Süddeutsche Zeitung

Tatort-Kolumne: Folge 12:Danke

Ein schöner Blues: Der neue Münchner "Tatort" erzählt die bewegende Geschichte einer 13-Jährigen aus dem Hartz-IV-Milieu. Es dampft vor Lokalkolorit, Sprach- wie Mutterwitz. Fazit: Unbedingt ansehen!

Alexander Gorkow

In dieser Kolumne werden oft Fernsehredakteure beleidigt, und mit was? Mit Recht. Jetzt was Neues: Die Redakteurin Silvia Koller erfand einst den Münchner Tatort mit Miro Nemec und Udo Wachtveitl, und diese Folge hier zeigt exemplarisch, was die Frau geleistet hat: Peter Probsts sehr bewegende Geschichte einer 13-Jährigen aus dem Hartz-IV-Milieu dampft vor Lokalkolorit, Sprach- wie Mutterwitz. Niemals aber wirkt das sentenzenhaft, eher ist das ein schöner Blues.

Die DNS der Melodie besteht aus hinterfotziger und etwas angetrashter Heimatverbundenheit. Die Typen sind exakt gezeichnet (grandios die junge Laura Baade als Mädchen, ebenso deren trinkende Mutter, die Katja Bürkle so präzise spielt, als sei die ganze Figur eben erst aus einer Sozial-Doku weggelaufen - und sehr, sehr komisch: Angela Ascher als erotomanes Altöttinger material girl).

Der erfahrene Straßenregisseur Peter Fratzscher hat das mit Verve und wie von ganz leichter Hand inszeniert. Und eben deshalb ahnt man die Mühe: beim tollen Casting, bei den teils umwerfenden Dialogen, das alles riecht nach viel großartigem Streit hinter den Kulissen, bis die Münchner Schlunzigkeit also so schön im Kasten war.

Es ist der letzte Tatort der Redakteurin Silvia Koller. Sie starb im Dezember. Die Münchner wissen um ihr Erbe. Es ist halt irre schwer, bis es mal so leicht aussieht. Fazit: ansehen.

Sonntag, ARD, 20.15 Uhr

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Quelle:
SZ vom 09.04.2011
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