Süddeutsche Zeitung

Mike Tyson und sein Anlageberater:Taube auf dem Dach

Als jemand eines seiner Tiere tötete, prügelte er sich das erste Mal. Aus einem schüchternen Jungen wurde ein Raufbold und aus dem Raufbold einer der größten Boxer aller Zeiten. Doch außerhalb des Rings entglitt Mike Tyson sein Leben. Nun muss Tyson wieder kämpfen, nur anders als je zuvor.

Von Moritz Koch, New York

Die Erfolge sind verblasst, die Exzesse liegen hinter ihm. Mike Tyson, 46, züchtet Tauben. Der Tiger, den er einst als Haustier hielt, ist fort. Den Drogen hat er abgeschworen. Geblieben sind ihm seine Frau Lakiha und seine Kinder. Aus dem Exzentriker ist ein Familienmensch geworden, der um acht ins Bett geht und vor Tagesanbruch aufsteht. Der frühere Weltstar und Box-Champion, der am Leben zu scheitern drohte, ist in die Normalität geflüchtet. Doch sorgenfrei ist auch das neue Leben nicht.

Schon vor Jahren musste Tyson, der mit Siegesprämien und Sponsorenverträgen ein Vermögen verdiente, Privatinsolvenz anmelden. Nun verklagt er seinen Anlageberater. Es geht um Schadensersatz, fünf Millionen Dollar fordert Tyson. So steht es in einer am Mittwoch in Los Angeles eingereichten Klageschrift gegen SFX Financial Advisory Management Enterprises, einer Tochter des Unterhaltungskonzerns Live Nation Entertainment.

Tyson wirft seinem Finanzberater vor, sein Vertrauen missbraucht und 300.000 Dollar unterschlagen zu haben. Das Geld habe ihm gefehlt, um aus der Insolvenz herauszukommen, wodurch ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sei. Vor allem weil er neue Anwälte und Berater anheuern musste.

Namentlich wird in der Klageschrift der SFX-Angestellte Brian Ourand genannt. Tyson habe in ihm einen Freund gesehen und ihn zu seiner Hochzeit eingeladen. Um so bitterer ist nun der Streit. Weder Ourand noch SFX oder Live Nation wollen sich zu den Anschuldigungen äußern. Wie das Gericht entscheidet, ist unklar. Doch schon jetzt offenbart der Fall das typische Muster eines erfolgreichen Sportlers, dem das Geld zwischen den Fingern zerrinnt.

Tyson wuchs in den übelsten Gegenden des New Yorker Stadtteils Brooklyn auf. Seine Mutter war alkoholkrank und überfordert, sein Vater verschwunden. Mike war übergewichtig, in der Schule wurde er wegen seiner hohen Stimme gehänselt. Er hatte nichts - bis auf einen unbändigen Willen und seine Leidenschaft für Vögel.

Schon damals hielt er Tauben auf dem Dach. "Das erste, was ich in meinem Leben geliebt habe, war eine Taube", sagte Tyson vor zwei Jahren der New York Times. Als ein älterer Junge eines seiner Tiere tötete, prügelte sich Tyson das erste Mal. So wurde aus einem schüchternen Jungen ein Raufbold und aus einem Raufbold einer der größten Boxer aller Zeiten.

1986 wurde Tyson zum jüngsten Schwergewichtsweltmeister der Geschichte. Mit 21 Jahren trug er die Titel der drei großen Boxverbände, wurde als "Undisputed Heavyweight Champion", als "Iron Mike" gefeiert. Doch außerhalb des Ringes entglitt Tyson die Kontrolle. Er musste wegen Vergewaltigung drei Jahre ins Gefängnis, wurde wegen Drogenbesitzes verurteilt. Sein Vermögen von 400 Millionen Dollar verprasste er, seine ersten beiden Ehen scheiterten. Nun muss Tyson wieder kämpfen - um seine Chance auf ein normales Leben.

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SZ vom 22.02.2013/olkl
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