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Nockherberg: "Für mich ist es der Olymp des Kabaretts"

Nockherberg

Mit dem "jungen Wilden" Maxi Schafroth will Paulaner eine neue Ära einleiten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Maxi Schafroth wird künftig auf dem Nockherberg als Nachfolger von "Mama Bavaria" den Politikern die Leviten lesen. Er ist Allgäuer, 33 Jahre jung, aber schon reichlich erfahren.

Allmählich müssen sich die Altbaiern Sorgen machen: Den Posten des Ministerpräsidenten hat ein Franke okkupiert, und jetzt wird auch noch ein Schwabe, genauer gesagt, ein Allgäuer Salvatorredner auf dem Nockherberg. Damit sind die beiden wichtigsten Ämter in Bayern in der Hand ursprünglich fremder Volksstämme. Was die Fastenpredigt betrifft, tritt der Kabarettist Maxi Schafroth die Nachfolge von Luise Kinseher alias "Mama Bavaria" an, die nach achtjährigem Wirken Ende Februar ihren Rücktritt erklärte. Dass sich der 33-jährige Schafroth der Bedeutung seiner neuen Aufgabe bewusst ist, ließ er bei der Vorstellungsrunde am Freitag gleich durchblicken: "Es ist eine Wahnsinnsehre, dass ich als Allgäuer dieses wichtige Amt übernehmen darf. Für mich ist es der Olymp des Kabaretts."

Maxi Schafroth ist allerdings kein Neuling auf der Nockherberg-Bühne. Dreimal wirkte er bei den Singspiel-Inszenierungen von Marcus H. Rosenmüller mit, unter anderem war er da als Conchita Wurst und als personifiziertes Über-Ich Horst Seehofers zu sehen. Aber allein hinterm Rednerpult zu stehen und den Politikern die Leviten zu lesen, ist noch mal etwas ganz anderes.

Politik in Bayern Künftig ohne Horst und ohne Mama
Starkbier-Anstich

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Die Überraschung ist gelungen: Luise Kinseher nimmt Abschied vom Nockherberg. Was die Nachfolge angeht, gibt sich der Paulaner-Chef geheimnisvoll.

Schafroth ist sich dessen bewusst: "Man spricht vor einem Publikum, in dem nicht nur Fans sind." Ihm geht es darum, den zur Starkbierprobe versammelten Politikern den Spiegel vorzuhalten, und zwar möglichst so, dass sie sich selbst erkennen, ohne allzu sehr verstimmt zu sein. "Das ist eine feine Gratwanderung", sagt Schafroth. Er selbst sei schon sehr früh davon beseelt gewesen, andere Leute zu beobachten und sie zu parodieren. "Das basiert auf einer tiefen Liebe, und ich bin gespannt, ob die Politiker auf dem Nockherberg diese Liebe erkennen."

Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt ist sich jedenfalls sicher, den Richtigen für die heikle Rolle des Fastenpredigers gefunden zu haben. "Er war auch der Erste und Einzige, mit dem wir gesprochen haben. Gleich beim ersten Kontakt war klar, er passt für die Aufgabe und zu uns." Mit einem "jungen Wilden wie Schafroth", fügt Steinfatt hinzu, werde man nach acht Jahren Mama Bavaria "eine neue Ära einleiten".

Maxi Schafroth ist zwar jung, in Sachen Kabarett, Film und Fernsehen aber schon reichlich erfahren. Sein Debüt als Kabarettist feierte er 2007 im Schwabinger Vereinsheim, derzeit tourt er mit seinem Programm "Faszination Bayern" durch Deutschland. Im vergangenen Jahr hat er den Bayerischen Kabarettpreis für Musik erhalten, auch das silberne Scharfrichterbeil aus Passau, der "Stuttgarter Besen" und der Paulaner-Solo-Preis stehen in seinem Trophäenschrank. Neben anderen TV-Produktionen war er auch in einem ARD-Tatort zu sehen sowie in diversen Filmen, etwa in Rosenmüllers "Sommer der Gaukler" oder "Wer's glaubt, wird selig".

Geprägt hat ihn in seinen jungen Jahren nicht etwa das champagnerprickelnde Kulturleben einer Großstadt, sondern die raue Wirklichkeit auf dem Land: "Als Allgäuer Landwirtssohn ist man früh gefordert. Mit sieben musste ich zehn Hektar mähen, 60 Rinder von Hand melken und abends am Stammtisch mitdiskutieren." Nach dieser bäuerlichen Elementarschule absolvierte er eine Banklehre - "eine Entscheidung, die direkt ins Kabarett geführt hat". In der Bank gab es genug eigenartige Typen, und besonders Führungskräfte boten reichlich Anschauungsmaterial, das er für seine ersten Auftritte verwertete.

Am 13. März kommenden Jahres wird es aber nicht der Sparkassendirektor sein, den Schafroth durch den Kakao zieht, sondern der Ministerpräsident. "Ich freu mich schon auf das Gesicht vom Söder. Der schaut immer so geometrisch." In welcher Rolle er Söder und den übrigen Starkbierhonoratioren gegenübertreten wird, weiß Schafroth noch nicht. Gewiss, er könnte einen Mönch verkörpern, aber vielleicht gibt es ja noch originellere Ideen. "Im Moment spinn' ich herum", sagt er. Und da wisse er nie, wo das hinführe. "Manchmal bin ich von mir selbst überrascht."

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