durchschnittlich mehr als neun Euro pro Quadratmeter die höchsten Einnahmen generieren könnten. Nur Karlsfeld liegt nach dem Mietspiegel noch 36 Cent darüber.

Für Dachau ist diese Zahl besonders bitter und muss gerade für die vielen Menschen, die auf eine Wohnung warten, wie Hohn klingen. Erst Ende des Jahres erklärte Ordnungsamtsleiter Stefan Januschkowetz, dass allein 400 Menschen auf der Warteliste für eine Sozialwohnung stehen. Ein weiteres Problem besonders für Dachau und Karlsfeld: Viele Menschen wollen in den größten Landkreiskommunen wohnen. Auch jene mit Anspruch auf eine Sozialwohnung lassen sich selten davon überzeugen, etwa nach Weichs zu ziehen. Für viele Gemeinden ein willkommener Grund, sich auch weiterhin nicht im sozialen Wohnungsbau zu engagieren. Dort ist Dachau im wesentlichen allein aktiv.

Stadt will 100 neue Wohnungen bauen

Insgesamt 100 neue Wohnungen will Dachau in den nächsten beiden Jahren bauen, dafür bekommt die Stadtbau GmbH eine zusätzliche Kapitaleinlage in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Außerdem hat die Stadt auch ihren Etat zur Anmietung von Wohnungen erhöht. Doch hilft das nichts, wenn Wohnraum schlicht nicht vergeben wird. Ein Grund kann die hohe Eigentumsquote im Landkreis sein: Rund 54 Prozent der Landkreisbürger wohnen im Eigentum. Die Zahl der Wohnungsbaugesellschaften ist gering, ebenso die der Mehrfamilienhäuser. Die Wohngebäude im Landkreis haben im Durchschnitt nur knapp zwei Wohnungen, nur in Dachau sind es durchschnittlich drei pro Gebäude. Die Vermieter sind also häufig Privatpersonen, keine Gesellschaften mit Interesse an schnellen Neuvermietungen.

Die Zahlen des Mikrozensus von 2011 zeigen, dass die Leerstände im Landkreis sehr unterschiedlich verteilt sind. In Relation gibt es die wenigsten ungenutzten Wohnungen in Schwabhausen, dicht gefolgt von Karlsfeld, Weichs und Odelzhausen. Sie liegen bei rund zwei Prozent Leerstand oder knapp darüber. Im Mittelfeld unter drei Prozent liegen Altomünster, Markt Indersdorf, Weichs, Petershausen, Hebertshausen, Vierkirchen, Haimhausen und - gerade noch - Dachau. Spitzenreiter beim Leerstand sind wie im übrigen Deutschland auch die ländlichen Gebiete: Bergkirchen, Erdweg, Röhrmoos, Sulzemoos und Pfaffenhofen. Am höchsten ist die Quotein Hilgertshausen-Tandern: Dort sind fünf Prozent der Wohnungen unbewohnt.

Wohnungen, die renoviert werden, tauchen in der Statistik gar nicht auf

In München, wo trotz aller Knappheit 17 000 Wohnungen leer stehen, verzeichnet die Initiative Leerstand 089 die Orte in einer interaktiven Karte. Man wolle allerdings niemanden an den Pranger stellen, sagten die Aktivisten einmal der SZ. Gründe für Leerstand seien ja häufig Renovierungen, ausgebuchte Handwerker, langsame Behörden. Die Statistik gibt sich davon unbeeindruckt: Wohnungen, die renoviert oder umgebaut werden, zählt der Zensus nicht als leerstehend.

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Quelle:
SZ vom 21.01.2016/gsl
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