Süddeutsche Zeitung

Pro Sieben Sat 1:Gutes Geschäft 

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Der US-Finanzinvestor steigt beim Fernsehunternehmen Pro Sieben Sat 1 wieder aus - mit viel Gewinn.

Von Caspar Busse

Im März, kurz nach dem ersten Lockdown in der Corona-Pandemie, war die Aktie von Pro Sieben Sat 1 sehr nach unten gesackt. Die Werbeeinnahmen blieben auf einmal weg, der Kurs des M-Dax-Wertes lag plötzlich unter der Marke von sechs Euro. Inzwischen aber laufen die Geschäfte des Fernsehunternehmens wieder deutlich besser. "Wir haben die Krise sehr früh zu spüren bekommen, aber wir haben dafür auch früh wieder vom Aufschwung profitiert", sagte Mitte Dezember Vorstandssprecher Rainer Beaujean der SZ. Die Geschäfte im November und im Dezember seien gut gelaufen, teilweise besser als im Vorjahr, und das trotz des erneuten Lockdowns.

Kein Wunder also, dass sich auch der Aktienkurs wieder deutlich nach oben bewegte und am Freitag vergangener Woche ein Zwölf-Monats-Hoch bei über 14 Euro erreichte. An diesem Mittwoch knickte die Aktie aber zeitweise um mehr als sieben Prozent ein. Der Grund: Einer der großen Aktionäre nutzte die gute Entwicklung und trennte sich von Papieren.

Der amerikanische Finanzinvestor KKR mit Hauptsitz in New York verkaufte über Nacht 4,7 Prozent des Gesamtkapitals an institutionelle Investoren und hält nun nur noch eine Mini-Beteiligung. Für KKR war das jedenfalls ein sehr gutes Geschäft. Denn zum Zeitpunkt des Einstiegs im Frühjahr lag die Aktie von Pro Sieben Sat 1 bei etwa sechs Euro, jetzt sollen die Papiere zu Kursen zu je 13,50 Euro abgestoßen worden sein, das ist eine Verdoppelung in nicht mal einem Jahr.

KKR hatte von Anfang an betont, es handele sich um ein finanzielles Engagement. Trotzdem gab es immer wieder Spekulationen, es könnte deutlich mehr dahinter stehen. Denn KKR ist sowohl mit fast 50 Prozent am Berliner Medienunternehmen Axel Springer beteiligt als auch Eigentümer der neuen Münchner Mediengruppe Leonine, die sich auf Film- und Fernsehproduktionen konzentriert. Beide Engagements hätten gut zu Pro Sieben Sat 1 passen können. Zudem war KKR schon einmal zusammen mit Permira Mehrheitsaktionär bei Pro Sieben Sat 1 gewesen, kennt die Firma also gut. Auch mit Firmenchef Rainer Beaujean ist KKR vertraut, der Finanzinvestor hatte ihn einst zum Kranebauer Demag geholt. "Wir kennen und schätzen uns", sagte Beaujean im Dezember zu KKR.

Daneben hat Pro Sieben zwei weitere größere Aktionäre, die Pakete unter zehn Prozent besitzen, nämlich das italienische Fernsehunternehmen Mediaset, das von der Familie des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrolliert wird, und die Holding Czech Media Invest des tschechischen Investors Kretinsky. Mediaset verfügt daneben über das Recht, weitere Aktien zukaufen zu können.

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Quelle:
SZ vom 14.01.2021
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