Süddeutsche Zeitung

Bundesliga-Kommentator:"Bei ihm war es immer echt"

Uli Hebel über seine Moderation mit Fritz von Thurn und Taxis. Gemeinsam werden die beiden bei dem Streamingdienst Dazn über den Auftakt der neuen Bundesliga-Saison berichten.

An diesem Freitag beginnt die neue Bundesligasaison: Der FC Bayern wird gegen Hertha BSC die Saison eröffnen (Anstoß 20.30 Uhr/ZDF). Überraschend war eine Meldung zu Wochenbeginn: Fritz von Thurn und Taxis kehrt zurück: Er wird für den Streamingdienst Dazn von der Auftaktpartie berichten, an der Seite von Uli Hebel, 31. Er sei gespannt, sagt Hebel weil neben ihm einer sitzen wird, der länger Sportreporter war als er selbst lebt.

SZ: Herr Hebel, bei Dazn ist es üblich, dass Kommentatoren die Zuschauer duzen. Fritz von Thurn und Taxis begrüßte sein Publikum stets mit "Meine sehr verehrten Damen und Herren". Wie passt das zusammen?

Uli Hebel: Diese Frage hat mich gerade erst eine Nacht wachgehalten. Ich glaube, dass es unheimlich schwierig wäre, ihn in seiner Anrede zu verändern. Das will ich auch gar nicht. Wir werden uns wahrscheinlich spontan entscheiden.

Bereiten Sie sich anders auf das Spiel vor?

An meiner Vorbereitung ändert sich nichts, der Umfang ist derselbe wie immer - als würde ich das Spiel 90 Minuten alleine kommentieren. Klar ist, dass ich den Hut aufhabe und er Co-Kommentator sein wird. Wir wissen natürlich nicht, wie wir auf Sendung miteinander harmonieren werden. Aber Fritz sagt, wir würden ja auch so sehr gut miteinander auskommen.

Wie kann man sich Ihr Verhältnis vorstellen?

Es ist eine Lehrer-Schüler-Beziehung. Angefangen hat es vor vier Jahren, ich habe damals ein Praktikum bei Sky gemacht, und ihn gebeten, sich einen Beitrag von mir anzusehen. Einen ziemlich schlechten Beitrag, muss man im Nachhinein sagen. Aber er hat sich das angeschaut. Eineinhalb Stunden lang hat Fritz immer wieder gestoppt und mir Tipps gegeben.

Zum Beispiel?

Dass ein Kommentator mit dem Schiedsrichter immer fair umgehen sollte, auch wenn dieser vielleicht falsch liegt. Während des Spiels sitzt bei mir immer ein kleiner Fritz von Thurn und Taxis im Ohr und fordert, die Situation differenzierter einordnen und dem Zuschauer zu erklären, warum die Entscheidung des Schiedsrichters vielleicht schwer zu treffen war.

Ist Empathie gegenüber jedem auf dem Platz seine herausragende Eigenschaft?

Er ist ein unheimlich warmherziger Mensch. Ich glaube, das ist sein größtes Plus als Kommentator gewesen. Viele junge Kollegen neigen heute dazu, einfach nur zu schreien und das als Emotionen zu verkaufen. Bei ihm war es immer echt.

Kommentatoren bei Dazn sind dagegen für ihren analytischen Ansatz bekannt.

Stimmt. Fritz ist der Meinung, dass Fußball für alle da sein soll. Deshalb hat er so kommentiert, dass ihn jeder verstehen konnten, mit einfacher und doch unverwechselbarer Sprache. Wende dich mit dem besten Service ans Publikum, hat er gesagt. So will ich auch kommentieren.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4564417
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 16.08.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.