Süddeutsche Zeitung

Wintersemester:So sieht es auf Bayerns Wohnungsmarkt für Studenten aus

  • Ingesamt sind 400 000 Studenten an bayerischen Universitäten eingeschrieben.
  • Jeweils im Herbst zieht in Hochschulstädten immer wieder die Sorge auf - werden alle Wohnungen oder WG-Zimmer finden?
  • In München kann selbst das WG-Zimmer 500 bis 600 Euro kosten. Bundesweit ist das der traurige Spitzenwert.

Es wird wieder richtig eng. Zehntausende neue Studenten werden in diesen Wochen in Bayerns Hörsälen ankommen - und in den Städten. Im Wintersemester starten traditionell viele Erstsemester. Knapp 400 000 Studenten sind insgesamt im Freistaat eingeschrieben, sie müssen nicht nur lernen, sondern auch wohnen; und das möglichst zu bezahlbaren Mieten. Da wird um jeden Quadratmeter Wohnraum gekämpft, da wird noch die letzte Bruchbude zum ersehnten Obdach. Zwar hat sich zuletzt beim Wohnheimbau viel getan. Nicht genug, sagt aber etwa die SPD im Landtag: "Die Studentenzahlen steigen schneller, als Wohnungen gebaut werden." Immer im Herbst zieht in Hochschulstädten die Sorge auf - wird man alle Leute unterkriegen? Ein Überblick.

Wird an einer Stelle ein neues Wohnheim eröffnet, wird nah dran ein anderes geschlossen. Mit Blick auf Erlangen könnte man es derart pessimistisch formulieren. Denn obwohl am Südcampus dieses Jahr bereits zwei neue Häuser eröffnet wurden und vier weitere bis Januar 2018 folgen sollen - insgesamt 410 Wohnplätze -, wurde gleichzeitig das älteste Wohnheim der Stadt geschlossen. Das Alexandrinum hatte knapp 65 Jahre geöffnet und muss nun dringend saniert werden. Für mindestens zwei Jahre fehlen so 200 Plätze. Am allgemeinen Markt ist die Lage ähnlich angespannt. Arbeitgeber wie Siemens ziehen zudem weitere Menschen (mit mehr Geld) in die Stadt. Etwas einfacher haben es Studenten in Nürnberg, dem zweiten Standort der Universität. Die durchschnittlichen Quadratmeterpreise sind hier niedriger. Für viele Uni-Einrichtungen müssen Studenten dann eben nach Erlangen pendeln.

Ein Volltreffer wartet in Regensburg in der Galgenbergstraße, just eingestellt in der Wohnungsbörse des AStA: Appartement, ein Zimmer mit kleinem Bad und Kochnische, um die 300 Euro warm, nahe Uni und Hochschule, frei von sofort an - und wohl schnell weg. Der Wohnungsmarkt ist zuweilen kritisch in der größten Stadt der Oberpfalz, wenngleich das Studentenwerk tut, was es kann. Die Studentenvertreter vom AStA sehen auch die Stadt in der Pflicht: "Obwohl sich Regensburg damit schmückt, eine junge und offene Stadt zu sein, die Studierende gerne aufnimmt, ist es extrem schwer für junge Menschen, eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden." Studenten konkurrierten mit anderen Bürgern um günstigen Wohnraum, dabei komme "nicht selten Unmut auf beiden Seiten" auf.

Inzwischen ist es in München fast so traditionell wie der Wiesnanstich. Irgendwann, rund um den Herbstbeginn, zapft Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht nur die erste Mass, sondern er schreibt auch mit Kultusminister Ludwig Spaenle zusammen einen Brief: "Liebe Münchnerinnen und Münchner, wir bitten Sie um Ihre Unterstützung!" Die Bürger sollen überlegen, ob es nicht doch noch ein Zimmer in ihren Wohnungen gibt, das sie untervermieten können. "Selbst wenn es nur für ein oder zwei Semester ist." Damit ist eigentlich alles zur Situation in München gesagt, anders gesagt klingt es so: Nur für jeden zwölften Studenten hat das Studentenwerk einen Wohnheimplatz. Der Rest muss privat unterkommen. Selbst in einer WG kann das Zimmer hier leicht 500 bis 600 Euro kosten. Bundesweit ist das der Spitzenwert. Zuletzt sind außerdem im Münchner Umland die Mieten stark angestiegen - zum Teil noch schneller als in der Landeshauptstadt.

"Je flexibler Sie sind", rät in Würzburg die Studienberatung, "desto leichter wird es sein, etwas Passendes zu finden." Eine Binsenweisheit, die Studenten nach Tauberbischofsheim oder Lauda-Königshofen führen könnte. Der baden-württembergische Main-Tauber-Kreis gewährt Würzburger Studenten einen Zuschuss zum erweiterten Semester-Ticket - wenn diese sich im Nachbarlandkreis niederlassen. Eine kluge Idee, sie bringt junge Leute in die ländlich geprägte Region, entlastet die unterfränkische Großstadt. Dort sei die Wohnungssuche eher heikel, heißt beim Studentenwerk, "schon seit 20 Jahren". Kleine Hoffnung: Zum Semesterstart hat jetzt ein neues, privat geführtes Studentenwohnheim mit mehr als 500 Plätzen eröffnet.

