Süddeutsche Zeitung

Pappenheim:Neuer Ärger um Graf Ego

Um das Familienschlosses im mittelfränkischen Pappenheim zu sanieren, bekommt Albert von Egloffstein eine Menge Steuergeld. Nur wofür verwendet er es?

Von Uwe Ritzer

Die Mauer ist gut und gerne 200 Jahre alt, ein Baudenkmal und einsturzgefährdet. Auf der Mauer steht seit einigen Jahren ein gewaltiger Holzzaun, mehr als 150 Meter lang und teilweise ein gräflicher Schwarzbau. Dort nämlich, wo der Graf den Zaun nicht nur auf seinen Mauerabschnitt hat setzen lassen, sondern auch auf den der Stadt Pappenheim. Auch eine Hecke auf städtischem Grund hat er gepflanzt und eigenmächtig Aufschüttungen vorgenommen, alles ohne Genehmigungen.

Nun droht die denkmalgeschützte Mauer unter der Last des gräflichen Zauns auf eine öffentliche Straße zu stürzen. Der Graf macht dennoch keine Anstalten, den Schaden zu beheben und den illegalen Zaun abzubauen. Er reagiert einfach nicht auf die behördliche Aufforderung. Es ist ein neuerlicher, peinlicher Vorgang aus dem Reich von Albrecht Graf von und zu Egloffstein, 70. Als langjähriges Mitglied im Landesdenkmalrat und bei anderen Denkmalorganisationen von Politik und Behörden hofiert, liefert sich der Landadelige einen bizarren Kleinkrieg mit der Stadt Pappenheim in Mittelfranken, wo er die Grafschaft seiner Frau Iniga federführend verwaltet.

Die Egloffsteins stellen sich - wie im Fall der Mauer - städtischen Forderungen gegenüber tot, blockieren Vorhaben der Kommune wo sie nur können und fordern vier Quadratmeter inmitten einer Altstadtstraße zurück, die ihnen gehören und um die sie einen Zaun ziehen wollen. Mit dem Resultat, dass der größte Pappenheimer Innenstadt-Parkplatz und die Stadtwerke mit dem Auto nicht mehr erreichbar wären. Und das alles aus Rache, weil die Stadt sich beharrlich weigert, die nächste Rate an Städtebaufördermitteln für die Sanierung des gräflichen Schlosses am Marktplatz auszuzahlen.

Die Kommune blockiert die Mittel, weil die Egloffsteins die Schlossfassade bislang nicht saniert haben, obwohl das vertraglich vereinbart ist. Die Kommune möchte wissen, wofür die bisher ausgezahlten Steuergelder stattdessen ausgegeben wurden. Es geht um 320 000 Euro von Kommune, Bund und Land. Daneben hat die Grafenfamilie für die Sanierung bereits 670 000 von insgesamt 800 000 bewilligten Euro aus dem Entschädigungsfonds des Landesamtes für Denkmalpflege kassiert. Und die bayerische Landesstiftung, die nur in Ausnahmefällen öffentlich nicht zugängliche Denkmäler wie besagtes Schloss bezuschusst, steuert 200 000 Euro bei. So werden gut 1,3 der 1,8 Millionen Euro Baukosten aus Steuergeld finanziert.

Doch wie genau wurde kontrolliert, wofür die Egloffsteins die Mittel ausgaben?

Weithin erkennbar ist: Die Schlossfassade zum Marktplatz hin wurde bislang nicht saniert. Verblüfft stellten viele Pappenheimer fest, dass das früher mit Biberschwanzziegeln eingedeckte Schloss, das der berühmte Architekt Leo von Klenze Anfang des 19. Jahrhunderts geplant hat, neuerdings ein Blech-, respektive Kupferdach ziert. Eine gravierende Änderung, die vielen privaten Bauherrn so einfach nicht gestattet worden wäre. Sie sei vom Grafen "mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt" worden, heißt es aus der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen. Ähnlich großzügig verfuhren die Behörden mit Figuren, die plötzlich am Schloss angebracht wurden, wo vorher keine Figuren waren.

Man sehe darin "keine Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes", heißt es aus der Behörde. So herrschen Großzügigkeit und Zurückhaltung allenthalben. Von einem "laufendem Verfahren" ist auf Anfrage beim Landesamt für Denkmalpflege zunächst abwiegelnd die Rede. Auf Nachfrage heißt es, dass "Aussagen zur Verwendung der Fördergelder erst nach Vorlage und Abschluss der Prüfung des Verwendungsnachweises möglich" seien. Ähnlich unwissend ist auch die Landesstiftung. Ihr 200 000-Euro Zuschuss sei noch nicht vollständig geflossen und "ein Verwendungsnachweis liegt noch nicht vor", heißt es auf Anfrage. Die Egloffsteins übrigens ließen SZ-Anfragen bislang unbeantwortet.

Nicht nur die SPD-Landtagsabgeordnete Helga Schmitt-Bussinger hegt den Verdacht, der gut vernetzte Egloffstein genieße vorauseilende Gutgläubigkeit der Behörden, mindestens. "In anderen Fällen wird nach jedem Bauabschnitt genau kontrolliert, ob die Zuschüsse korrekt verwendet wurden", sagt Schmitt-Bussinger. Es sei "sehr ungewöhnlich, dass man hier so großzügig verfährt und nicht genau prüft, wo die Steuergelder landen". Auf eine Landtagsanfrage zur Förderung durch die Landesstiftung erhielt sie vom Wissenschaftsministerium eine ausweichende Antwort. Nun hat Schmitt-Bussinger einen ganzen Fragenkatalog nachgelegt.

In Pappenheim herrscht derweil Stillstand. Ein Vermittlungsangebot von Landrat Gerhard Wägemann stieß beim Grafen auf höfliche Ablehnung. Bürgermeister Uwe Sinn lehnt ein Entgegenkommen durch Nachgeben bei der Zuschussfrage ab. "Vertrag ist Vertrag und alle Bürger müssen gleich behandelt werden", sagt er. Nicht wenige Stadträte plädieren jedoch für mehr Untertänigkeit, des lieben Friedens willen. So war zunächst unklar, wie sich der Stadtrat in der Mauerfrage verhält. Für Sinn ist klar: Zaun, Hecke und Aufschüttungen muss die Grafschaft abtragen. Alles müsse entfernt werden, aus Sicherheitsgründen. Notfalls müsse die Stadt die Arbeiten übernehmen und, so weit sie die Grafschaft betreffen, sie ihr in Rechnung stellen. Illusionen macht man sich im Pappenheimer Rathaus allerdings nicht. "Erfahrungsgemäß", hieß es in der Sitzungsvorlage für den Stadtrat, "wird dies nicht ohne Rechtsstreit gelingen".

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Quelle:
SZ vom 25.11.2016/jey
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