Süddeutsche Zeitung

Renault Zoe:Elektroauto mit Ladeproblem

Mit dem Zoe zeigt Renault ein reines Elektroauto. Seine Alltagstauglichkeit ist hoch, doch der Stromer hat einen entscheidenden Nachteil: Er kann nicht an einer üblichen Haushalts-Steckdose geladen werden.

Von Wolfgang Gomoll, Lissabon

Zoe ist ein altgriechisches Wort und bedeutet Leben. Ob das gleichnamige französische Elektro-Fahrzeug allerdings den vitalisierenden Odem in die stockende Elektromobilität hauchen kann, steht noch in den Sternen. Denn nicht jedermann kann den Wagen problemlos laden, da der Zoe zum ein Wand-Ladegerät braucht - das aber immerhin mitgeliefert wird. Keine idealen Voraussetzungen für hohe Zulassungszahlen.

Dabei ist der französische Stromer durchaus alltagstauglich. Er schaffte mit einer Batterieladung bei den ersten Testfahrten rund 130 Kilometer. Das ist zwar weit unter den angegebenen 210 Kilometern. Aber bei dem Meß-Zyklus für Elektroautos verhält es sich wie bei den Benzinverbrauchsangaben in den offiziellen Datenblättern der Autohersteller - sie entsprechen nicht unbedingt der Realität. Um möglichst viele Kilometer mit der 22-Kilowattstunden-Batterie zu pressen, haben die Franzosen zum Beispiel eine Wärmepumpe verbaut, die den Innenraum erwärmt, aber nur ein Drittel der Energie einer normalen Heizung verbraucht. Damit der Strom auch möglichst lange fließt, rekuperiert der Zoe, sobald man den Gasfuß lupft.

Kein Sportwagen

In Bewegung zeigt der Franzose die bekannten Stärken eines Elektroautos: Er fährt lautlos und das Drehmoment von 220 Newtonmetern steht vom ersten Moment an zur Verfügung. Ein Druck auf den Eco-Knopf sorgt für besonders ressourcenschonende Fortbewegung und begrenzt die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h. Die Leistung des Elektro-Triebwerks ist dann auf 58 PS begrenzt. Bei einem Kickdown setzt der Elektromotor seine ganzen 88 PS frei und beschleunigt auf maximal 135 km/h. Wird die Leistung nicht mehr abgerufen, wird der Eco-Modus automatisch wieder aktiviert. Um einen ressourcenschonenden Fahrstil zu fördern, gibt die Elektronik ständig Rückmeldung über den Fahrstil und schlägt gegebenenfalls Verbesserungen vor. Eine grün schimmernde Anzeige signalisiert einen umweltfreundlichen Fahrstil. Bei violetter Beleuchtung ist der Fahrer zu ambitioniert unterwegs.

Das ist nur selten der Fall. Denn der Zoe weckt keine sportlichen Ambitionen. Die Sitzposition ist nicht optimal, da der Fahrer zu weit vom Lenkrad entfernt ist und das Gestühl wenig Seitenhalt bietet. Zudem ist das Fahrwerk ziemlich straff und gibt Unebenheiten deutlich an die Insassen weiter.

Kühles Inerieur

Der Innenraum verströmt eine kühle, puristische Modernität: Analoge Instrumente gibt es nicht, stattdessen sorgen digitale Displays für den Informationsfluss und eine optionale Teflonbeschichtung der Sitzbezüge schützt diese vor Nässe. Manche Materialien allerdings machen keinen hochwertigen Eindruck: Statt unterschäumter Kunststoffe fühlt die Hand genarbtes Hartplastik. Auch die Plastik-Türöffner an den hinteren Türen wirken fummelig. Platz ist im 4,01 Meter langen E-Mobil auf den Vordersitzen genug - im Fond allerdings nicht.

Mit dem Zoe will Renault den Preisnachteil im Vergleich zu konventionellen Antrieben egalisieren. Der Einstiegspreis für den E-Renault beträgt 21.700 Euro. Die Top-Version Zen kostet 1800 Euro mehr. Dazu kommen noch die Kosten für die Batterie. Die kann der Kunde nur mieten. Die Höhe der monatlichen Rate hängt von der Laufleistung und der Mietdauer ab: Fährt der Kunde in 36 Monaten 12.500km pro Jahr, sind jeden Monat weitere 79 Euro für den Akku fällig. Wer sein Fahrtstrecken-Kontingent überzieht, zahlt pro Kilometer fünf Cent, bleibt man unter der vereinbarten Grenze, bekommt man 1,7 Cent zurückerstattet.

So viel Energie benötigt der Zoe

Bei unseren Testfahrten benötigte der E-Franzose 14,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Legt man einen Stromdurchschnittspreis von 25,7 Cent pro Kilowattstunde zu Grunde, sind das 3,67 Euro pro 100 km. Bei der angenommenen Laufleistung von 12.500 Kilometern sind das 458,75 Euro im Jahr. Dazu kommt die Batteriemiete in Höhe von 948 Euro. Zusammen ergibt das 1406,75 Euro an "Spritkosten".

Laut Spritmonitor verbraucht ein Polo 14 FSI mit 86 PS rund sechs Liter pro 100 km. Bei einem aktuellen Preis von 1,52 Euro für den Liter Super E 10 entspricht das Benzinkosten von 1147,50 Euro im Jahr. Dazu kommt die KFZ-Steuer von 96 Euro (laut Autokostencheck.de). Lässt man die Wartungskosten außer Acht, belastet der Zoe die Haushaltskasse pro Jahr um 163,25 Euro mehr als ein Polo. Das ist nur unwesentlich mehr. Finanziell spricht also nichts gegen den Zoe. Dass er nicht an einer Haushaltssteckdose geladen werden kann, ist allerdings ein Problem.

Die Reisekosten zur Präsentation des Renault Zoe wurden teilweise vom Hersteller übernommen.

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