Süddeutsche Zeitung

Wirtschaft kompakt:Das kleine Wunder am Arbeitsmarkt

Krise? Desaster am Arbeitsmarkt? Nichts da! Möglicherweise ist jetzt schon die Zahl der Arbeitslosen unter die Marke von drei Millionen gefallen. Außerdem: VW und Porsche können noch nicht heiraten.

Deutschlands Wirtschaft läuft prächtig - die Arbeitslosigkeit könnte darum schon in diesem Monat deutlich unter die Marke von drei Millionen fallen. Wie die Zeitung Bild unter Berufung auf Berechnungen des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn meldet, waren zu Wochenbeginn knapp 2,9 Millionen Bundesbürger ohne Job. Das sei der niedrigste Wert seit Oktober 1992.

Der Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt am IZA, Hilmar Schneider, sagte dem Blatt: "Ich erwarte, dass die Arbeitslosenzahl im Oktober bis auf 2,89 Millionen sinkt." Für den kommenden Monat ist Schneider noch optimistischer. Im November sei ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen bis auf 2,85 Millionen wahrscheinlich, sagte der Wissenschaftler.

VW und Porsche: Schwierige Hochzeit

Die für kommendes Jahr vereinbarte Verschmelzung der Autohersteller VW und Porsche kommt womöglich später als geplant. Grund seien Schadenersatzklagen in den USA und Deutschland sowie unklare rechtliche und steuerliche Fragen, teilte Porsche mit.

Grund für eine Verzögerung könnten die noch immer schwelenden juristischen Auseinandersetzungen in den USA und Deutschland nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW sein. Investmentfonds in den USA streben Milliarden-Dollar-Schadenersatz an, weil sie Falschinformationen vermuten.

"Aus diesem Grund könnte sich die angestrebte Verschmelzung verzögern", räumte VW-Konzernchef Martin Winterkorn, der auch die Porsche-Obergesellschaft Porsche SE führt, auf der Bilanzpressekonferenz ein. Sie bleibe aber "erklärtes Ziel" beider Unternehmen. Der im Jahr 2009 vereinbarte Zusammenschluss beider Unternehmen könne gegebenenfalls auch über eine höhere Beteiligung von VW an der Porsche Zwischenholding vollzogen werden.

Auch Porsche-SE-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte, der Zeitplan für die bis Ende 2011 geplante Verschmelzung sei möglicherweise nicht zu halten. "Der Hauptgrund für meine Zurückhaltung liegt darin, dass die vorzunehmende rechtliche und steuerliche Prüfung der komplexen Transaktion noch nicht abgeschlossen ist", sagte der Manager.

Vor der Verschmelzung mit VW muss die hochverschuldete Porsche SE zudem noch ihr Kapital erhöhen, um die Schulden zurückzuführen. Diese Kapitalspritze um bis zu fünf Milliarden Euro soll im ersten Halbjahr kommenden Jahres durch die Stamm- und Vorzugsaktionäre erfolgen. Ende Juni 2011 wird eine Kreditlinie der Porsche SE in Höhe von 2,5 Milliarden Euro fällig.

Die Banken hätten sich jedoch bereit erklärt, den Fälligkeitstermin um bis zu vier Monate zu verlängern, sagte Pötsch, der auch bei VW die Finanzen führt. Porsche hält knapp 51 Prozent der Stimmrechte an VW, der Wolfsburger Konzern wiederum ist mit 49,9 Prozent am Fahrzeuggeschäft von Porsche beteiligt.

Telekom: Neues Netz mit alten Rivalen

Die Deutsche Telekom will beim Aufbau neuer Mobilfunknetze auf dem Land mit ihren Konkurrenten Vodafone und O2 zusammenarbeiten. "Es haben bereits einige Gespräche stattgefunden", sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme der Financial Times Deutschland.

Noch vor Jahresende könnte es Ergebnisse geben. Angesichts der harten Konkurrenz der Telekombetreiber wäre eine Zusammenarbeit eine überraschende Wende. Die Unternehmen könnten auf diese Weise aber Millionen sparen, da sie beispielsweise Mobilfunkantennen zusammen nutzen könnten.

Die drei Mobilfunker hatten im Frühjahr bei einer Versteigerung der Bundesnetzagentur Milliarden für neue Mobilfunkfrequenzen auf den Tisch gelegt. Ein Teil der Frequenzen muss nach dem Willen der Politik dafür genutzt werden, dünn besiedelte Regionen Deutschlands mit schnellem Internet zu versorgen.

Zum Einsatz kommt dabei die neue Mobilfunktechnik LTE, Nachfolger des derzeitigen Standards UMTS. Bundesnetzagentur und Kartellamt hatten mehrfach betont, dass sie sich einer Zusammenarbeit bei LTE nicht entgegenstellen wollen. Der Mobilfunkbetreiber E-Plus hat keine LTE-Lizenz ersteigert und spielt daher zunächst keine Rolle.

Exporte auf Rekordkurs

Die deutschen Exporte könnten 2011 nach Schätzungen des Branchenverbands BGA erstmals die magische Grenze von einer Billion Euro knacken. "Im kommenden Jahr bestehen gute Chancen, zum ersten Mal in der Geschichte die Marke von einer Billion Euro beim Export zu erreichen", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Derzeit würden die Ausfuhren so stark zulegen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.

Die Exporte stiegen im laufenden Jahr um 16 Prozent auf 937 Milliarden Euro, berichtete der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) in Berlin. Schneller als erwartet werde damit das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Es gebe aber weltweit Risiken. So könnte die US-Wirtschaft zurück in die Rezession fallen oder in China die Immobilienblase platzen. Auch die Euro-Schuldenkrise sei längst nicht ausgestanden. Zudem versuchten viele Länder, mit dem "süßen Gift des Protektionismus" (Zölle und Beschränkungen) ihre Märkte gegen ausländische Konkurrenz abzuschotten.

Im laufenden Jahr sind die Exporte in die Länder außerhalb der EU besonders dynamisch: Sie können dem BGA zufolge um bis zu 25 Prozent wachsen, während die Ausfuhren in die EU um 13,5 Prozent steigen sollen. Umgekehrt würden die Importe insgesamt um 17 Prozent auf 789 Milliarden Euro zulegen. Der Außenhandelsüberschuss betrage 148 Milliarden Euro. Für 2011 rechnet der Verband mit einem Zuwachs der Exporte um bis zu sieben Prozent auf 1003 Milliarden Euro, die Einfuhren sollen um bis zu acht Prozent auf 852 Milliarden Euro steigen. Deutschland werde seinen Weltmarktanteil von 9 auf 9,5 Prozent ausbauen können.

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