Süddeutsche Zeitung

Ausstellung zu Napoleon:Alter Hut in Ingolstadt

  • Zur Landesausstellung "Napoleon und Bayern" wird ein Hut, den der Kaiser im Jahr 1812 beim Russlandfeldzug trug, aus Paris nach Ingolstadt gebracht.
  • Kleidungsstücke des Kaisers wurden schon zu Lebzeiten wie Reliquien behandelt.
  • Mit der Kopfbedeckung stilisierte Napoleon sich als einfacher Soldat - und signalisierte stetige Gefechtsbereitschaft.

Vor einiger Zeit hat ein Hut des Kaisers Napoleon bei einer Auktion fast 1,9 Millionen Euro eingebracht. Umso größere Aufmerksamkeit dürfte deshalb ein weiterer Napoleon-Hut finden, den das Haus der Bayerischen Geschichte demnächst in der Landesausstellung "Napoleon und Bayern" präsentieren wird.

Am Mittwoch kam die Zusage aus Paris. "Wir bekommen eine Ikone der europäischen Geschichte", frohlockt Richard Loibl, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Die markante Kopfbedeckung, bis heute das weltweit bekannte Markenzeichen Napoleons, wird nun in Paris für die Ausstellung in Ingolstadt präpariert. Eröffnung ist Ende April.

Kriege um Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit - theoretisch

"Napoleon war ein Meister der Propaganda und stilisierte sich über seine Kopfbedeckung zum Kameraden seiner Soldaten", sagt der Historiker Loibl, der sich mit pfiffigen Ausstellungskonzepten einen Namen gemacht hat. Das Hutmodell Napoleons war also kein Solitär. Die meisten Offiziere der Artillerie und Infanterie in der "Grande Armée" trugen den gleichen Zweispitz aus schwarzem Biberfilz wie der Kaiser. Das Modell war schmucklos, nur die Kokarde in den Farben der Trikolore (blau-weiß-rot) prangte darauf.

"Und das war wichtig", sagt Loibl, schließlich habe Napoleon seine Kriege für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit und das Vaterland geführt. "Wenigstens in der Theorie, in der Praxis ging es ihm vor allem um persönlichen Machtgewinn." Auf ein Unterscheidungsmerkmal zu den Offizieren weist Loibl aber ausdrücklich hin. Normalerweise wurde der Zweispitz mit der Spitze nach vorne getragen. Lediglich im Gefecht wendeten ihn viele zur Seite, also mit den Spitzen zu den Schultern, damit sie eine bessere Sicht hatten. Napoleon trug den Hut aber immer so und signalisierte damit eine stetige Gefechtsbereitschaft.

Trotz der schlichten Standard-Ausführung wurden die Hüte Napoleons nicht von kleinen Handwerkern angefertigt, sondern von "Poupard und Delaunay", einem der führenden Hutmachergeschäfte aus Paris. Jährlich gab der Kaiser bis zu 40 Hüte in Auftrag, wobei die Winterhüte gut gefüttert waren. Auch Napoleon verbrachte auf seinen Feldzügen viele Tage und Nächte bei klirrender Kälte im Freien.

Der Hut begleitete ihn bis zum Tod

Ein paar seiner Hüte haben die Zeiten überdauert. Jenes Modell, das in Ingolstadt präsentiert wird, trug der Kaiser in Russland, also auf jenem Feldzug von 1812, den Hunderttausende mit ihrem Leben bezahlten, nicht zuletzt 30 000 Bayern. Diese verheerende Niederlage im russischen Winter leitete das Ende der Ära Napoleon ein. Der Hut begleitete ihn aber bis zum Tod - selbst in den Sarg wurde ihm ein Exemplar mitgegeben.

Kleidungsstücke des Kaisers wurden schon zu Lebzeiten wie Reliquien behandelt. Sie sind ein Signum des Mysteriums, das sich um diese nur 157 Zentimeter große, aber in jeder Hinsicht monströse Person rankt. Bei seiner Flucht aus Russland nahm der Kaiser beispielsweise in einem polnischen Dorf die Gelegenheit wahr, sich zu waschen und die Kleider zu wechseln. Adam Zamoyski schildert in seiner Geschichte des Feldzugs von 1812 jene bezeichnende Szene, in der Napoleons Mameluck Roustam dem Wirt des Gasthofs das vom Kaiser abgelegte Hemd und seine Strümpfe zum Wegwerfen übergab, worauf die Einheimischen die Sachen an sich rissen, sie zerschnitten und sie untereinander verteilten, um sie als heilige Reliquien aufzubewahren.

Napoleon erhob Bayern zum Königreich

Auch mit Bayern war der Kaiser eng verbunden, obwohl das Land im Vergleich mit den damaligen europäischen Großmächten nur von nachrangiger Bedeutung war. Aber Napoleon erhob das kleine Kurfürstentum am 1. Januar 1806 zum Königreich und vermählte seinen Stiefsohn mit der Tochter des ersten bayerischen Königs Max I. Joseph. Auch schlug Napoleon in Bayern so manche Schlacht, etwa am 22. April 1809 bei Eggmühl. Einen Tag darauf erstürmte er Regensburg und zog sich dort eine Schussverwundung zu.

200 Jahre nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo 1815 und seiner endgültigen Abdankung und Verbannung will die Landesausstellung in Ingolstadt dessen Geschichte aus dem Blickwinkel des ehemaligen Verbündeten Bayern erzählen. Einerseits führte der Franzose Bayern in die Katastrophe. Andererseits brachte das Bündnis mit dem Kaiser den Bayern die Königskrone, ein vergrößertes Territorium, das bis heute Bestand hat, und die erste liberale Verfassung.

Der Hut des Kaisers und weitere kostbare Exponate aus vielen europäischen Ländern werfen somit ein Schlaglicht auf eine unruhige Zeit, in der die Fundamente für das heutige Europa mit all seinen Problemen gegossen wurden.

Die Landesausstellung "Napoleon und Bayern" wird am 30. April im Neuen Schloss Ingolstadt eröffnet und läuft bis 31. Oktober (täglich 9-18 Uhr).

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SZ vom 13.03.2015/ebri
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