Süddeutsche Zeitung

Rolf Breuer:Teures Interview

Die Deutsche Bank bekommt von ihrem früheren Chef 3,2 Millionen Euro für dessen TV-Äußerungen über Leo Kirch. Für ein gutes Leben bleibt dem Ex-Manager trotzdem genug übrig. Sein Vermögen soll 10 Millionen betragen.

Von Klaus Ott, Frankfurt/München

Es passiert selten, dass Manager für dienstliche Fehler mit ihrem privaten Vermögen haften müssen. Doch genau das geschieht nun im Fall von Rolf Breuer: Der frühere Vorstandschef der Deutschen Bank muss 3,2 Millionen Euro an seinen ehemaligen Arbeitgeber zahlen. Grund ist das folgenreiche Fernseh-Interview vom Februar 2002, in dem er als Bankchef öffentlich die Kreditfähigkeit des Kunden Leo Kirch und seines Medienimperiums angezweifelt hatte. Der überschuldete Film- und Fernsehkonzern ging wenig später pleite.

Dieses Interview hat das Geldinstitut nach jahrelangen Prozessen 925 Millionen Euro Schadensersatz für die Erben und Gläubiger des inzwischen verstorbenen Kirch gekostet. Einen kleinen Teil davon übernimmt jetzt Breuer. Darben muss er deshalb nicht. In einem der vielen Prozesse um dieses Interview war sein Vermögen mit knapp 10 Millionen Euro beziffert worden. So steht es in Münchner Gerichtsakten aus dem Jahr 2011. Dort sind drei Immobilien notiert, die ihm beziehungsweise seiner Frau gehören; außerdem hohe monatliche Einkünfte aus der Altersversorgung. Für ein angenehmes Leben bleibt also genug übrig. Das entspricht der in solchen Fällen üblichen Praxis bei deutschen Unternehmen.

Im Fall Siemens, als es ebenfalls um Schadensersatzforderungen gegen frühere Manager ging, legte die Anwaltskanzlei Hengeler Müller ein umfangreiches Gutachten vor. Darin steht, ein Konzern dürfe berücksichtigen, welche "sozialen Konsequenzen" für einen Ex-Manager und dessen Familie mit hohen Schadensersatzforderungen verbunden seien. Geschont werden dürfe aber selbst ein "verdientes Vorstandsmitglied" nur in Ausnahmefällen. Daraus leiteten Aufsichtsräte ab, man müsse Manager, die ihre Amtspflichten verletzt hätten, schon ordentlich zur Kasse bitten. Man müsse ihnen aber "nicht das letzte Hemd ausziehen".

So geschah es nach der Schmiergeldaffäre bei Siemens, als Ex-Chef Heinrich von Pierer fünf Millionen Euro zahlen musste. So geschieht es jetzt bei der Deutschen Bank mit Breuer. Aus der Einladung des Instituts für die Aktionärsversammlung am 19. Mai geht hervor, dass sich die Bank und ihr früherer Chef auf die 3,2 Millionen Euro geeinigt hätten. Das entspreche dem dreifachen Jahresgrundgehalt von Breuer als Vorstandssprecher. Er zahlt allerdings "ohne Präjudiz oder Anerkennung einer Rechtspflicht". So war das auch bei Pierer gewesen, der alle Vorwürfe zurückwies.

Die Aktionäre müssen dem Vergleich noch zustimmen. Das gilt auch für die Einigung der Deutschen Bank mit den Versicherern, bei denen eine Manager-Haftpflicht besteht. Die Versicherer zahlen letztlich 90 Millionen Euro. Den weitaus größten Teil des Schadens muss die Deutsche Bank also selbst zahlen. Bliebe dann also nur noch der Prozess in München wegen versuchter Täuschung der Justiz durch Breuer & Co im Fall Kirch. Da aber sieht es für den Konzern und die Angeklagten, darunter auch der heutige Co-Chef Jürgen Fitschen, recht gut aus.

Breuer dürfte sich freuen, wenn der Fall Kirch nach bald eineinhalb Jahrzehnten Dauer-Ärger für ihn demnächst ein weitgehendes Ende hat - auch wenn er dann weniger wohlhabend ist als zuvor.

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SZ vom 01.04.2016
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