Süddeutsche Zeitung

Gmund am Tegernsee:Michael Käfer darf Parkplatz nicht im Schutzgebiet bauen

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Von Matthias Köpf, Gmund

Der Parkplatz von Gut Kaltenbrunn am Tegernsee füllt sich zusehends im Laufe des Mittwochvormittags. Gleich in der Früh wuchten Mountainbiker ihre Räder von den Trägern, Wanderer ziehen sich die Bergschuhe an, bloß für das Strandbad ist es noch zu kühl. Ins Wirtshaus selbst wollen vorerst nur einige Architekten und Verwaltungsleute, die hier ihre Besichtigungstour zu herausragenden Baubeispielen im Landkreis Miesbach beginnen.

Zu diesen Beispielen zählen Kreisbaumeister Werner Pawlovsky und Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) auch die architektonische und gastronomische Wiederbelebung von Gut Kaltenbrunn durch die Eigentümerfamilie Schörghuber und Pächter Michael Käfer. 120 zusätzliche Parkplätze im Landschaftsschutzgebiet oberhalb des Guts hat das Landratsamt nun trotzdem abgelehnt. Und ohne diese Plätze muss Käfer seine Ausbaupläne überdenken, wenn er aus Kaltenbrunn nicht noch einen Schwarzbau machen will.

Käfers Geschäftsführer Markus Kemeter führt die Architektur-Delegation zum alten Rinderstall, wo unter weißem Gewölbe bald 600 Gäste feiern können. In der Etage darüber, der Tenne mit ihrem offenen Gebälk, hätten noch einmal so viele Gäste Platz; über die Rampe könnten sogar Autos hineinfahren, um darin stilvoll präsentiert zu werden.

Der Pferdestall wird noch Baustelle bleiben, doch die Fläche im Inneren des Vierseithofs ist großteils gekiest und von Kübeln mit Orangenbäumchen gesäumt. Käfer will den Hof als "Eventfläche" nutzen und hat hier ein pittoreskes altes Fuhrwerk abstellen lassen.

Doch auch wenn die Fläche dafür viel zu schade zu sein scheint: In der Baugenehmigung für Kaltenbrunn sind hier Parkplätze für 77 Autos vorgesehen. Gibt es sie nicht, wird auch die Genehmigung hinfällig. Aus Sicht des Landratsamts ist es noch lange nicht so weit, doch gerade nach Käfers Verzicht auf die Hof-Parkplätze kommen für die Behörde 120 neue Parkplätze im Landschaftsschutzgebiet am fast unbebauten Nordwestufer des Tegernsees nicht in Frage.

Die Gemeinde wollte es Käfer einfach machen

Dabei hatte es die Gemeinde Gmund dem prominenten Gastronomen leicht machen wollen. Käfer brauche Parkplätze, und weil man die im Landschaftsschutzgebiet nicht genehmigt bekommen werde, solle man sie doch einfach als öffentlich deklarieren. So stand es recht unverhohlen in der Vorlage von Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) für den Gemeinderat. Der stimmte mehrheitlich für den hemdsärmeligen Plan, der Käfer einen Bauantrag sowie eine Entscheidung im Kreistag erspart hätte. Einen öffentlichen Parkplatz hätte das Landratsamt auf dem Verwaltungsweg aus dem Schutzgebiet schneiden können, doch das hat die Behörde nun abgelehnt.

Er sehe da kein öffentliches Interesse, das den Landschaftsschutz überwöge, sagt Landrat Rzehak - zumal man das anfängliche Verkehrschaos nach der Wiedereröffnung 2015 nun durch Halteverbote in den Griff bekommen habe. Damit folgt das Amt den Forderungen der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, die ihre Empörung auch von einem Anwalt hat formulieren lassen.

Proteste und eine Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof hatten schon Pläne für ein Luxushotel an dem Ort verhindert, den viele für den schönsten weit und breit halten. Das Urteil von 2008 gilt als ein seltener Triumph für den Denkmalschutz, den man sich am Tegernsee nun nicht von neuen Parkplätzen schmälern lassen will. Eine Reaktion auf die Entscheidung kündigte Kaltenbrunn-Geschäftsführer Kemeter für die kommenden Tage an.

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Quelle:
SZ vom 07.07.2016
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