Süddeutsche Zeitung

Corona-Pandemie:München Kliniken verhängen Besuchsverbot

Bis der Inzidenzwert wieder unter 50 sinkt, dürfen Freunde und Familie nicht zu Patienten. In Altenheimen versuchen die Betreiber, eine solche Regelung zu vermeiden.

Von Sophia Kaiser

Familie und Freunde müssen draußen bleiben: In den Häusern der München Klinik gilt von diesem Montag an ein Besuchsverbot. Das betrifft alle fünf Standorte in Schwabing, Bogenhausen, Thalkirchner Straße, Neuperlach und Harlaching. "Wir beobachten die aktuellen Sars-CoV-2-Infektionszahlen mit Sorge", sagte Clemens Wendtner laut einer Pressemitteilung.

Er ist Chefarzt der Infektiologie der Schwabinger Klinik und hat Anfang des Jahres die ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt. Ihn besorgt, dass die Corona-Infektionszahlen steigen und bald auch die Grippe-Saison startet - die besonders für Risikogruppen gefährlich sein könnte. "Als Gesellschaft müssen wir die Schwächeren gemeinsam vor den Viren schützen", sagte Wendtner.

Dazu gehört für ihn, "Abstand zu halten und mit erkrankten Menschen lieber über das Telefon oder andere Kommunikationswege Kontakt zu halten". Bereits im Frühjahr hatte es in Krankenhäusern ein Besuchsverbot gegeben. Es gibt aber Ausnahmen, teilt die München Klinik mit: für minderjährige Patienten, bei Geburten oder gesundheitlichen Ausnahmesituationen. Sollte der Inzidenzwert wieder unter 50 sinken - derzeit liegt er in München bei 57,7 - werde das Verbot wieder gelockert.

Im Klinikum rechts der Isar und dem LMU Klinikum in Großhadern ist noch kein Besuchsverbot geplant, heißt es auf Nachfrage. Die Betonung liege auf "noch", man warte gerade ab. "Wir beobachten die Entwicklung der Inzidenzwerte ganz genau und werden bei Bedarf in Absprache mit dem Krisenstab entsprechende Maßnahmen ergreifen", sagte Sprecherin Eva Schuster vom Rechts der Isar.

Im Frühjahr waren auch Altenheime von dem Besuchsverbot betroffen - viele Bewohner hat das hart getroffen und psychisch schwer belastet. Denn die Besucher sind oft der einzige Kontakt zur Außenwelt und ein wichtiger Bestandteil des Alltags der Heimbewohner. Beim städtischen Heimträger Münchenstift will man daher verhindern, dass es zu einem erneuten kompletten Besuchsverbot kommt. Seit dem Sommer gelten dort, wie auch in den meisten Kliniken, strenge Auflagen. Besuche seien nur für eine Person und auch nur für eine Stunde nach Voranmeldung möglich. Diese Regelung soll auch weiterhin eingehalten werden, um eine komplette Schließung nach Möglichkeit zu verhindern.

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SZ vom 17.10.2020/lfr
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