"Glücksfee" in Bayreuth, Begrüßungsgeld in Eichstätt

Als "Glücksfee" hat die Regionalzeitung in Bayreuth unlängst die Leiterin der Wohnheimverwaltung beim Studentenwerk porträtiert. Für eine nagelneue Anlage, die außer 178 Apartments und 66 WGs auch ein Eltern-Kind-Apartment und barrierefreie Zimmer zum erschwinglichen Preis bietet, gab es Berge an Bewerbungen. Das Los entscheidet. "Voll ausgelastet" sind in der Festspielstadt die Wohnheime, heißt es. Auf dem privaten Markt sieht es besser aus als in anderen Städten. Zum Semesterstart wird es trotzdem problematisch - bis Weihnachten dauert es in der Regel, bis wirklich alle Studenten gut untergebracht sind.

Oft ist es einfach eine Sache des Timings. Im Sommersemester stehen in Passau viele Wohnungen auch in guten Gegenden sogar leer. Blöd nur, dass die meisten Studiengänge dann eben doch im Winter beginnen. Tipp des Studentenwerks: erst einmal in eine WG statt ins Einzelappartement, das Ganze etwas weiter draußen. Dann, nach einem halben Jahr, nach einer zentraleren Unterkunft Ausschau halten. Gerade im Vergleich zu anderen Hochschulstädten sind Privatwohnungen in Passau zu jeder Zeit noch vergleichsweise günstig.

Zwei Dinge treiben in Bamberg viele Studenten um, das hat eine Umfrage gezeigt: zum einen die Sperrstunde, die den Leuten das nächtliche Strawanzen durch die Kneipen verdirbt, zum anderen die Suche nach günstigen Wohnungen. Trotz reger Bautätigkeit gebe es "kaum Entlastung", meldet die Stadt. Zum Beispiel entstanden auf dem jüngsten Campus, einem früheren Industriegelände, Appartements, Schnäppchen auf dem freien Markt werden jedoch seltener. Das Problem: Die Uni wächst rasch, inzwischen sind es 13 500 Studenten, nicht lange her, da war man noch im einstelligen Tausenderbereich. Gefragt sind die Wohnheime, auch die Stiftung des Erzbistums unterhält welche. Das schönste liegt da, wo es Touristen hinzieht: Von der Anlage Obere Mühlen aus blicken die Bewohner auf das Brückenrathaus.

Immerhin 50 Euro sind sicher: Studenten, die ihren Hauptwohnsitz für ein Jahr nach Eichstätt legen, bekommen ein kommunales Begrüßungsgeld. Das kann zum Beispiel einen Großteil der Kosten des Semestertickets decken, das nach der Wohnungssuche oft dringend gebraucht wird. Denn WG-Zimmer in der Altstadt gibt es zwar (für circa 300 Euro), günstiger und häufiger sind sie aber außerhalb. Angespannter ist es in Ingolstadt, wo die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät liegt. Die Stadt ist inzwischen durchaus mit Erlangen oder sogar München vergleichbar. "Ich würde da gern mit mehr Wohnheimen aushelfen", sagt Matthias Meyer vom Studentenwerk: "Aber die Grundstückspreise sind zu hoch für sozialen Wohnungsbau."

Immer wieder hört man in Augsburg die Geschichten von Münchner Studenten, denen es in der Landeshauptstadt zu teuer geworden ist, die seither in Augsburg wohnen und täglich zu TU und LMU pendeln. Es gibt sie vermutlich auch, aber höchstens vereinzelt. Denn ganz billig ist es für Studenten in Augsburg auch nicht mehr. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist die Studentenzahl um rund 50 Prozent gestiegen. WG-Zimmer kosten jetzt gut 400 Euro. Billiger ist es natürlich in den Wohnheimen des Studentenwerks. Dort gibt es derzeit aber nur rund 1700 Plätze für 20 500 Studenten. Eine neue Wohnanlage mit 132 weiteren Plätzen gibt es im Oktober 2018. Natürlich nicht für Münchner Studenten.

Gut ein Drittel aller Studenten sind heute nicht an einer Uni eingeschrieben, sondern an der Fachhochschule (FH) - in Bayern heißen sie Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Tendenziell sieht es beim Wohnen an den oft kleineren Standorten besser aus als in großen Städten, in Deggendorf oder Schweinfurt fühlen sich Studenten diesbezüglich sehr wohl, ist zu hören; in Kempten beklagt man dagegen Mangel an Buden. Fachhochschulen ziehen oft Studenten aus der Region an und können diese später als Absolventen dort halten. Forschungen deuten zudem an, dass FH-Studenten zunächst öfter daheim wohnen bleiben, im "Hotel Mama".

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Quelle:
SZ vom 05.10.2017/jana
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