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Elizabeth Taylor: 1932 - 2011:Ewige Schönheit

Sie galt als die "schönste Frau der Welt", war die ewige Kleopatra, auch mal eine stramme Trinkerin und sowieso Traumfrau Richard Burtons. Zum Tod der Oscar-prämierten Filmdiva Elizabeth Taylor.

"Mir wurde alles geschenkt - gutes Aussehen, Ruhm, Reichtum, Ehre, Liebe. Ich musste nur um wenige Dinge wirklich kämpfen."

Diese Worte werden Hollywood-Diva Elizabeth Taylor zugeschrieben, die wenige Wochen nach ihrem 79. Geburtstag in einem Krankenhaus in Los Angeles an Herzversagen starb. Und in der Tat hatte Taylor, die ihre Karriere 1942 als Kinderstar begonnen und danach mehr als 50 Filme gedreht hat, zu Lebzeiten alles, was man sich gemeinhin unter dem Leben eines Stars vorstellt:

Zwei Oscars und einen Ehren-Oscar, eine oft als unsterblich beschriebene Schönheit, ein stürmisches Privatleben mit acht Ehen. Doch auch ihre gesundheitlichen Probleme begleiteten sie ein Leben lang.

Seit 2003 hatte sich Elizabeth Taylor aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und konzentrierte sich auf ihre Stiftung zur Erforschung von Aids. Der Öffentlichkeit war sie als "Liz" bekannt, obwohl sie selber sagte: "Menschen, die mich gut kennen, nennen mich Elizabeth. Liz kann ich nicht leiden."

Wer war der Mensch hinter der öffentlichen "Liz"? Zur Erinnerung ein paar Fakten:

Elizabeth Taylor wurde am 27. Febr. 1932 in London geboren. Ihre Eltern waren Amerikaner. Der Vater war Kunsthändler, die Mutter Schauspielerin. Sie bereitete Liz schon früh auf eine Laufbahn beim Film vor. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zog die Familie in die USA, wo Taylors Vater in Beverly Hills eine Kunsthandlung betrieb.

Ab dem fünften Lebensjahr besuchte Taylor die Ballettschule des berühmten Ballettmeisters Vaccini, der auch die britischen Prinzessinnen Elizabeth und Margaret unterrichtet hatte. Erste Erfolge als Kinderstar feierte sie 1942 in Lassie Come Home, ihre erste Hauptrolle erhielt sie 1945 in National Velvet.

Da sie für diesen Film nicht groß genug war und das geforderte Reiten nicht beherrschte, musste sie, von der Mutter angeordnet, Streckgymnastik wie auch Reitunterricht über sich ergehen lassen. Bei den Drehaufnahmen stürzte Taylor vom Pferd und verletzte sich die Wirbelsäule. Ihre spätere Kränklichkeit wurde vielfach auf diesen Unfall zurückgeführt.

Der Durchbruch

Den Durchbruch zur weltbekannten Schauspielerin schaffte sie 1956 mit Giant. Hier faszinierte die früh Gereifte als letzte große Partnerin von James Dean - ihre Rollen und Filmpartner konnte sie sich von nun an aussuchen.

Es folgten Filme, die längst zu Klassikern geworden sind - Cat On a Hot Tin Roof (1958, Die Katze auf dem heißen Blechdach) und Suddenly, Last Summer (1959, Plötzlich im letzten Sommer) nach Tennessee Williams. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere galt die Schauspielerin mit den sanften Augen als schönste Frau der Welt.

Für Butterfield 8 gab es 1960 den verdienten Oscar. 1963 war nach zehnjähriger Arbeit und vielen krankheitsbedingten Unterbrechungen der Kassenschlager Cleopatra abgeschlossen, der Taylor als erster Schauspielerin eine Eine-Million-Dollar-Gage eingetragen hatte. Ein zweiter Oscar wurde ihr 1967 für die Rolle der Martha in der Albee-Verfilmung Who's Afraid of Virginia Woolf? (1966, Wer hat Angst vor Virginia Woolf) verliehen. Gemeinsam mit ihrem Filmpartner (und zweimaligen Ehemann) Richard Burton verkörperte sie hier überzeugend ein völlig zerrüttetes, sich psychoterrorisierendes Ehepaar.

Zwei Oscars, acht Ehen und ein krankes Herz

Seit Ende der 1960er Jahre blieb der ganz große Filmerfolg für Taylor aus. Als eine der letzten großen Hollywood-Stars ist sie dennoch bis zuletzt in den Medien präsent geblieben. Dafür sorgten auch ein exzessiver Lebensstil, die Ehen und Liebesaffären, die Alkohol- und Gewichtsprobleme, die Schlankheits- und Entziehungskuren.

Als Star tauchte Taylor 1979 wieder am Broadway mit einem beachteten Theaterdebüt auf: The Little Foxes. 1982 spielte sie mit Richard Burton das Bühnenstück Private Lifes.

