Süddeutsche Zeitung

Mitten in Fürth:Ruhe in Unfrieden

Eine Grabstätte nahe gleichgesinnten Fußfall-Fans bietet nun auch die Stadt Fürth. Das klingt verheißungsvoll: ewige Ruhe mit Brüdern im Geiste. Aber nur so lange keiner auf dem Grabstein stehen hat, hier ruhe ein Anhänger der "Spielvereinigung Greuther Fürth"

Für alle Anhänger des großen Fußballvereins, der in der Stadt Fürth beheimatet ist, gibt es nun etwas Neues. In geweihter Erde kann man sich auf einem Gräberfeld unter Gleichgesinnten bestatten lassen. Letzte Ruhe und ewige Treue, Dauerkarte für immer!

Warum hier so wolkig vom Fußballverein aus Fürth die Rede ist? Weil dessen Name erhebliches Konfliktpotenzial birgt, was den tröstlichen Gedanken an den ewigen Frieden unter Gleichgesinnten ein wenig ins Untröstliche zu verfinstern vermag. Der Gedanke, für immer neben jemandem zu liegen, der zu Lebzeiten dieselbe Passion geteilt hat, ist ja ein friedvoller. Aber wenn's genau andersrum läuft? Wenn selbst die letzte Ruhe noch von unterirdischem Zwist und Provokation aus dem Nachbargrab gestört wird? Oder um die bösen Worte nun doch mal ins Spiel zu bringen: Wenn in Grabsteinsichtweite zu lesen steht, dort ruhe ein Anhänger der "Spielvereinigung Greuther Fürth"?

Ja, stimmt schon, so heißt der Verein offiziell. Nur soll er - wenn's nach mehr als zwei Dutzend Fanklubs geht - so bitte nicht mehr genannt werden. Die Sache ist komplex, ohne Blick in die Historie zweier Kommunen geht's nicht. Der eine Ort ist Fürth, klar, Fußballmeister 1914, 1926 und 1929. Der andere ist Vestenbergsgreuth, 50 Kilometer entfernt von Fürth. Der Verein aus der Stadt, die "SpVgg", lag in den Neunzigerjahren darnieder. Der Dorfverein, Vestenbergsgreuth, wurde zum Synonym für David-schlägt-Goliath und reüssierte auch noch (weil zuvor bereits im Heißgetränkegeschäft tätig) mit einem "1:0-Tee". Benannt nach der legendären Pokalsensation gegen die Bayern.

Die einen hatten die Geschichte, Meisterschaften, ein Stadion. Die anderen den aktuellen Erfolg und etwas Geld. So fand man zusammen, wie im richtigen Leben.

1996 war das, inzwischen aber muss man jüngeren Fürthern schon erklären, was es mit dem Fantasiewort "Greuther" auf sich hat. Am besten erklären könnten es Ex-Funktionsträger, die aber haben den Verein längst verlassen. Viele Fürther drängen also auf die Trennung: weg mit dem seltsamen Dorf-Zusatz im Namen!

Ob ein gemeinsames Bestattungsfeld die Anhänger wieder zu vereinen vermag? Schwierig. Die Stadt Fürth lud am Dienstag zum "neuen Grabfeld für SpVgg-Fans". Von "Greuther" stand da nichts.

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Quelle:
SZ vom 11.09.2019
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