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Star Wars:Ein Nerd sein du musst

Der üppige Bildband "Das Star Wars Archiv: 1977-1983" bietet tolle Aufnahmen und letztgültiges Wissen für alle Hardcore-Fans der Sternenkriegssaga.

Mitte der Siebzigerjahre ging George Lucas mit seinem Drehbuch zu "Krieg der Sterne" in Hollywood hausieren. Warum ihn deshalb einige Menschen für verrückt erklärten, kann man anhand des Rohentwurfs seines Skripts vom Mai 1974 erahnen. Darin heißt es zum Beispiel: "Nehmt meinen Sohn als Euren Padawan-Lehrling. Er hat in den kessilischen Bürgerkriegen gekämpft und eine Hubble-Expedition ins Kegelsystem angeführt."

In einer Welt vor "Star Wars" klang das natürlich mehr nach Scientology-Broschüre als nach Blockbuster-Hit. Wer hätte damals schon ahnen können, dass aus diesem Kauderwelsch mal ein quasireligiöses Welten-, Zeichen- und Sprachsystem entstehen sollte? Für jene Menschen, für die Lucas' Weltraumsaga in den letzten vier Jahrzehnten zur Religion geworden ist, dürfte der Bildband "Das Star Wars Archiv", in dem diese und andere Drehbuchpassagen zu finden sind, zur Bibel werden.

Zwar sind die Anekdoten um die Entstehung der ersten Trilogie (1977 - 1983) zigfach erzählt worden; aber wer es noch mal ganz genau wissen möchte, der kann in diesem Buch trotzdem noch jede Menge lernen. Bis hin zu der exakten Angabe, dass die ersten beiden Aufnahmen, die für "Krieg der Sterne" gedreht wurden, jeweils 22 Sekunden dauerten und schon um 9.35 Uhr am Morgen im Kasten waren. Wie der weise Meister Yoda sagen würde: Für dieses Buch ein Nerd du sein musst.

Herausgeber Paul Duncan hat das Fanwissen in zahlreichen Interviews zusammengetragen, mit George Lucas, der auch ein kurzes Vorwort verfasst hat, mit Darstellern wie Harrison Ford, aber auch mit Setdesignern, Special-Effects-Künstlern und Puppenbastlern. Es gibt Fotos vom Set sowie Storyboard- und Modellzeichnungen zu sehen. Zum Beispiel Entwürfe des Droiden C-3PO, der ganz unverhohlen dem weiblichen Roboter aus Fritz Langs "Metropolis" nachempfunden wurde. Duncan zeichnet alle Einflüsse nach, die Lucas' Kosmos geprägt haben, die Obsession, mit der er jedes noch so kleine Roboterschraubendetail anging. Denn für Lucas war "Star Wars" ein lebensnotwendiger Eskapismus: "Ich glaube, ich fühle mich in einer Traumwirklichkeit wohler als in einer wirklichen Wirklichkeit."

Paul Duncan: Das Star Wars Archiv: 1977 - 1983. Taschen Verlag, Berlin 2019, 604 Seiten. 150 Euro.

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SZ vom 14.03.2019
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