Süddeutsche Zeitung

Dialekt:Ois, zwoi, falsch verbunden

Der schwäbische Dialekt kann offenbar sogar Telefonanlagen zum Abstürzen bringen. Und bei der Stadt Augsburg war das noch nicht einmal das einzige Problem.

Der neue Fastenprediger am Nockherberg, Maxi Schafroth, stammt aus dem Allgäu. Somit ist er Schwabe, und wer ihn bei seiner Premiere verstehen möchte, wird sich mit den Dialekten im Westen Bayerns beschäftigen müssen. Das erfordert Ausdauer und erzeugt mitunter auch einen gewissen Leidensdruck. Denn selbst die modernste Computertechnik ist noch nicht in der Lage, das Schwäbische - ganz zu schweigen vom Allgäuerischen - sprachlich zu erkennen. Bei der Stadt Augsburg hat man sich deshalb entschlossen, das computergesteuerte Telefonsystem anzupassen.

Zunächst wurden Anrufer gebeten, die das Bürgerbüro oder die Stadtwerke erreichen wollten, eine Zahl zu sagen, damit sie an die für ihr Anliegen zuständige Stelle weitergeleitet werden. Das hat aber nicht immer geklappt. Gab die Computerstimme vor, man solle eins, zwei, drei, vier oder fünf sagen, antwortete der Schwabe: ois oder zwoi. Bei drei und vier ging es noch, aber bei fünf war schon wieder Schluss: femf. Die Stadt sah sich deshalb gezwungen, ihr Telefonsystem auf manuelle Bedienung umzustellen.

Nun muss der Anrufer bei der Stadtverwaltung in Augsburg die Zahlen nicht mehr sagen, sondern nur noch auf seinem Telefon die entsprechende Taste drücken. Man kennt das ja von allerhand Hotlines, wo es heißt: "Drücken Sie bitte die Eins und Sie werden sofort mit einem Mitarbeiter verbunden." Dass das Wort "sofort" einen sehr dehnbaren Zeitraum umschreiben kann, ist jedem bekannt, der eine gefühlte Ewigkeit in der Dauerschleife einer solchen Hotline hing.

Nun hat auch das neue System bei der Stadt seine Tücken, wie die Augsburger Allgemeine berichtete. Ein Mann, der noch ein Wählscheibentelefon zu Hause hat, wollte im Bürgerbüro ein Anliegen vorbringen. Er wählte die Nummer, und eine Computerstimme meldete sich: "Drücken Sie bitte die Eins!" Da half alles Drücken nichts an dem alten Apparat. Die Verbindung zu einem Mitarbeiter kam letztlich nur zustande, weil der Augsburger beharrlich in der Leitung blieb und letztlich doch noch automatisch einen Ansprechpartner vermittelt bekam. Der Mann wird sich gefragt haben, welcher Bachl so ein System erfunden hat. Wer nun wissen will, was Bachl bedeutet, drückt bitte die Eins.

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Quelle:
SZ vom 13.12.2018/haeg/sim
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