Süddeutsche Zeitung

H1N1:Schweinegrippe hat fast gesamte Welt erfasst

"Wir nähern uns einer hundertprozentigen Verbreitung", bilanziert die WHO die Ausbreitung der Schweinegrippe. Deutschland bestellte unterdessen 50 Millionen Impfdosen.

Die Schweinegrippe hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mittlerweile nahezu die gesamte Welt erreicht. Inzwischen seien 160 der 193 WHO-Mitgliedstaaten von dem Virus A (H1N1) betroffen. "Wir nähern uns einer hundertprozentigen Verbreitung", sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl am Freitag in Genf.

In den Deutschland hat es in den vergangenen 24 Stunden nach Angaben von RKI-Präsident Prof. Jörg Hacker 380 neue Schweinegrippefälle gegeben. Damit sei der Anstieg etwas geringer als in den 24 Stunden zuvor, sagte der Präsident des Robert Koch- Instituts im ZDF-"Morgenmagazin" am Freitag. Es seien jedoch weitere Infektionen zu erwarten und damit auch Fälle mit schwererem Verlauf, wie sie bereits in Großbritannien aufgetreten sind. "Wir sehen das mit Sorge, ohne in Panik zu verfallen", sagte Hacker.

Es sei ungewöhnlich, dass sich das Virus gerade im Sommer derart verbreite, sagte der RKI-Präsident und verwies darauf, dass die meisten Fälle in Deutschland importiert seien, das heißt von Urlaubreisen vor allem nach Spanien mitgebracht würden. In Deutschland gibt es inzwischen weit über 2500 registrierte Fälle von Schweinegrippe.

Die Bundesländer bestellten am Freitag wie geplant 50 Millionen Impfdosen zur Abwehr der Schweinegrippe. Sie reichen für den Schutz von 30 Prozent der Bevölkerung, teilte das Thüringer Sozialministerium mit, das zurzeit die Gesundheitsministerkonferenz leitet. "Mit der heutigen Bestellung werden die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und der Beschluss der Gesundheitsminister Deutschlands zügig umgesetzt", sagte Ministerin Christine Lieberknecht (CDU). Die Kosten belaufen sich auf rund 700 Millionen Euro. Sie werden später pro Impfung von den Krankenkassen gezahlt.

Der Impfstoff wird zurzeit noch entwickelt und soll Ende September zur Verfügung stehen. Die Impfungen könnten damit im Oktober beginnen. An erster Stelle stehen gefährdete Gruppen wie Asthmatiker, chronisch Kranke und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Mit der Bestellung sei eine Option zum Kauf weiterer Impfdosen verbunden. Ein Schutz für die Gesamtbevölkerung würde zwei Milliarden Euro kosten.

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AFP/dpa/beu
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