Nach einer längeren Filmpause stand sie 1981 für den Agatha-Christie-Krimi The Mirror Crack'd vor der Kamera, dann drehte sie verschiedentlich fürs Fernsehen, bis Zeffirelli sie 1988 für The Young Toscanini verpflichtete. 1992 war Taylor in dem Thriller Faithful und 1994 in der Komödie The Flintstones als Schwiegermutter Fred Feuersteins noch einmal auf der Leinwand zu sehen.

Neben zahlreichen Auszeichnungen für ihr schauspielerisches Lebenswerk wurde die Leinwandlegende zuletzt am meisten für ihr reges Engagement in der Aids-Hilfe geehrt. Im Mai 2000 wurde sie von Queen Elizabeth zur "Dame Commander" des Britischen Empire erhoben. Seit dem Aidstod ihres Schauspielkollegen Rock Hudson (1985) war Taylor engagiert in der Aidshilfe aktiv, so in der "American Foundation for Aids Research" (AmFAR), einer um Finanzierung von Aids-Forschungsprojekten und um Aufklärung bemühten Stiftung, deren Vorsitzende sie seit 1985 war. Zusätzlich gründete sie die "Elizabeth Taylor Aids Foundation" und veranstaltete regelmäßig Wohltätigkeits-Diners.

Zum Stillschweigen verpflichtet

Neben ihrem filmischen Schaffen und ihrem Leben als erfolgreiche Geschäftsfrau (Taylor setzte mit ihrem Parfüm Millionen um) war es vor allem ihr Privatleben, das die Öffentlichkeit an der Schönen faszinierte. Zitat Taylor: "Ich habe nur mit Männern geschlafen, mit denen ich auch verheiratet war. Welche Frau kann das schon von sich sagen?"

Zur abschließenden Klärung:

Liz Taylor war in erster, 1951 geschiedener Ehe mit Nick Hilton verheiratet, dann bis 1957 mit dem englischen Schauspieler Michael Wilding. Aus der zweiten Ehe stammen zwei Söhne. Ihre dritte Ehe mit dem Hollywood-Produzenten Mike Todd, aus der eine Tochter stammt, endete im März 1958 mit Todds Tod bei einem Flugzeugunfall. Im Mai 1959 ging die Schauspielerin eine vierte Ehe mit dem Sänger Eddie Fisher ein. 1964 heiratete sie den Schauspieler Richard Burton, mit dem sie eine an Affären reiche Ehe führte. Das Paar adoptierte Maria Heisig, Tochter eines Arbeiters aus Mering bei Augsburg, die als Maria Burton eine Mannequin-Karriere begann. 1969 wurde das mexikanische Waisenkind Sergio Toledano De la Torre adoptiert.

Im Juni 1974 von Burton geschieden, heiratete Taylor ihn 1975 zum zweiten Mal. 1976 ließen sich beide erneut scheiden. Im Dezember 1976 heiratete sie den republikanischen Politiker John Warner, dessen Wahlkampagne um den Senatorenposten von Virgina sie unterstützte, und wurde im November 1982 wieder geschieden.

Eine achte Ehe ging Taylor im Oktober 1991 mit dem früheren Bauarbeiter und 20 Jahre jüngeren Larry Fortensky ein, den sie bei einer Alkoholentziehungskur in der kalifornischen Betty-Ford-Klinik kennengelernt hatte. Auch diese ungewöhnliche Verbindung hielt nur fünf Jahre. Im November 1996 wurde die Scheidung verkündet.

Die eigene Krankenhaus-Suite

Das skandalträchtige Privatleben wurde in der Biographie von C. David Heymann Liz: An Intimate Biography of Elizabeth Taylor (1995) ausgebreitet, deren Veröffentlichung die Schauspielerin vergeblich zu verhindern versucht hatte. Ex-Ehemann Fortensky wurde mit einer Abfindung von rund 1,5 Millionen Dollar zum Stillschweigen verpflichtet.

Zuletzt hatte Liz Taylor, die bis zu dessen Tod eng mit Michael Jackson befreundet war, vermehrt mit gesundheitlichen Problemen wie Herzrhythmusstörungen zu kämpfen: 1995 musste sie sich mehreren Hüftoperationen unterziehen lassen, 1997 wurde ihr ein gutartiger Gehirntumor entfernt. Schließlich war sie häufig auf einen Rollstuhl angewiesen. Im Jahr 2000 gestaltete sie sich eine eigene Suite im Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, in dem Krankenhaus, in dem sie nach eigenem Bekunden fast genauso viel Zeit wie in ihrem Haus in Bel Air verbracht hat.

Zuletzt war sie rund sechs Wochen wegen Herzbeschwerden im Krankenhaus behandelt worden. Ihre Sprecherin Sally Morrison erklärte nun, Taylors Kinder seien im Krankenhaus Cedars-Sinai in Los Angeles an ihrer Seite gewesen, als sie starb.

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