Süddeutsche Zeitung

Prüfbericht:Defizit beim BR: Teures Erbe aus fetten Jahren

Lange Zeit hat der BR offenbar über seine Verhältnisse gewirtschaftet. Dafür müssen die jetzigen Verantwortlichen und Mitarbeiter nun die Zeche zahlen.

Der BR-Intendant Ulrich Wilhelm muss jetzt zum Helden werden und seinen Sender retten, er hat gar keine andere Wahl.

Das große Finanzloch, das der Rechnungshofbericht jetzt offenlegt, ist nichts anderes als ein Realitäts-Check. Der BR kommt nicht mehr darum herum, die niedrigen Zinsen und die steigende Lebenserwartung seiner Pensionäre in die Kalkulation einzubeziehen, wenn er die Posten für die Altersversorgung berechnet. Schönmachen geht nicht mehr.

Dafür sorgt das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, ein Wortungetüm, das ganz neue Klarheit bringt. Und die Klarheit hat Folgen: Mehr als die Hälfte des jetzt festgestellten Defizits von 100 Millionen Euro auf vier Jahre kommt laut BR von Korrekturen in den Büchern bei der Altersversorgung. Ein harter Wirklichkeitsaufschlag.

Der größte Fehlbetrag der ARD kommt aus Bayern

Der einst schwarze BR hat sich wahrhaftig verändert, gemessen an den Zahlen müsste man ihn heute eigentlich Rotfunk nennen: 83 Prozent des Fehlbetrags in der gesamten ARD kommen jetzt aus Bayern, rechnet der ORH vor. Viel zu lange ist nichts passiert, Wilhelm muss handeln. Das Hauptproblem Altersversorgung kann er auf die Schnelle nicht lösen. Die Eigenkapitalvorräte sind angerissen. Viel Spielraum hat der Intendant nicht. Die Beitragszahler werden es am Programm merken. Sie finanzieren zu einem nicht unerheblichen Teil statt öffentlich-rechtlicher Grundversorgung für heute ein viel zu opulentes System von gestern.

Zu all dem mutet Wilhelm seinen Mitarbeitern noch eine Riesenveränderung zu, die viele verunsichert: die Zusammenführung von Hörfunk, Internet und TV in einem Neubau in Freimann. 160 Millionen Euro soll der kosten. Es wird verdammt eng.

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Quelle:
SZ vom 09.03.2016/vewo
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