Süddeutsche Zeitung

USA:Die Schande bleibt

Auch wenn es rechte Kreise in Amerika immer wieder versuchen: Der Sturm aufs Kapitol am 6. Januar lässt sich nicht umdeuten.

Von Hubert Wetzel

Brian Sicknick wurde nicht von Trump-Anhängern getötet. Das ist das Ergebnis der Obduktion des 42 Jahre alten Polizisten, der das Kapitol in Washington am 6. Januar gegen wütende Demonstranten verteidigt hatte und kurz danach gestorben ist. Zwei Schlaganfälle haben den Beamten getötet, nicht angebliche Hiebe mit einem Feuerlöscher und - nach jetzigem Stand - auch nicht die Attacke mit einer Art von Tränengas, das zu Abwehr aggressiver Bären gedacht ist.

Was bedeutet das Obduktionsergebnis? Vor allem bedeutet es, dass die Berichterstattung über Sicknicks Tod korrigiert werden muss. Weltweit haben die Medien - auch die Süddeutsche Zeitung - die Darstellung übernommen, dass der Polizist von Trump-Fans ermordet wurde. Diese Darstellung passte vielleicht politisch ins Bild, lässt sich aber nicht halten.

Was bedeutet das Obduktionsergebnis nicht? Es bedeutet nicht, dass der Sturm auf das Kapitol deswegen eigentlich doch eine ganz harmlose Sache gewesen ist. Es gibt in rechten Kreisen in den USA den Versuch, den 6. Januar umzudeuten, als seien da nur ein paar unzufriedene Patrioten ein wenig im Haus des Volkes herumspaziert. Das ist eine ebenso falsche Darstellung dessen, was an jenem Tag passiert ist. Egal, was Brian Sicknick getötet hat - der 6. Januar bleibt für die Republikaner ein Tag der Schande.

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