Süddeutsche Zeitung

DVD:John Coltrane

Was verbindet den Jazzsaxofonisten mit Muhammad Ali und Pina Bausch? Dass sie weit über ihre Profession hinausstrahlen. Über Coltrane gibt es nun einen Dokumentarfilm. Sehenswert!

Es gibt Menschen, die sehr viel größer sind als das Feld, auf dem sie brillieren. Deswegen konnte Muhammad Ali so viele Menschen begeistern, die sich sonst nicht fürs Boxen interessierten, oder Pina Bausch Leute ohne Sinn für Tanz. Auch der Jazzsaxofonist John Coltrane ist so einer. Was auch damit zu tun hat, dass er auf dem Höhepunkt der weltlichen Moderne mit seiner Musik nach einer überreligiösen Spiritualität gesucht und sie auch gefunden hat. Das kann einen zum Beispiel auf der Platte "A Love Supreme" ähnlich packen wie eine Bach-Passion. John Scheinfelds Dokumentarfilm "Chasing Trane" (DVD bei Universal, Stream bei Netflix) erzählt brav Coltranes Geschichte von der Kindheit über die Jahre bei Miles Davis und die Drogenabgründe bis zu seinen radikalen Erleuchtungsjahren. Aber weil Coltrane eine so monumentale Figur war, reicht schon eine konventionell chronologische Doku, um zu vermitteln, warum er eine zentrale Stelle in der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts innehat. Stärkstes Kapitel ist Coltranes späte Japanreise, auf der er sein Free-Jazz-Gebet "Peace On Earth" aufführte. Gute Idee, bei den DVD-Extras eine Langfassung davon zu liefern.

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Quelle:
SZ vom 09.12.2017
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