Süddeutsche Zeitung

Donald Trump:Unverständnis für die Launen des Präsidenten

An Politik per Twitter haben sich viele gewöhnt. Aber die teils unberechenbare Art, mit der das Staatsoberhaupt der USA mit anderen Ländern in der Handelspolitik umgeht und nun, seinen Truppenabzug in Syrien vollzieht, geht einigen zu weit.

Zu "Miese Laune" vom 18. Oktober, "Weltpolizist a. D." vom 16. Oktober, "Feuer gegen Feuer", 12./13. Oktober, und "Kraft aus Hass" vom 4. Oktober:

Mehr als Satire

Als "Alt-68er" reibt man sich die Augen, wenn heute beklagt wird, dass die USA nicht mehr "Weltpolizist" spielen wollen, was die damalige "Außerparlamentarische Opposition" schon vor 50 Jahren auf den Straßen laut skandierend ("Amis raus aus Vietnam!") gefordert hatte. Dafür sind die meist jüngeren Demonstranten auch in Deutschland schwer beschimpft und attackiert worden damals.

Nun ziehen sich die Amerikaner aus den "brenzligen" Regionen zurück, und nun ist es auch wieder nicht recht. Aber zu denken geben sollte einem noch etwas viel Wichtigeres - dass eine Weltmacht mal, wie früher, von kriegslüsternen Präsidenten und dann wieder von offenbar politisch verwirrten Präsidenten geführt wird, während andere Großmächte wie Russland und China zielstrebig und konsequent ihre Machtpolitik fortsetzen und natürlich auch dankbar die jetzt entstehenden "Leerstellen" besetzen werden.

Unabhängig von solchen geo- und machtpolitischen Überlegungen sollte uns allen und ganz bestimmt mit zuerst uns in Deutschland als zentrales Land zwischen den (früheren?) Blöcken zu denken geben, von welchem mehr als seltsamen Personal eine Supermacht regiert wird - und von mindestens der Hälfte der Bevölkerung ins Amt gewählt wird. "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben", hat denn keiner mehr diesen (auch mehr als 50 Jahre alten und satirisch gemeinten) Hollywoodfilm im Kopf?

Wilfried Mommert, Berlin

Putin kann es recht sein

Die Amerikaner sowie die Militärs und Geheimdienste der EU-Staaten sollten sich bewusst machen, dass die Präsidentschaft Donald Trumps eine "erfolgreiche KGB-Operation" ist. Nicht dass Trump ein bewusst handelnder "Maulwurf" wäre. Aber der russische Präsident Putin musste diesem "Maulhelden" nur den Weg in das Amt des 45. US-Präsidenten bereiten. Den Rest haben dessen Überheblichkeit und Unterbelichtung wie von selbst bewerkstelligt. Acht Jahre Sterben in Syrien, Putin kann sich wenigstens hier als Gewinner sehen.

Nahezu zeitgleich die Herren Rees-Mogg, Farage und Johnson zu einer einsamen Irrfahrt im Nordatlantik zusammengezwungen zu haben, ist gewissermaßen die clotted cream auf dem Schlamassel.

Die vermeintlichen Eliten zweier Demokratien angelsächsischer Prägung "just in time" zu desavouieren - man müsste den Hut ziehen, wäre die geschaffene Situation für irgendeinen empathischen Menschen auf diesem Planeten von Vorteil. Größer als jetzt kann der Schaden für die USA und ihre ehemaligen Verbündeten fast nicht mehr werden. Mal sehen, ob drei überwiegend von Borniertheit regierte Mächte (die Volksrepublik China gehört dazu) allein durch ihre Geltungssucht friedliche Zusammenarbeit noch stärker direkt bedrohen oder ob sie uns nur noch weniger fähig machen, mit Herausforderungen umgehen zu lernen.

Michael Odenthal, Kiel

Fakten sprechen für Trump

Die Empörung in Europa und die der Medien über den Entscheid der Welthandelsorganisation(WTO) ist gut gespielt, und damit hat US-Präsident Donald Trump die europäische Öffentlichkeit geschlossen gegen sich. Es spricht allerdings eines für ihn: die Fakten. Die WTO hat in einem Schiedsgerichtsverfahren die EU-Subventionen für Airbus als rechtswidrig eingestuft, und die amerikanische Autoindustrie wird von den Europäern - insbesondere durch Deutschland - systematisch diskriminiert, da die EU auf US-Fahrzeuge im Schnitt zehn Prozent Zölle erhebt, während die USA auf Marken wie Mercedes, Peugeot etc. nur einen Zoll in Höhe von 2,5 Prozent erheben. Das gilt meines Erachtens auch für (fast) alle anderen Waren.

Die Zollquote der Europäischen Union für US-Produkte liegt deutlich höher als umgekehrt die Zollquote der Vereinigten Staaten für EU-Produkte. Das Ergebnis dieser Ungleichbehandlung zahlt sich somit für die Europäer durch einen satten Leistungsbilanzüberschuss aus, während die USA mit einem Defizit zu kämpfen haben.

Diese Ungleichbehandlung hat im Übrigen schon der in Europa und besonders in Deutschland so beliebte Amtsvorgänger von Donald Trump, Barack Obama, zum wiederholten Male - jedoch ohne Erfolg - moniert. Wenn die EU also nun "mit Gegenmaßnahmen droht", macht sie sich selbst zum Gespött der Welt, daher kann man diese Drohung getrost als "Windbeutel" bezeichnen.

Es ist bezeichnend, dass all diese Fakten auch in dem Kommentar "Kraft aus Hass" von Hubert Wetzel nicht erwähnt werden, sondern lediglich über einen amerikanischen Präsidenten hergezogen wird, der "seine politische Kraft nur aus Wut, Hass und Hetze zieht" und "der den Zweck seiner Präsidentschaft in der Zerstörung alter Ordnungen sieht".

Relativiert man die überwiegend populistischen und oft einseitigen Aussagen einiger Medien und Politiker über Donald Trump, könnte man durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass es die Deutschen gar nicht gewohnt sind, eine Bundeskanzlerin zu haben, die sich primär für die Interessen ihres eigenen Landes und die ihrer Bevölkerung einsetzt, so wie es im Übrigen auch in anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel in Großbritannien und Österreich der Fall ist.

Jan-Patrick Jarosch, München

Amerika hat Besseres verdient

Dieses von vielen Deutschen über viele Jahre als Vorbild erlebte und nach dem Zweiten Weltkrieg als Befreier bejubelte Amerika hat einen solchen vulgären, ungebildeten, sexistischen und egomanen Präsidenten, dessen Wortwahl nur noch abstoßend ist, nicht verdient. Aber solange Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist, werde ich dieses Land nicht mehr betreten (was sicher von allen Seiten zu verkraften ist).

Prof. Dr. H. Jochen Medau, Coburg

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Quelle:
SZ vom 22.10.2019
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