Süddeutsche Zeitung

Aktuelles Lexikon:Karfreitagsabkommen

Von Tobias Zick

Was für Christen weltweit ein Trauertag ist, der Tag der Kreuzigung Jesu, trägt auf Englisch ohnehin schon einen Namen, der ein bisschen nach Hoffnung klingt: "Good Friday" nennen also auch Nordiren den Karfreitag - und seit 1998 ist der Tag mit noch mehr Hoffnung beladen: Am Karfreitag jenes Jahres schlossen die Konfliktparteien im nordirischen Bürgerkrieg sowie die Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Republik Irland ein Abkommen, das die Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken beendete: das Good Friday Agreement, auf Deutsch Karfreitagsabkommen. Es sah die Entwaffnung der Kämpfer auf beiden Seiten sowie umfassende Amnestien vor. So ging am 10. April 1998 eine rund drei Jahrzehnte währende Konfliktphase zu Ende, die mit der eher verniedlichenden Bezeichnung "troubles" in der irisch-britischen Geschichte notiert wird. In ihr waren etwa 3500 Menschen gestorben und 50 000 verletzt worden.

Dass der Brexit die 1998 mühsam geglätteten Wogen zumindest wieder aufwühlen würde, war nahezu so sicher wie das Amen in der Karfreitagsmesse. Die Ausschreitungen, die in den vergangenen Tagen rund um den 23. Jahrestag des Good Friday Agreement in Belfast ausbrachen, sind eine flammende Mahnung. Sie geben jenen Kritikern recht, die schon seit Langem sagen, dass das Karfreitagsabkommen einen eher fragilen Frieden geschaffen, den Grundkonflikt aber nicht beendet habe.

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