Süddeutsche Zeitung

Musicalfilm:Rocky Horror reloaded

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Der US-amerikanische Sender Fox wagt sich an ein Remake der "Rocky Horror Picture Show". Aber: Braucht es das wirklich?

Von Viola Schenz

Gründe für eine Neuverfilmung finden sich immer. Es ist bequem, denn ein Drehbuch liegt bereits vor. Es gibt neue technische Spezialeffekte, und die wollen umgesetzt sein (Psycho, King Kong). Vier Neuverfilmungen haben sich schon bewährt, warum also nicht eine fünfte (Ben Hur)? Oder aber ein Film ist zu europäisch, zu fremd für Amerikaner, und so münzt Hollywood die Vorlage um, ohne lästige Untertitel oder Synchronisation (Es geschah am hellichten Tag/Das Versprechen). Aber das Hauptmotiv ist natürlich: Roman-, Theater-, Drehbuchvorlagen so oft und erfolgreich wie möglich zu kommerzialisieren.

Der US-Sender Fox wagt sich jetzt an nichts Geringeres als an ein Remake der Rocky Horror Picture Show - mit dem naheliegenden Untertitel Let's Do the Time Warp Again. Man wolle ein "neues Publikum erreichen", heißt es, und "das Original feiern". Klar, das Original wird schließlich vom Mutterkonzern 21st Century Fox vertrieben, es bleibt also alles in der Familie.

Der Flop tat etwas, was er sonst selten tut: Er ging vorüber

Liebe Spätergeborene, bei der Rocky Horror Picture Show handelt es sich um einen Film, der 1975 in europäischen Kinos anlief und der wiederum auf einem Musical namens The Rocky Horror Show beruht. Die Musik ist grandios, die Handlung gewollt bescheuert: Verlobtes Spießerpärchen landet nach Autopanne auf Schloss, wo sich Hausherr und Transvestit Dr. Frank N. Furter im Labor einen blonden Traummann namens Rocky erschafft, jeder verführt jeden, eine Figur namens Eddie (gespielt von Meat Loaf) wird zum Dinner serviert, das Schloss beamt sich weg.

Der Film floppte seinerzeit, daran konnte auch die genial gespielte und gesungene Laszivität von Hauptdarsteller Tim Curry nichts ändern. Doch der Flop tat etwas, was Flops sonst selten tun: Er ging vorüber. Das lag an der kleinen hartnäckigen Fangemeinde, die dafür sorgte, dass die Show Monate später leicht verändert als "Midnight Movie" in die Kinos zurückkehrte, und seitdem mit Kultstatus und verkleidetem, mittanzendem Publikum weiterlebt, etwa seit 1977 ununterbrochen in den Münchner Museum Lichtspielen.

Der Film kommt zur richtigen Zeit

Diesen Donnerstag und 41 Jahre später also läuft das Remake im US-Fernsehen, das sich sehr an die Vorlage hält, aber alles opulenter und perfekter machen will. Die Hauptrolle (Dr. Frank N. Furter) spielt die transsexuelle Schauspielerin und Produzentin Laverne Cox (Sophia Burset in der Netflix-Serie Orange Is the New Black). Als sie das Original das erste Mal sah, sei der Song Don't Dream It, Be It zu ihrem persönlichen Mantra geworden, verriet Cox kürzlich der New York Times. Vorgänger Tim Curry ist auch wieder dabei - als Erzähler.

Der Film kommt pünktlich vor Halloween, also zur richtigen Zeit. Zudem steckt Amerika gerade mitten in einer Transgender-Debatte über Identitäten, Minderheitenrechte und darüber, welche öffentliche Toilette ein fraugewordener Mann aufsuchen darf/muss/soll. Gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage: Juckt das Thema heute noch ein junges Publikum? Falls nicht: Nach dem Remake ist vor dem Remake.

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SZ vom 20.10.2016/luc
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