Süddeutsche Zeitung

Israel:Offener Brief an Angela Merkel

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Mehr als sechzig Intellektuelle protestieren in einem offenen Brief gegen das Abwürgen der Kritik an der israelischen Regierungspolitik.

Mehr als sechzig Akademiker und Intellektuelle haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgesetzt, in dem sie gegen die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik protestieren. Sie schreiben: "Unsere Sorge gilt der drohenden Annexion palästinensischer Gebiete durch Israel sowie dem inflationären, sachlich unbegründeten und gesetzlich unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs, der auf die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik zielt. Unsere Sorge ist besonders groß da, wo diese Tendenz mit politischer und finanzieller Unterstützung des Antisemitismusbeauftragten gefördert wird."

Insbesondere die Schmähung des Historikers und Publizisten Reiner Bernstein macht ihnen Sorgen. Bernstein ist derzeit im rhetorischen Fadenkreuz des israelischen Spitzenbeamten Arye Sharuz Shalicar. Der veröffentlichte vor zwei Jahren das Buch "Der neu-deutsche Antisemit" im Verlag Hentrich & Hentrich. Laut dem Brief an Merkel wird Bernstein in dem Buch als Antisemit beschrieben, obwohl er sich schon lange für eine gerechte Lösung des Nahost-Konfliktes einsetze.

Kritischer Dialog notwendiger denn je

"Wir fragen uns, welchen Kräften im heutigen Israel die Unterstützung der Bundesregierung gilt", heißt es in dem Schreiben weiter. "Mit der Förderung zweifelhafter Publikationen, deren aggressiv-populistische Machart nicht faktengestützt ist, wird jedenfalls geduldet, dass Stimmen des Friedens und des Dialogs diffamiert und mundtot gemacht werden sollen. Frieden kann nur durch gegenseitigen Respekt erreicht werden. Wo kritischer Dialog notwendiger denn je ist, schafft die missbräuchliche Verwendung des Antisemitismusvorwurfs zunehmend auch in Deutschland eine Stimmung der Brandmarkung, Einschüchterung und Angst."

Unterschrieben haben unter anderen die Friedenspreisträger Jan und Aleida Assmann, der Politologe Johano Strasser, der ehemalige Verleger Michael Krüger, der Historiker Moshe Zimmermann und der Autor Sten Nadolny.

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SZ vom 28.07.2020 / SZ/bans
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