Süddeutsche Zeitung

Ukraine:Gut investiert

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Natürlich unterstützt der Westen das vom Krieg geschundene Land mit Milliarden. Allerdings muss er später auch nachschauen, wohin das Geld geflossen ist.

Kommentar von Frank Nienhuysen

Eine Menge Waffen fließen in die Ukraine, und bald wird es auch viel Geld sein. Die Zahlen sind atemberaubend: Etwa 18 Milliarden Euro sollen von den G-7-Staaten kommen, der US-Senat hat ein Hilfspaket von 40 Milliarden Dollar gebilligt. Die Ukraine kann es bestens gebrauchen, wenngleich selbst diese Summen das Ausmaß der Zerstörungen nicht aufwiegen. Denn ganze Städte sind innerhalb von drei Monaten in Schutt und Asche gebombt worden, grundlegende Infrastruktur, Krankenhäuser, Brücken, Schienen, Straßen. Wichtige ukrainische Exporterlöse, die längst routinehaft im Haushalt eingeplant waren, fallen aus.

Für den Westen gilt: Das Geld ist gut investiert, denn teuer wird es sowieso. Wäre er jetzt geizig, erhöhte sich die Not in der Ukraine umso mehr, und vermutlich stiege dann die Zahl der Flüchtlinge wieder. Das vom Krieg geschundene Land braucht das Geld schnell, denn es muss laufende Kosten decken und bereits mit dem Wiederaufbau beginnen, während anderswo im Land noch russische Raketen einschlagen.

Klar ist auch: Wenn sich dann mal die Rauchschwaden legen, muss auch der Westen genauer schauen, wo das viele Geld hinfließt. Korruption ist in der Ukraine ein notorisches Problem gewesen. Es wird mit einem Ende des Granatendonners nicht einfach verschwunden sein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyens Vorschlag, den späteren Wiederaufbau mit Reformen zu verknüpfen, ist deshalb verständlich. Die Ukraine will ja in die EU, und Brüssel hat in anderen Ländern, etwa in der Republik Moldau, mit Naivität bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Das soll sich nicht wiederholen. Doch solange der Krieg tobt, ist noch nicht die Zeit der Bedenkenträger.

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