Süddeutsche Zeitung

Consumer Electronics Show 2015:Autofirmen glänzen als Hightech-Konzerne

  • Seit fünf Jahren hat sich die von der Autoindustrie genutzte Standfläche auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mehr als verdoppelt. Das zeigt, wie die Verknüpfung mit der IT-Branche immer enger wird.
  • Auf der CES 2015 stehen das autonome Fahren und moderne Innenraum- sowie Bedienkonzepte im Mittelpunkt.
  • Zwischen 6. und 9. Januar werden etwa 150 000 Messebesucher erwartet.

Es gab eine Zeit, da galt die als Detroit Motor Show bekannte North American International Auto Show NAIAS, stets ausgetragen Mitte Januar, als Startschuss eines jeden Autojahres. Das war einmal. Denn die Bedeutung der klassischen Automessen wird immer geringer und mit Verzögerung haben das auch die Hersteller erkannt. Wer als Hightech-Marke und nicht allein als hausbackener Autoproduzent gelten möchte, kommt um einen Auftritt bei großen Elektronikmessen wie der Consumer Electronics Show (CES) nicht mehr herum.

Nicht nur mit ihrem Termin (diesmal von 6. bis 9. Januar) kann die CES gegenüber der ein paar Tage später stattfindenden NAIAS punkten: Zu Jahresbeginn ist das stimmungsvolle und warme Las Vegas außerdem deutlich einladender als das gewohnt kalte und trostlose Detroit. Die etwa 150 000 Besucher sehen das ähnlich und posaunen die Neuerungen nahezu in Echtzeit über die sozialen Netzwerke in die Welt hinaus. Es ist ein Publikum, vor dem sich die Autohersteller als weltweite Zukunftskonzerne präsentieren können.

Pionierarbeit von Ford

Die amerikanischen Hersteller, allen voran Ford, waren die ersten, die sich vor ein paar Jahren auf die CES wagten. Die Besucher nahmen den kleinen Messestand oder den ersten Auftritt des jetzigen Ford-Chefs Mark Fields mit Microsoft-Gründer Bill Gates damals kaum wahr. Heute sieht das anders aus. Noch mehr als in den Jahren zuvor wollen die großen Hersteller, darunter vor allem die deutschen, in Las Vegas hell wie die weltbekannten Leuchtreklamen erstrahlen.

Es geht dabei weniger um die Messeinhalte im Einzelnen, sondern darum, vor Ort und somit am Puls der Zeit zu sein. Und um die potenziellen Autokunden zu verstehen, die sich längst mehr für die Vernetzung ihres Fahrzeuges mit dem Internet und die automatisierte Fahrt ins Büro interessieren als für dessen Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit. Die Hersteller zeigen deshalb kaum neue Fahrzeuge, die gibt es nach wie vor ein paar Tage später in der alten Automobilwelt von Detroit zu sehen. Die CES veranschaulicht vielmehr, wie eng die Verknüpfung von Auto- und IT-Branche inzwischen ist.

Daimler-Chef Dieter Zetsche wird in seiner Ansprache einen Ausblick auf die Zukunft des automatisierten Fahrens geben - und einen Technologieträger zeigen, in dem klassischer Fahrspaß nicht mehr gefragt ist. Lenkrad und Pedale falten sich automatisch zusammen, während sich die bis zu vier Insassen gegenübersitzen und nach Kurzweil und Zerstreuung suchen. Gerne auch über das Internet, dessen Inhalte über ein Großdisplay ins Auto geholt werden. Natürlich lassen sich in dieser Vision des autonomen Fahrens die ersten beruflichen Aufgaben bereits erledigen, bevor das Büro erreicht ist.

Auch bei den anderen Autofirmen wird es vorrangig um Teilautomatisierungen und neue Bedienkonzepte gehen. BMW ließ 2014 einen M235i ein paar vollautomatische Runden auf einer nahe gelegenen Rennstrecke drehen. Nun parkt ein i3 selbständig ein und aus, kommandiert vom Fahrer per Armbanduhr - wie einst bei K.I.T.T. und Michael Knight in der Fernsehserie Knight Rider. Auf ähnliche Weise sorgte Audi im vergangenen Jahr für Aufsehen; damals fuhr ein A7 ohne Zutun eines Fahrers in ein Parkhaus und parkte auch wieder aus.

Strahlender Messebau statt biederer Teppich

In nur wenigen Jahren sind die Autohersteller mediale Zugpferde der CES geworden. "Die Ausstellungsfläche der Autofirmen hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt", sagt Sprecherin Tara Dunion. Wer deren Messestände heute sieht, kann sich kaum vorstellen, dass Ford sein Mittelklassemodell Taurus und dessen technische Innovationen einst auf einem bieder gestalteten, nur 50 Quadratmeter großen Stück Teppich präsentierte. Heute schauen sich Großkonzerne wie Sony, Samsung, Lenovo oder Microsoft die strahlenden Messebau-Kreationen der Autohersteller ganz genau an.

Auch die Zulieferer versuchen, den Glanz der Autoindustrie für sich zu nutzen. Beispielsweise der Nvidia-Konzern, der die Navigationssysteme und Bedienmodule von Audi oder BMW mit Prozessoren ausrüstet. "Vor zwei Jahren hätten an unserem Messestand nur Computer und ein paar Videospiele gestanden", sagt Danny Shapiro, Direktor von Nvidias Automobilsparte. "Diesmal haben wir uns entschieden, unseren Fokus auf Automobile zu legen." Das werden in den kommenden Jahren noch ein paar andere Firmen tun. Die Macher der NAIAS zittern weiter - und daran ist nicht die Kälte in Detroit schuld.

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