Süddeutsche Zeitung

Meeresbiologie:Kaum je gesehen - und nun erstmals gefilmt: der True-Wal

  • Taucher haben zum ersten Mal True-Wale gefilmt.
  • Die Tiere verbringen einen Großteil ihrer Zeit unter Wasser und werden nur selten von Menschen beobachtet.
  • Untersuchungen zeigen ein Farbmuster am Kopf der Wale.

True-Wale sind ein seltener Anblick - für Laien wie für Wal-Forscher. Nun aber erlauben die wohl ersten Unterwasseraufnahmen überhaupt einen Einblick in das Leben der scheuen Tiere. Mit Hilfe dieser Videos, Fotos und Untersuchungen an gestrandeten Tieren konnten jetzt Wissenschaftler um Natacha Aguilar de Soto von der University of St. Andrews mehr über die True-Wale herausfinden.

Die Wissenschaftler entdeckten unter anderem ein Farbmuster am Kopf dieser Art von Schnabelwal, das zuvor noch nicht beschrieben worden war. Außerdem bestätigten sie mit Gen-Tests, dass die Tiere im Bereich der Azoren und der Kanarischen Inseln vorkommen. Ihre Ergebnisse präsentieren sie im Fachmagazin PeerJ.

Ein Unterwasser-Video zeigt eine Gruppe von Tieren, die gemeinsam tauchen

Das Unterwasser-Video ist durch Zufall während einer Studienreise entstanden. Plötzlich näherten sich drei Wale dem Boot. Der Studienleiter Roland Edler nutzte die Gelegenheit, um die Tiere zu filmen. "Niemand an Bord wusste, welche Art von Schnabelwalen sie gerade beobachteten", sagt Aguilar de Soto. Erst später stellte sich heraus, dass Edler das erste Unterwasservideo von True-Walen gedreht hatte.

Wie viele True-Wale (Mesoplodon mirus) es insgesamt gibt, ist unbekannt. Die Tiere verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Tiefe der Meere, verborgen vor menschlichen Beobachtern. True-Wale können sehr lange tauchen und kommen deshalb nur selten zum Atmen an die Oberfläche. Nahrung nehmen sie in bis zu drei Kilometer Tiefe zu sich.

Die Forscher berichten in ihrer Studie von insgesamt sieben True-Wal-Beobachtungen im Bereich der Azoren und der Kanarischen Inseln, dem südlichsten Punkt ihres Verbreitungsgebiets im Nordost-Atlantik. Auf diesem Unterwasser-Video ist eine Gruppe von drei Tieren zu sehen, die gemeinsam tauchen:

Die Wissenschaftler untersuchten ein männliches Tier, das auf der Kanaren-Insel El Hierro gestrandet war, sowie ein weiteres, das nahe der Azoren tot im Wasser trieb. In beiden Fällen handelte es sich um True-Wale. "Das Tier auf den Kanaren-Inseln hatte eine Verfärbung, die wie vorher bei dieser Art nicht beobachtet hatten", sagt Aguilar de Soto. Die Verfärbung beschreibt die Forscherin als weiße Maske. Für gewöhnlich verlieren gestrandete Wale nach ein paar Stunden diese weiße Farbe. Das gefundene Exemplar dürfte also noch nicht lange da gelegen haben.

Grundsätzlich sei die Region ideal, um die Tiere weiter zu studieren, schreiben die Wissenschaftler. Dort fällt das Wasser nahe der Küste steil ab, was Beobachtungen der Tiere erleichtere.

Die wenigen Details, die über die Tiere bekannt sind, stammen meist von Untersuchungen gestrandeter Wale. Nur selten wurden Live-Sichtungen gemacht. In vielen Fällen ist zudem unklar, ob es sich bei dem beobachteten Tier tatsächlich um einen True-Wal handelte. Beobachter verwechseln die Meeressäuger leicht mit anderen Arten von Schnabelwalen.

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