Süddeutsche Zeitung

Sternenhimmel im Januar:Zerborstene Sonnen

Der Jupiter ist in den nächsten Wochen im Sternbild Stier gut zu sehen, als Orientierungshilfe kann dabei der Mond helfen. Im Stier befindet sich auch der Krebsnebel, in dem ein Pulsar Radiopulse abgiebt. Auf Astronomen wirkte die Strahlung einst wie ein Signal von Außerirdischen.

Im Stier glimmt ein zartes Wölkchen, das Amateurastronomen mit kleinen Teleskopen leicht finden. Der französische Forscher Charles Messier beobachtete es 1758 und nahm es als erstes Objekt in seinen Katalog der Sternhaufen und Nebel auf. M 1, so wissen wir heute, ist der Überrest einer kosmischen Katastrophe, die vor mehr als 950 Jahren unserer Zeitrechnung auf der Erde bemerkt wurde.

Damals, am 11. April 1054, entdeckte ein Mönch in Flandern "eine helle Scheibe". Insbesondere chinesische Astronomen beobachteten diesen neuen Stern, der sich über mehrere Wochen sogar am Taghimmel zeigte. Heute ist bekannt, dass eine ferne Sonne mit einem gewaltigen "Knall" zerborsten war.

M 1 - wegen seiner Gestalt im Fernrohr auch Krabbennebel oder Krebsnebel genannt - ist aber nicht das einzige Überbleibsel dieser Supernova. Im Herzen der Gaswolke sitzt ein Objekt, das alle 0,033 Sekunden intensive Radiopulse ausstrahlt. Ein Peilsender der kleinen grünen Männchen? Die Forscher, die in den 1960er-Jahren die Signale mehrerer solcher Quellen entdeckten, dachten das tatsächlich für einen Moment. Sie nannten die mysteriösen Radiosender schlicht Pulsare.

Geht ein Stern mit mehr als acht Sonnenmassen dem Ende entgegen, gerät sein Inneres aus dem Gleichgewicht. Die Kernfusion, die den Gasball einige hundert Millionen Jahre am Leben erhalten hatte, kommt schließlich zum Erliegen. Der nach außen gerichtete Strahlungsdruck nimmt ab, die nach innen wirkende Gravitation gewinnt die Oberhand.

Das geht nicht lange gut: Während die äußeren Sternregionen ins All katapultiert werden und das Objekt als Supernova aufleuchtet, kollabiert sein Kern. Dabei verdichtet sich die Materie des toten Sternherzens so sehr, dass ein würfelzuckergroßes Stück auf der Erde Dutzende von Millionen Tonnen wiegen würde.

Bei diesen extremen Dichten werden Protonen und Elektronen ineinander gequetscht und erzeugen Neutronen. Die Durchmesser dieser glatten Kugeln liegen bei gut 20 Kilometern. Sie rotieren sehr schnell, ähnlich einer Eiskunstläuferin, die mit angelegten Armen eine Pirouette dreht.

Hier liegt auch der Schlüssel zu den Pulsaren. Denn während die ausgebrannten Sternleichen bis zu 700 Mal pro Sekunde um ihre Achse kreiseln, werden geladene Teilchen entlang starker Magnetfeldlinien beschleunigt und senden elektromagnetische Strahlung in verschiedenen Wellenlängenbereichen aus. Diese Strahlung ist in Richtung der Magnetfeldachse kegelartig gebündelt. Und überstreicht ein solcher Kegel die Erde, scheint der Stern aufzublitzen - als Pulsar.

Im Sternbild Stier finden wir nicht nur den 6300 Lichtjahre entfernten M 1, sondern in den nächsten Wochen auch den glänzenden Jupiter. Am 22. Januar zieht der Mond recht nah an dem Gasriesen vorüber.

Mars wandert vom Steinbock in den Wassermann und lässt sich nach Sonnenuntergang tief am abendlichen Westhimmel nur schwer aufspüren. Auch Uranus in den Fischen ist etwas für erfahrene Planetenjäger, ebenso Neptun im Wassermann, der jetzt vom Abendhimmel abtritt. Während Merkur unbeobachtbar bleibt, leuchtet Venus als Morgenstern in der Dämmerung knapp über dem Südosthorizont; am 10. Januar begegnet Venus die schmale Sichel des abnehmenden Mondes.

Der Ringplanet Saturn im Bild Waage hat schon am 7. Januar Besuch vom Erdtrabanten, die Szene spielt sich ebenfalls am Morgenhimmel ab. In der Nacht zum 4. Januar können stündlich bis zu 150 Sternschnuppen der Quadrantiden vom Firmament fallen; die Meteore scheinen aus der Konstellation Bootes zu kommen, sind aber nicht so hell.

Der Fahrplan des Erdtrabanten: Letztes Viertel am 5., Neumond am 11., Erstes Viertel am 19. und Vollmond am 27. Januar. Am 2. Januar erreicht die Erde auf ihrer Jahresbahn mit 147,098 Millionen Kilometern den geringsten Abstand zur Sonne.

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SZ vom 02.01.2013/mcs
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