Süddeutsche Zeitung

Wirtschaft im Oberland:Der Bierbaron von Tölz

Zurück zu den Wurzeln: Seit Januar ist Maximilian Liebhart neuer Geschäftsführer des Mühlfeldbräus. Nun muss er den Betrieb durch schwierige Zeiten leiten.

Von Stefanie Haas

Intensive Aromen, eine fruchtige Note aus Bananen und Nelken. Dazu eine höhere Stammwürze - das sind die charakteristischen Noten des Weißbierbocks, einem Spezial-Bier, das der Tölzer Mühlfeldbräu jedes Jahr zu Ostern braut. In einer Woche wird abgefüllt, innerhalb von zwei Wochen soll das Bier dann fast überall im Landkreis zu haben sein.

Wenn der neue Geschäftsführer Maximilian Liebhart von Bieren wie dem Weißbierbock erzählt, dann merkt man ihm die Leidenschaft für das Brauereihandwerk an. Der gebürtige Dietramszeller begann seine berufliche Laufbahn 2011 als erster Auszubildender der 2008 gegründeten Tölzer Brauerei. Zuvor hatte Liebhart dort in den Ferien gejobbt. "Ich bin da ein bisschen reingerutscht", erzählt der heute 28-Jährige. Nach dem Abschluss der Meisterschule blieb er noch ein Jahr, ehe er 2017 Braumeister bei der Brauerei "Die Weisse" in Salzburg wurde. "Der Kontakt zum Mühlfeldbräu blieb aber immer, der ist nie abgerissen", sagt Liebhart. Nach einem Jahr verließ er Salzburg, um in die Karibik, genauer gesagt nach Guadeloupe zu gehen. Ein enger Freund aus der Meisterschule hatte dort ein Jahr zuvor als Braumeister bei der lokalen Brauerei "Gwada Beer" angefangen.

Der Betrieb wuchs schnell, sodass ein zweiter Braumeister gesucht und Liebhart ins Spiel gebracht wurde. "Das ist eine Chance, die nur einmal im Leben kommt", sagt Liebhart. Guadeloupe gehört zwar zu Frankreich, aber an die Mentalität und Arbeitsweise auf der Karibikinsel musste er sich erst gewöhnen. "Dort ist alles ein bisschen entschleunigter." Auch die logistischen Voraussetzungen seien dort ganz anders: "Alles, was man zum Brauen braucht, muss erst einmal auf die Insel importiert werden." Das Braumalz beispielsweise kam aus Frankreich, der Hopfen aus Deutschland und die Hefe aus den USA. Dennoch blickt Liebhart voller Wohlwollen zurück. "Das war schon eine tolle Zeit und auch eine wertvolle Erfahrung."

Trotz der Ferne hielt Liebhart Kontakt in die Heimat und insbesondere zum Inhaber des Tölzer Mühlfeldbräus Achim Bürklin. So erfuhr Liebhart nach seiner Rückkehr auch, dass dort gerade ein neuer Braumeister gesucht wurde - und erhielt den Posten. Aus der Geschäftsführung habe sich Bürklin schon länger zurückziehen wollen, sagt Liebhart. Sein Nachfolger sollte jemand sein, der den kleinen, familiären Betrieb gut kennt. Die Wahl fiel aus diesen Gründen schnell auf ihn. Ursprünglich sollte der Wechsel bereits Mitte des vergangenen Jahres stattfinden - das musste allerdings aufgrund der Corona-Lage verschoben werden.

Die Leitung des Betriebs hat er also in schwierigen Zeiten übernommen. Liebhart aber wirkt optimistisch. Zwar brach der Umsatz pandemiebedingt ein, jedoch lediglich um fünf bis zehn Prozent. Da der Absatz im Handel gleichzeitig anstieg, konnte sich das Tölzer Unternehmen über Wasser halten. "Für uns hat sich der Ausgleich durch den Handel als überlebenswichtig gezeigt." Vergangenes Jahr produzierte der Mühlfeldbräu knapp 1 100 Hektoliter. Das überrascht insofern, als dass manche der größeren Brauerein in der Umgebung größere Einbußen in der Produktion verzeichneten. Der Geschäftsführer schätzt vorsichtig, dass der Ausstoß dieses Jahr sogar weiter ansteigen könnte. "Die Situation im Handel entwickelt sich ganz gut", sagt er. Erhältlich sind seine Biersorten in Filialen der bekannten Lebensmittel- und Getränke-Ketten und privaten Märkten, die Wert auf regionale Produkte legen.

Liebhart erzählt, dass er sich dabei auf den Absatzmarkt in München und dem Umlandkonzentriert. So finde man das Bier auch in Starnberg, am Ammersee, selbst im Raum Rosenheim. "Wir wollen die Pandemie bewältigen und größer werden, aber kontrolliert wachsen", so Liebhart. Diese Strategie soll das nächste Kapitel in der Erfolgsgeschichte des Tölzer Mühlfeldbräu werden. Aber: "Die Qualität ist immer noch am wichtigsten." Verglichen mit den großen Brauereien hätte der Mühlfeldbräu zwar mehr Spielraum, sich auszuprobieren und andere Nischen zu finden. Zu große Pläne zu schmieden mache derzeit jedoch wenig Sinn. Der heimatverbundene Geschäftsführer setzt lieber darauf, das Tölzer Bier in seiner Ursprungsstadt und dem Umland noch stärker zu profilieren und zu einer Marke zu machen, mit der sich die Kunden identifizieren können.

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SZ vom 17.03.2021/vewo
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