Süddeutsche Zeitung

Weitere Briefe:Mass und Maske, Krach und Kommerz

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SZ-Leser analysieren das Thema Wiesn und Gesundheit, die extra hohen Spritpreise in Bayern und laute Festivals in München.

Mass und Maske

"Viele schreiben mir: Danke fürs Oktoberfest" vom 10./11. September:

In diesem Interview gibt Oberbürgermeister Dieter Reiter zu Protokoll, dass er die Maskenpflicht in Bus und Bahn deshalb für richtig hält, weil man, im Vergleich zum Oktoberfest das eine "muss" (Bahn zur Arbeit/Schule fahren) und das andere "kann". Soweit das mit dem "Muss" und "Kann" für mich noch nachvollziehbar ist (bin froh, dass ich nicht aufs Oktoberfest muss), ist das Argument, dass man wegen des "Muss" weiter Maskenpflicht in Bus und Bahn aufrecht halten muss, ungerecht. Zum einen schützt die FFP-2-Maske zu über 90 Prozent vor einer Infektion. Damit kann sich jede und jeder einzelne gut selbst schützen. Zum anderen müsste man auf Grund von Folgen des Alkoholgenusses und übermäßigem Essen das Oktoberfest verbieten. Der volkswirtschaftliche Schaden, verursacht durch Sucht und Übergewicht, ist nicht unerheblich.

Außerdem vergisst Reiter wie viele andere Politiker/-innen auch, dass hier unsere Grundrechte weiterhin beschnitten werden. Warum da, wenn es für schützenswerte Gruppen effektive Maßnahmen gibt, diese aber nicht von allen wahrgenommen werden müssen. Überfürsorge in Form einer Pflicht, welche sanktioniert wird, wenn man sich nicht daran hält, und andererseits wird verantwortet, dass sich ein Mensch bei einem Fest wie dem Oktoberfest sehr wohl die Gesundheit, zum Schaden des Gesamtwohles, beschädigen darf. Nur aus wirtschaftlichen Gründen? So, wie es die Lufthansa aus wirtschaftlichen Gründen auch erreicht hat, dass es im Flugzeug in Zukunft keine Maskenpflicht mehr geben wird? Mitunter habe ich den Eindruck, dass wir unsere Demokratie, ihre Werte, die Freiheit und die Eigenverantwortung der Bürger und Bürgerinnen sehr außer Acht lassen.

Barbara Breuer, Ebersberg

Markt und Marge

"Bayern ist Spitze - bei den Spritpreisen" vom 2. September:

Jeder, der einmal für eine amerikanische Firma oder in einem angelsächsisch dominierten Marktumfeld gearbeitet hat, weiß, dass die Preisgestaltung nur bedingt etwas mit Produktionskosten zu hat. Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, in der jeder Anbieter seine Angebotspreise selbst gestalten kann. Während deutsche Firmen in der Regel nach dem Kalkulationsschema Selbstkosten + gewünschte Marge/Gewinn verfahren, folgen amerikanische Firmen oftmals dem Prinzip der Kaufkraft und des Nutzens für den Kunden. So kommt es, dass in dem prosperierenden Bayern vom Kunden für das gleiche Produkt mehr abgegriffen wird als in den übrigen Teilen Deutschlands.

Für Benzin und Diesel werden ja übrigens morgens, mittags und abends bei gleichen Produktionskosten auch signifikant unterschiedliche Preise aufgerufen: der Kunde als cash cow, die gemolken werden kann; so funktioniert unsere Marktwirtschaft. Leider sind sich die Konsumenten bei diesem Spiel ihrer Marktmacht auf der Nachfrageseite gar nicht bewusst. Gemeinsames und zielgerichtetes Nichtkaufen ist das stärkste Argument, um diese Marktmacht auszunutzen, sei es gegenüber einer unethisch handelnden Firma oder etwa gegenüber einem Land, das sich mit unserem Wertesystem nicht in Einklang bringen lässt. Wie wäre es, wenn die Konsumenten in Deutschland/Europa zum Beispiel einfach keine chinesischen Produkte kaufen würden? (Klar, in vielen Produkten sind chinesische Vorprodukte verbaut.)

Robert Fürbeth, Gilching

Krach und Kommerz

"Alles so schön bunt hier" vom 6. September über das Superbloom-Festival:

Wir wohnen in der Fasanerie, einem Wohnviertel zwischen Moosach und Feldmoching. In diesem Sommer, aber auch schon vor Corona, litten wir unter dem Lärm der Bässe von Veranstaltungen auf dem Olympiagelände. Bis dorthin sind es von uns drei bis vier Kilometer Luftlinie. Zusätzlich zu den üblichen Lärmmachern gibt es jetzt wohl neue auf dem von Ihnen hochgelobten Superbloom-Festival. Es führte bei uns am Samstag und Sonntag zwischen 21 und 23 Uhr zu einem Superlärm, den man auch bei geschlossenen Fenstern und laufendem Fernseher noch als störend empfand. Ich weiß nicht, was sich die Stadt München dabei denkt. Wird das eigentlich kontrolliert? Inzwischen wurden in diesem Gebiet hunderte von Wohnungen gebaut und sollen noch mehr gebaut werden, die viel näher dran sind.

Hier hat ja eindeutig der Kommerz die Oberhand bekommen, wie man auch an den Superevents an der Messe sehen kann. Lebensqualität für alle sieht anders aus.

Helga Mayer, München

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