Süddeutsche Zeitung

Diät:Die "Biggest Loser" nehmen wieder zu

Wissenschaftler haben Teilnehmer der US-Abnehmshow "The Biggest Loser" sechs Jahre lang begleitet und untersucht, wie sich ihr Gewicht verändert. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Von Felix Hütten

Es ist ja eigentlich kein Kompliment, wenn man weltweit als größter Verlierer der Menschheitsgeschichte bekannt wird. Bei Danny Cahill ist das ein bisschen anders, denn er wurde als größter Verlierer einer berühmten US-Show zum Star. Sein Verlust ist sein Sieg, es geht um nicht weniger als 108 Kilogramm, die er in der achten Staffel der Fernsehsendung "The Biggest Loser" abgespeckt hat.

Doch wie es nun mal so ist im Showgeschäft: Der einstige Sieger Cahill ist heute, sechs Jahre nach der Show, von seinem Triumph weit entfernt. 133 Kilo wiegt er derzeit - 47 Kilo mehr als nach der Show. Wie Cahill ergeht es vielen ehemaligen Teilnehmern: 20, 30, manchmal 100 Kilogramm Gewicht verlieren sie - und nehmen anschließend wieder kräftig zu.

US-Forscher der National Institutes of Health haben 14 Teilnehmer der achten Staffel von "The Biggest Loser" über sechs Jahre begleitet und untersucht, wie sich ihr Gewicht verändert hat. Im Durchschnitt haben sie während der Show 58 Kilogramm verloren - und später wieder 41 Kilogramm zugenommen. Angelehnt an diese Beobachtung lautet die Grundfrage der Studie, erschienen im Fachmagazin Obesity: Warum schaffen es so viele Menschen nach einer erfolgreichen Diät nicht, ihr Gewicht zu halten?

Der gesamte Stoffwechsel fährt runter

Natürlich reicht die Untersuchung von 14 ehemals übergewichtigen Menschen nicht aus, um verlässliche wissenschaftliche Aussagen treffen zu können. Und doch erlaubt die Studie einen Einblick in das Diätdilemma von Millionen Menschen. Nach erfolgreichem Gewichtsverlust passiert folgendes: Der Körper benötigt schlicht weniger Energie als vorher. Das mag sich bei einem halben Kilogramm nicht bemerkbar machen, im Falle des größten Verlierers Danny Cahill geht es aber um mehr als 100. Sein Energiebedarf im täglichen Leben sinkt rapide ab. 100 Kilogramm weniger, die Cahill eine Treppe hochwuchten muss, ersparen ihm viel Kraft. Zudem verlangsamt sich der gesamte Stoffwechsel, die inneren Organe verkleinern sich, sie müssen fortan mit weniger Nährstoffen versorgt werden. Wissenschaftler sprechen von einer metabolischen Anpassung.

Die jetzt veröffentlichte Studie zeigt, dass diese metabolische Anpassung aber nicht nach den Regieanweisungen einer Fernsehshow funktioniert. Der Wissenschaftler Erin Fothergill und sein Team gehen davon aus, dass sich der Stoffwechsel der Probanden durch den massiven Gewichtsverlust verlangsamt hat. Ihre Körper verbrennen seitdem sehr viel weniger Kalorien als zuvor. Doch damit nicht genug: Der Energieverbrauch sinkt sogar unter den Vergleichswert. Ein Proband wie Danny Cahill muss demnach auf etwa 500 Kilokalorien mehr pro Tag verzichten als eine Person mit gleichem Gewicht, die aber nie eine Diät gemacht hat.

Ein bestimmtes Gewicht "einprogrammiert"?

Ernährungswissenschaftler vermuten, dass der Stoffwechsel durch die Diät derart abgesenkt wird, dass die Probanden zeitlebens Gemüse essen müssen, um nicht mehr zuzunehmen. Doch das ist nicht so einfach. Denn das Hungergefühl passt sich womöglich nicht vollständig dem Energiebedarf an. Hunger wird durch einen komplexen Mechanismus aus Hormonen gesteuert, dazu kommt die Macht der Gewohnheit. Auch könnte es daran liegen, dass die Show-Teilnehmer ziemlich schnell sehr viel Gewicht verloren haben. Eine hohe Geschwindigkeit beim Abnehmen könnte den Jo-Jo-Effekt verstärken, weil der Körper nicht genug Zeit hat, sich dem neuen, viel geringeren Energiebedarf anzupassen.

Was bleibt, ist eine Vermutung: Jeder Mensch könnte ein bestimmtes Gewicht in seinen Genen "programmiert" haben. Der Körper versucht stets, dieses Gewicht zu halten. Um langfristig abzunehmen, müsste man also diese Vorgabe ändern. Wie das funktioniert, darüber streiten Experten und Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Ziemlich sicher ist: Mit einer Fernsehsendung geht es nicht.

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