Süddeutsche Zeitung

Christoph Mäckler wird 70:Haltungsfragen

Soll die Welt schön sein? Der Architekt Christoph Mäckler, der an diesem Samstag 70 wird, findet: Sie muss es sogar sein

Von Gerhard Matzig

Vor Jahren betrat der Architekt Christoph Mäckler das SZ-Büro des Autors, nahm Hut und Mantel ab - und war dann so freundlich, einen nicht anzubrüllen. Zuvor hatte man in einer Debatte über ein frühes Hauptwerk des Frankfurter Architekten, es ist der in Berlin prominent gelegene Lindencorso, gesagt, dass das Haus neu-teutonischer Natur sei, die auch dem Führer gefallen hätte.

Das war eine Beleidigung, die einem bis heute leidtut, obwohl man zum Lindencorso immer noch kein entspanntes Verhältnis pflegt. Umso angenehmer wurde dann das Gespräch mit einem Architekten, der nicht zum Beleidigtsein neigt. Auch, weil er selbst den Säbel zu führen weiß, wo das Florett ebenfalls denkbar wäre. Mäckler, das ist ein Kompliment, ist ein angenehm streitbarer Mensch, dessen Vorzug darin liegt, eine anregende und zugleich herausfordernde Haltung zu haben.

Das Verändern, nur um zu verändern, hält Mäckler für überflüssig

An diesem Samstag wird er 70. Im oft ermüdenden Grundsatzstreit zwischen Modernisten und Rekonstruktivisten hält er es lieber mit Adolf Loos, der meinte, dass Veränderungen, die keine Verbesserungen seien, Verschlechterungen sind. Das Verändern, nur um zu verändern, hält Mäckler für überflüssig. Und ist, das mag überraschen, daher auch ein früher Visionär der Nachhaltigkeit. Vor allem mit dem von ihm 2008 gegründeten Deutschen Institut für Stadtbaukunst, das sich kritisch mit der nachkriegsmodernen Stadt auseinandersetzt, hat er der öffentlich debattierten Baukultur einen enormen Gefallen getan.

Mäckler ist eine bedeutende Stimme auf dem Terrain eines Städtebaus, der sich bewusst ist, dass er nicht aus Infrastruktur allein, sondern vor allem aus Raumqualität besteht. Also aus Architektur. Wobei er sich nicht scheut, von einem solchen Bauen zu fordern, es solle "schön" sein. Dass er damit gleich zwei Professionen herausfordert, Architektur und Stadtplanung, die sich vom Begriff des vermeintlich überlebten Begriffs der Schönheit bisweilen verabschiedet haben, liegt auf der Hand. Umso wichtiger ist diese Haltung.

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