Süddeutsche Zeitung

Architekturprojekt:Wie ein Flussbad für München aussehen könnte

Studenten der Hochschule München haben Modelle für ein Isarbad entwickelt. Die Ideen könnten durchaus Eingang in die Überlegungen der städtischen Experten finden.

Von Thomas Anlauf

Der Titel des Projekts klingt nach süßem Nichtstun, nach Sonne, Wasser und Strand: "Life is a beach", das Leben ist ein Strand. Dabei zog die Aufgabe, die die Architekturprofessoren Silke Langenberg und Andreas Meck ihren Studenten im vergangenen Herbst stellten, monatelange Arbeit nach sich.

20 angehende Architekten des Masterstudiengangs an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München sollten im Wintersemester die Konzepte und Modelle eines Flussbades für München entwickeln. "Es gab ein großes Echo bei dem Thema", sagt Silke Langenberg, "es hätten durchaus doppelt so viele mitmachen wollen."

Ein Flussbad in der Isar ist auch kein Luftschloss mehr, seit Jahren beschäftigt das Thema den Stadtrat und die Verwaltung, derzeit erarbeiten Umwelt- und Baureferat ein Konzept, wo und in welcher Form ein öffentliches Bad in der innerstädtischen Isar entstehen könnte.

Und die Ideen der Studenten könnten durchaus Eingang in die Überlegungen der städtischen Experten finden. Denn einige Entwürfe sind auch für die beiden Professoren ziemlich überzeugend.

Die Vorgaben von Langenberg und Meck waren ziemlich konkret: Die Entwürfe sollten jeweils einen Gastronomiebetrieb mit Terrasse für etwa 100 Gäste beinhalten, einen Isar-Schwimmbereich, ein Nichtschwimmerbecken, Deck- und Liegeflächen, außerdem Umkleidekabinen, Duschen und WC-Anlagen.

Eine rundum verglaste Gastronomie mit großzügiger Freitreppe

Außer Fahrradabstellplätzen waren keine Pkw-Parkplätze ausgeschrieben, "da von einer guten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ausgegangen werden kann", heißt es in der Aufgabenstellung an die Studenten. Auch die mögliche Lage für ein Flussbad wurde eingegrenzt: zwischen Corneliusbrücke im Süden und dem Kabelsteg im Norden.

Julia Botzenhardt hat sich dennoch für ein Isarbad noch ein Stück weiter südlich entschieden. Ihr Entwurf würde direkt an den bestehenden Reichenbachkiosk angrenzen mit einer rundum verglasten Gastronomie und daneben einer großzügigen Treppenanlage, die von der Isarböschung hinunter zum Fluss führt.

Die Sanitär- und Umkleidebereiche fänden in einem langgestreckten Bau Platz, dessen Dach in einer Höhe mit der Wittelsbacherstraße liegen würden, das zudem als Balkon oder Terrasse genutzt werden könnte. Von dort führt eine Treppe hinunter ins Bad.

Entwürfe mit Flusstreppen gibt es auch von anderen Studenten. Vivian Kriegs Modell ist weniger ein Gebäude, sondern eine Topografie: Sie integriert einfach die Rückseite des Müllerschen Volksbads, wo es bis heute einen Eingang zum Fluss hin gibt. Innen könnten sich die Badenden umkleiden und dann auf breiten Stufen hinunter zur Kleinen Isar gelangen. Dazu müsste allerdings der bisherige enge Fuß- und Radweg zwischen Volksbad und Fluss aufgebrochen werden.

Die Ufermauern müssen zu großen Teilen ohnehin saniert werden

Tatsächlich prüfen Experten in der Stadtverwaltung derzeit, ob und wie dieser Bereich neu gestaltet werden kann. Denn die Ufermauern müssen zu großen Teilen ohnehin saniert werden, zudem ist im nördlichen Bereich der Ludwigsbrücke bereits ein kleines Lokal im Brückenbauwerk geplant, es könnte noch in diesem Jahr eröffnet werden.

Allerdings gibt es mit dem Standort ein Problem: Die Kleine Isar ist Landschaftsschutzgebiet, was zu massiven Protesten von Naturschützern und auch einigen Politikern führen dürfte.

Die Problematik ist den Professoren durchaus bewusst, aber "hier konnte man einfach Dinge einmal ausprobieren", sagt Meck. "Deshalb wollten wir die Kleine Isar nicht ganz von vornherein ausschließen." Und so haben sich auch Philipp Jung und Ina Grothusen nicht von dem Naturschutzkriterium einschränken lassen und gemeinsam ein großes Floß oder Schiff vor dem Müllerschen Volksbad ans Ufer gelegt.

Im Modell fügt sich das flache Flussbad in seinen Achsen und Proportionen gut an den neubarocken Jugendstilbau aus dem Jahr 1901. Flechtwände zum Fluss hin lassen den lang gestreckten Bau beinahe schon historisch wirken.

Auch Bernhard Eder will in seinem Entwurf die Kleine Isar mit einbeziehen, allerdings lediglich mit einer breiten Stufenterrasse in Richtung Ostufer, auf der die Münchner das ganze Jahr über sitzen könnten. Das eigentliche Bad mit dem Namen "Waldlichtbad" soll sich im nördlichen Teil der Vater-Rhein-Insel befinden, wo jetzt ein Spielplatz liegt und der Wehrsteg beginnt.

Ein Schwimmbecken in der großen Isar

Das Wasser würde aus der Großen Isar eingespeist, sodass die Schwimmer zwar im Isarwasser, aber nicht direkt im Fluss baden würden. Ein Clou, denn damit wäre wohl auch das herrschende Badeverbot in der innerstädtischen Isar umgangen.

Das könnte theoretisch auch beim Entwurf von Tiago Alves Machado der Fall sein, "ein sehr poetisches Gebäude", wie Silke Langenberg urteilt. Dabei handelt es sich um ein leichtes Brückenbauwerk über den Isarkanal zwischen Steinsdorfstraße und der Insel mit dem Vater-Rhein-Brunnen.

Die Brücke dient als Umkleide mit Sanitäranlagen, auch Gastronomie soll darin Platz finden. Darunter hängt das eigentliche Schwimmbecken in der Großen Isar, selbst schwankende Wasserstände und sogar Hochwasser sollen so ausgeglichen werden können, indem sich das Schwimmbecken mit der Flusshöhe hebt und senkt.

"Es war mir zunächst wirklich unverständlich, dass es in München noch kein Flussbad gab", sagt Silke Langenberg, die in Zürich und München lebt. In ihrer Schweizer Heimatstadt haben Flussbäder seit mehr als einem Jahrhundert Tradition, fünf von ihnen haben freien Eintritt. Für ihren Kollegen Andreas Meck ist ein Flussbad in München aber keine Utopie mehr.

Vor zehn Jahren hatte er schon einmal ein Projekt mit Studenten zum Thema Isarbad organisiert. Damals war der Anlass, dass die Isar wieder Badequalität aufwies. Heute diskutieren Politiker fast selbstverständlich über ein Flussbad mitten in der Stadt. Die Arbeiten, die im Sommer beim Kulturstrand erstmals öffentlich gezeigt werden, "könnten ja auch eine Anregung für die Stadt sein", sagt Meck.

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SZ vom 17.02.2016/dit
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