Süddeutsche Zeitung

Hochschule:Anonyme Hetze gegen Professoren nimmt zu

Immer mehr Wissenschaftler werden im Netz verunglimpft - auch an der Berliner Humboldt-Universität. Die Angreifer wollen sich weder zeigen noch diskutieren.

Die Angriffe treffen anerkannte Wissenschaftler, und die Angreifer lassen sich nicht auf Diskussionen ein: Oft gehen sie anonym vor und nutzen dafür das Internet. Die Präsidentin der renommierten Berliner Humboldt-Universität, Sabine Kunst, sieht darin eine Gefahr für die akademische Streitkultur und die freie Lehre. Sie will diese Diffamierungen nicht länger dulden. "Hier soll der Diskurs über bestimmte Inhalte und die Arbeit einiger Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer verhindert werden", warnt Kunst im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und sie skizziert, was die Universität dagegen unternehmen will.

Als zwei prominente Beispiele nennt sie den Politikwissenschaftler Herfried Münkler und den Osteuropahistoriker Jörg Baberowski. Beide lehren an der Humboldt-Universität. Münkler ist einer der bekanntesten deutschen Politikwissenschaftler. Er wurde wiederholt als Militarist und Gewaltverherrlicher beschimpft. Der Historiker und Osteuropa-Experte Baberowski wurde unter anderem wegen seiner kritischen Haltung zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung angegangen und als "rassistisch" diffamiert.

Kunst spricht von Kampagnen, "die nichts mehr mit der Auseinandersetzung im Universitären zu tun haben". Die Angriffe gehen gegen die Ehre der Wissenschaftler. Dabei werde "mit Unterstellungen gearbeitet, mit Aussagen, die nicht zutreffend oder aus dem Zusammenhang gerissen sind", sagte sie der SZ. Die Angreifer gäben sich meist nicht zu erkennen, sie stellten sich der Debatte nicht, kritisiert die Universitäts-Präsidentin.

Sie hat beobachtet, dass Universitäten bisher dazu neigten, derartige Angriffe zu ignorieren, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. "Aber wir können uns nicht weiter wegducken", sagt die HU-Präsidentin. "So wird es nur schlimmer. Diese Kräfte bekommen eine Macht, die ihnen nicht zusteht."

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SZ.de/lho/sks
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