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Zum Tod von Terry Jones:Eine liebenswerte Aura permanenter Verblüfftheit

Terry Jones war nicht nur der fleißigste Schreiber und furchtloseste Darsteller der Komikergruppe Monty Python, er war auch ihr nahbarstes Mitglied. Nun ist er mit 77 Jahren gestorben.

Bis vor ein paar Jahren sah man Terry Jones noch häufig in "The Bull". Der Pub nahe seinem Londoner Haus hatte eine eigene Brauerei; das mochte Jones, er war selbst Hobbybrauer. Eine bodenständige Freizeitbeschäftigung, bei der man sich andere Mitglieder der britischen Comedy-Truppe Monty Python, wie den anarchischen Terry Gilliam oder den hochnäsigen John Cleese, eher nicht hätte vorstellen können. Terry Jones, 1942 im walisischen Colwyn Bay geboren, war neben seinem Studienfreund Michael Palin der nahbarste Python. Das heißt nicht, dass er konformistischer dachte oder arbeitete als seine Mitstreiter: Wenn man die Python-Fernsehepisoden betrachtet, scheint es, als habe Jones immer als Erster "Hier!" gerufen, wenn es darum ging, nackt Orgel zu spielen oder kreischend im Omakostüm herumzurennen.

Es lag nahe, ihm die Regie zu übertragen

Dabei hatte er ein höchst respektables Oxford-Studium durchlaufen, Geschichte und Englisch in Teddy Hall. Zugleich interessierte er sich früh für Comedy und wurde in den Sechzigerjahren Sketchautor bei diversen satirischen Fernsehshows. Als Monty Python 1969 startete, war er nicht nur einer der fleißigsten Schreiber und furchtlosesten Darsteller, er interessierte sich auch für Produktions- und Regieabläufe. Es lag nahe, ihm die Regie zu übertragen, als Monty Python's Flying Circus ins Kino wechselte: "Das Leben des Brian" und "Der Sinn des Lebens" sind Jones-Filme, bei "Die Ritter der Kokosnuss" führte er gemeinsam mit Gilliam Regie.

Terry Jones' Erfolg blieb ungebrochen, nachdem die Python-Gruppe auseinandergegangen war. Er schrieb Drehbücher, etwa für den Jim-Henson-Film "Labyrinth", drehte selbst weiter Filme, wie "Erik der Wikinger", verfasste Bücher und produzierte Fernsehsendungen über die Römer und die Kreuzzüge, bei denen er auf sein profundes Wissen als Historiker zurückgriff. Seinen letzten großen Auftritt hatte er 2014, bei Pythons Reunion-Show im Londoner O2, wo ihn eine liebenswerte Aura permanenter Verblüfftheit umgab. 2015 wurde bei ihm eine Demenzerkrankung diagnostiziert, er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Jetzt ist Terry Jones, kurz vor seinem 78. Geburtstag, in London gestorben.

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SZ vom 23.01.2020/luch/cat
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